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Thomas Schaaf ist seit Mai 1999 Trainer von Werder Bremen © getty

In Bremen liegen die Nerven nach schwachen Leistungen blank. Thomas Schaaf fordert Neuzugänge und zofft sich mit einem Spieler.

Von Mathias Frohnapfel und Robert Gherda

München - Geduld ist derzeit die wichtigste Tugend bei Werder Bremen.

Denn seit dem Start der Saisonvorbereitung läuft es längst nicht so reibungslos wie erhofft.

Dabei will der DFB-Pokalsieger nach der in der Bundesliga enttäuschenden Saison in der kommenden Spielzeit unbedingt mehr Konstanz erreichen, um wieder um die Champions-League-Plätze zu kämpfen.

Nimmt man die ersten Testspiele als Maßstab, klafft jedoch eine gewaltige Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit.

Schwache Testspiele

Wie zuletzt bei einer trostlosen Nullnummer gegen Sturm Graz bekleckerten sich die Werder-Profis in der Vorbereitung nur selten mit Ruhm.

"Wir sind erst neun Tage im Training, haben viel gearbeitet. Unser Zustand ist zu diesem Zeitpunkt durchaus normal", schränkt Thomas Schaaf ein.

"Aber ich will mehr sehen. Mit der Leistung bin ich nicht zufrieden."

Zudem bemängelt der Chefcoach, dass er noch immer nicht mit seinem Wunschkader arbeiten kann: "Das war nicht die Mannschaft, mit der wir in die Saison gehen wollen."

Zu allem Überfluss meldete sich auch noch Torhüter Tim Wiese wegen eines grippalen Infekts krank und darf in den nächsten Tagen nicht trainieren.

Vranjes vor dem Aus?

Zwischen Team und Trainer knistert es derzeit gewaltig. So wechselte Schaaf Jurica Vranjes nach einem heftigen Wortgefecht gegen Graz bereits nach einer halben Stunde aus.

Der Kroate, der angeblich auf Bewährung bei Werder spielt, steht nun vor dem Aus.

Schaaf plant ohnehin nicht mehr mit Vranjes und fordert stattdessen vehement Verstärkungen. Vor allem die kreative Lücke, die der Transfer von Diego zu Juventus Turin gerissen hat, klafft schmerzhaft.

Bislang haben die Hanseaten erst Stürmer Moreno (Donezk) Marcelo und U-21-Europameister Marko Marin (Gladbach), der nach seinem verlängerten Urlaub am Montag im Trainingslager in Bad Waltersdorf eintraf.

"Es ist notwendig, dass noch jemand kommt"

"Es ist notwendig, dass noch jemand kommt", fordert Schaaf in Richtung Klaus Allofs. Trotzdem sieht der Manager kein Konflikt mit dem Coach, mit dem er "keine Probleme" habe.

"Natürlich hätte ich auch lieber alles unter Dach und Fach und alle Mann an Bord. Doch Thomas und ich, wir sind uns einig, dass wir Geduld haben müssen", meint Allofs.

Da ist es wieder das aktuelle Loswort bei Werder: Geduld.

Aber vor allem in Mittelfeld und Sturm würden Verantwortlich und Fans lieber heute als morgen Taten sehen.

Klar scheint lediglich, dass Werder nur dann einkaufen geht, wenn vorher noch Personal abgebaut wird. Neuzugänge seien laut Allofs schließlich immer "auch eine Frage der Kopfstärke des Kaders".

Hängepartien bei Pizarro und Borowski

Dafür müsste aber endlich geklärt werden, ob Torjäger Claudio Pizarro ein weiteres Jahr in Bremen bleiben und noch einmal von Chelsea ausgeliehen werden kann.

Ähnlich sieht es bei Tim Borowski aus. "Die Bayern wissen von unseren Wünschen" sagte Allofs, um das Ganze im gleichen Satz zu relativieren: "Das Paket muss allerdings stimmen"

Schließlich wechselte Borowski ablösefrei nach München, besitzt dort aber noch einen Vertrag.

Schwer vorstellbar, dass die Bayern ihn ohne entsprechendes Entgelt ziehen lassen, zumal Borowski bei seinem Wechsel ein sattes Handgeld erhielt.

Özil als Hoffnungsträger

Ob mit oder ohne Borowski - die große Verantwortung im Spiel nach vorne wird in der neuen Saison auf Mesut Özil lasten.

Dabei steht auch der Deutsch-Türke unter Beobachtugn der konkurrenz. So soll Aston Villa laut "News of the World" umgerechnet 14 Millionen Euro für den U-21-Europameister bieten.

Ein Wechsel scheint allerdings eher unwahrscheinlich, wie Özils Berater Reza Fazeli kundtut: "Werder will mit Mesut in die Saison gehen, wir akzeptieren das sehr gern."

Zusätzlich will Allofs den Vertrag mit dem Spielmacher unbedingt verlängern und hat auch erste Verhandlungen mit dem Özil-Lager geführt.

Mehr Verantwortung für Frings

Als Leitwolf kommt der Youngster allerdings noch nicht in Frage. In dieser Rolle dürfte der neue Kapitän Torsten Frings noch mehr gefordert sein, nachdem Vorgänger Frank Baumann seine aktive Laufbahn beendet hat.

"Wir müssen wieder Disziplin reinbekommen. Das ist ganz wichtig, wenn wir vorne angreifen wollen", erklärt der Nationalspieler.

Zugleich müssen aber noch die Transfer-Baustellen geschlossen werden. Viel Arbeit für Schaaf und Allofs.

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