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2007 holte Hoeneß Ribery (l.) für 25 Millionen Euro Ablöse zum FC Bayern © getty

Den "Königlichen" ist im Ribery-Poker offenbar fast jedes Mittel recht. Auch alte Seilschaften werden eingesetzt. Die Hintergründe.

Von Martin Volkmar

München - Der Eindruck verfestigt sich, dass Franck Ribery das Kapitel Bayern München abgeschlossen hat.

Nach mehrtägiger Pause wegen einer Knieverletzung dauerte seine Rückkehr ins Training nur knapp eine Stunde.

Dann fasste sich der Franzose ans linke Knie und verabschiedete sich in die Kabine. (Der Sommerfahrplan des FC Bayern).

Der Kurz-Auftritt passte zu den anhaltenden Gerüchten über einen Wechsel zu Real Madrid.

Hoeneß: "Ribery bleibt"

Dennoch meinte Manager Uli Hoeneß fast zur selben Zeit bei einer Veranstaltung in der Allianz Arena: "Ribery bleibt. Es gibt keine Veranlassung, ihn zu veräußern."

Daher mache das "Trommelfreuer" von Medien und Madrilenen beim deutschen Rekordmeister auch niemanden nervös.

Intern sieht es aber offenbar ganz anders aus. So geht die Zermürbungstaktik von Real Madrid und der Ribery-Berater langsam an die Substanz der FCB-Führung.

Denn die "Königlichen" versuchen die Münchner mit gezielten Nadelstichen zur Aufgabe im Poker um Ribery bzw. dessen Ablöse zu bringen.

Ein Merkmal der Transferpolitik des alten und neuen Real-Präsidenten Florentino Perez, der damit schon bei Zinedine Zidane, David Beckham und aktuell Cristiano Ronaldo erfolgreich war.

Artikel 17 als "königlicher" Trumpf

Neuester Trumpf bei Ribery: Der umstrittene Artikel 17 der FIFA-Transferregularien. Danach kann ein Spieler vor Vollendung seines 28. Lebensjahres den Verein schon ein Jahr vor Vertragsende verlassen, wenn er dort mindestens drei Jahre tätig war.

Genau das ist bei Ribery, der 2007 für 25 Millionen Euro von Olympique Marseille nach München kam, im Sommer 2010 der Fall.

Vermutlich würde am Ende der Internationale Sportgerichtshof (CAS) eine Ablöse festlegen, die in etwa dem realen Marktwert des Spielers entspricht.

2010 nur 22 Millionen Ablöse?

"Diese Summe liegt bei Ribery 2010 zwischen 16 und 22 Millionen Euro", sagte der auf das Transferrecht und den Artikel 17 spezialisierte spanische Sportrechtler Juan de Dios Crespo der Sportzeitung "As".

Angesichts der Real-Offerte von zuletzt angeblich 55 Millionen Euro wären die Bayern also gezwungen, wieder über einen sofortigen Wechsel zu verhandeln - allerdings mit deutlich schlechteren Karten.

Die Madrilenen freuen sich derweil über die neueste Wende und schweigen. Schließlich haben sie einer Art "Gentlemans Agreement" der Vereinigung der europäischen Top-Klubs (ECA) zugestimmt, auf die Hilfe des Artikels 17 bei Transfers zu verzichten.

Doch man kann davon ausgehen, dass sie den Stein hinter den Kulissen ins Rollen gebracht haben. Entstanden ist die neue Situation nämlich durch eine offizielle Mitteilung der internationalen Fußballprofi-Gewerkschaft FIFPRO.

Die hat erklärt, Rummenigge als ECA-Präsident vor FIFA und Europäischer Union wegen des oben erwähnten Verzichts auf Artikel 17 zu verklagen. Ziel: Ribery soll die Bayern trotz Vertrags im Sommer 2010 verlassen können.

Ein alter Bekannter des Real-Sportdirektors

Präsident der FIFPRO ist der Spanier Gerardo Gonzalez Movilla, der auch Vorsitzender der nationalen Spielergewerkschaft ist (AFE). Und von dort ist er bestens bekannt mit Miguel Pardeza, der jahrelang bis 2005 sein erster Stellvertreter war.

Eben jener Pardeza, der seit der Rückkehr von Florentino Perez Sportdirektor von Real Madrid ist. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Zumal es eine weitere Verbindung gibt. Vorher war Pardeza Manager von Real Saragossa. Der spanische Erstligist nutzte 2007 den Artikel 17, um den Brasilianer Matuzalem von Schachtjor Donezk loszueisen.

Am Ende erhöhte der CAS die von der FIFA festgelegte Ablöse von rund sieben Millionen Euro auf immerhin zwölf Millionen Euro. Das war etwas mehr als Saragossa zahlen wollte, aber Pardeza hatte seinen Wunschspieler bekommen.

Ähnliches könnte sich nun im Fall Ribery wiederholen. Ins Bild der Transferpolitik von Perez und Pardeza würde es jedenfalls passen.

Van Gaals Wunschkandidat Sneijder bleibt in Madrid

Fraglich ist zudem, ob die Bayern als Ausgleich einen der bei Real aufs Abstellgleis geratenen Niederländer bekommen würde.

Zumindest bei Louis van Gaals Top-Kandidat Wesley Sneijder kann man das sogar ausschließen.

"Der Trainer hat mir sein Vertrauen ausgesprochen und will nicht, dass ich weggehe", sagte der Mittelfeldspieler nach einem "guten Gespräch" mit Madrids Coach Manuel Pellegrini.

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