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Sport1.de-Redakteur Daniel Rathjen saß Bayern-Chefcoach Louis van Gaal im Nacken © SPORT1

Van Gaal hat seine ersten Spiele mit dem FC Bayern hinter sich. Sport1.de schaut dem Niederländer ganz genau über die Schulter.

Vom FC Bayern berichtet Daniel Rathjen

München/Salzburg - Er ist gekommen, um den FC Bayern wieder nach vorne zu bringen.

Und Louis van Gaal genoss seine ersten Schritte bei seinen ersten Spielen mit seinem neuen Klub.

Der Test gegen Red Bull Salzburg war zwar noch glanz- und torlos ("Alles muss besser werden").

Beim Gaudi-Kick in Waging fielen dann immerhin elf Tore.

Sport1.de saß beim Spiel in Salzburg am Freitag direkt auf dem Platz hinter der Trainerbank und schaute dem Niederländer über die Schulter. (128126DIASHOW: Mit Schirm, Charme und Lederhose)

Immer mit der Ruhe

Nach einer Viertelstunde skizzierte van Gaal die taktische Formation des Gegners auf seinem Notizblock, auf dem rechts ein Spielfeld abgebildet ist.

An seiner rechten Seite saß sein Assistent Andries Jonker, links Co-Trainer Hermann Gerland.

Beinahe stoisch verfolgte der 57-jährige Trainer das Geschehen auf dem Feld. Ganz im Gegensatz zum ehemaligen Bayern-Coach Jürgen Klinsmann sprang er nie auf.

Van Gaal ist kein "Stehaufmännchen"

Seinen Platz verließ er in 90 Minuten nur zweimal: Einmal, um zu applaudieren, als Niko Kovac verabschiedet wurde, dann um sich ins Trockene zu bringen, als nach einer halben Stunde ein heftiger Platzregen einsetzte.

Nur einmal, Mitte der zweiten Halbzeit, schrie van Gaal eine kurze taktische Anweisung Richtung Hamit Altintop. Den Rest des Spiels verfolgte der neue Chefcoach ohne Regung.

Jetzt, bei der täglichen Arbeit an der Säbener Straße, führt er sein strenges Regiment weiter. "Es herrscht Disziplin", hat Manager Uli Hoeneß beobachtet.

Van Gaal ist sehr speziell, dominant und ein Ordnungsfanatiker.

Sport1.de wirft einen Blick auf seine markantesten Eigenschaften:

Das Auftreten:

Auf dem Trainingsplatz hat der Coach immer eine Stoppuhr und eine Trillerpfeife umhängen. Pünktlichkeit ist in jedem Fall verbindlich.

"Für die Spieler ist es am Anfang sehr schwierig, weil mein Training mehr den Kopf beansprucht als die Beine. Ich trainiere im Gehirn", hatte sich van Gaal selbst beschrieben.

Der Umgang mit den Spielern:

Er weiß genau, was er will und kommuniziert das auch. Gerade heraus. Er sagt vor jedem Training, was er erwartet. Sieht er keinen Erfolg, spricht er an, was falsch war.

Van Gaal besteht darauf, von den Spielern gesiezt oder mit "Trainer" angesprochen zu werden. Negative Äußerungen über Mitspieler sind zu unterlassen.

Guter Ton gehört für ihn dazu. Bereits bei seiner Begrüßung maßregelte er Spieler, die sich ihm nicht höflich mit Namen vorstellten.

Die Spieler trainieren mit einem Herzfrequenzmesser, der ganze Trainingsplatz wird videoüberwacht.

Die Taktik:

"Sie werden schnell erkennen können, was ich vorhabe", prognostiziert der Trainer. Die Marschroute zeichnete sich in Salzburg tatsächlich schon ab: Sie nennt sich kontrollierte Offensive. (Der Sommerfahrplan des FC Bayern)

Es war deutlich zu erkennen, dass die Münchner immer wieder in den von van Gaal geforderten Dreiecken spielen wollten.

Ist der FC Bayern in Ballbesitz, will van Gaal Ballstafetten sehen, über die ganze Breite des Platzes - am besten tief in des Gegners Hälfte. Selten gibt es Risikopässe wie lange Bälle.

Pressing wird gespielt, wenn der Gegner das Spielgerät hat.

Agiert wurde mit einer Raute im Mittelfeld. Festlegen wollte sich Van Gaal aber noch nicht auf das 4-4-2-System. Er würde gerne ein 4-3-3 spielen.

"Es ist eine gute Idee. Wenn wir gelernt haben, das System optimal umzusetzen, sind wir schwer zu schlagen", behauptet Mark van Bommel.

Die Macken:

Schlechte Nachricht für Luca Toni und Co.: "Detektiv" van Gaal kontrolliert seine Spieler künftig sogar bei Disco-Besuchen - genau so wie er dies schon bei seinem früheren Klub FC Barcelona so gemacht hat.

Dank der modernen Kommunikationsmittel sei das nicht schwer, sagt der Coach.

Zudem plant van Gaal jede Einheit mit seinen Assistenten bis ins Detail.

Und er verlangt den absoluten Willen, sich im Training zu quälen - und auch den Schritt zu machen, der weh tut.

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