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Bernd Hoffmann ist seit 2003 Vorstandsvorsitzender des Hamburger SV © getty

Der HSV-Boss sieht sich massiven Anfeindungen auf der HSV-Versammlung ausgesetzt. Auch der Aufsichtsrat wird stark kritisiert.

Hamburg - Pfiffe gegen den Vorstandsvorsitzenden, Rücktrittsforderungen an den Aufsichtsrat und gegenseitige Anfeindungen auf Stammtischniveau:

Dreieinhalb Wochen vor Beginn der neuen Bundesligasaison steht die Vereinsführung des Hamburger SV bei den eigenen Anhängern wieder einmal schwer unter Beschuss.

Teile der Fanbasis nutzten die Aussprache zur Trennung von Sportchef Dietmar Beiersdorfer am Montagabend, um ihren Unmut über Klubchef Bernd Hoffmann und die Kontrolleure zum Ausdruck zu bringen.

Zumindest bei den anwesenden knapp 2000 HSV-Supporters scheint die Führungsetage ihren Kredit endgültig verspielt zu haben.

Aufsichtsräte stark unter Beschuss

Während sich der Vorstandsvorsitzende nach dem gewonnenen internen Machtkampf mit Beiersdorfer lautstarke "Hoffmann-raus"-Rufe gefallen lassen musste, galt die Hauptkritik bei der Sondersitzung in der Hamburger Messe wie schon bei der Jahreshauptversammlung im Januar einigen Aufsichtsräten.

Dem Vorsitzenden Horst Becker wurde gleich von mehreren Rednern der Rücktritt als Chef des zwölfköpfigen Gremiums nahe gelegt.

"Dafür sehe ich schon deshalb keine Veranlassung, weil meine elf Kollegen hinter mir stehen", meinte aber der 69 Jahre alte Ex-Banker.

Auch Hoffmann sah keinen Grund, drei Wochen nach Beiersdorfers Rücktritt ebenfalls über eigene Konsequenzen nachzudenken.

Hoffmann schließt Rücktritt aus

"Der Co-Kapitän hat sich entschlossen, das Schiff zu verlassen. Ich als Kapitän denke nicht daran, ihm zu folgen", sagte der 46-Jährige und deutete seinerseits noch einmal seine Enttäuschung über Beiersdorfer in der Endphase der siebenjährigen Zusammenarbeit an:

"In der ganzen Zeit hat er es nicht geschafft, mir einmal persönlich zu sagen, was ihm nicht passt."

Derweil ergriffen zahlreiche der anwesenden HSV-Mitglieder offen Partei für den ausgeschiedenen Sportchef, der zurzeit im Türkei-Urlaub weilt.

"Didi war eine Integrationsfigur und ein echter HSVer", betonte der Supportersvorsitzende Ralf Bednarek, der mit seiner Abteilungsleitung die außerordentliche Mitgliederversammlung beantragt hatte.

Beiersdorfer kassiert Abfindung

Den Vorwurf der Fans, Beiersdorfer sei mit Macht zum Rücktritt gedrängt worden, wies Kontrollchef Becker jedoch vehement zurück:

"Er wurde nicht entlassen. Es war sein Wunsch aufzuhören - leider."

Nach Informationen des Hamburger Abendblattes soll die Trennung vom Sportchef den HSV eine Million Euro Abfindung kosten.

Die Frage der Beiersdorfer-Nachfolge ist derweil noch nicht geklärt.

Im Gespräch sind offenbar vier Kandidaten, darunter der frühere HSV-Kapitän Thomas von Heesen (derzeit Apollon Limassol/Zypern), Ex-Bundesligaprofi Thomas Helmer (derzeit DSF-Moderator) sowie die internen Lösungen Bernd Wehmeyer (Klubmanager) und Michael Schröder (Chefscout).

Beiersdorfer-Nachfolge noch offen

Becker kündigte an, dass der Neue auch Mitglied des Vorstands und "auf Augenhöhe mit dem Vorsitzenden arbeiten soll".

Vor der Aussprache mit den Fans hatte sich der Aufsichtsrat in seiner Sitzung mit den dringendsten Personalien und Planungen für die bevorstehende Saison beschäftigt.

Danach soll das Amt des Sportchefs spätestens bis zum Saisonstart neu besetzt sein. Zudem soll noch Geld für mindestens zwei Neuverpflichtungen zur Verfügung gestellt werden.

Verhandelt wird dabei immer noch über die Verpflichtung des schwedischen Nachwuchsstürmers Marcus Berg vom niederländischen Erstligisten FC Groningen sowie zumindest einen Abwehrspieler. (Schweden-Star Berg schon da)

Als Kandidaten präsentierte der Vorstand den Kontrolleuren den Schweizer Philippe Senderos vom FC Arsenal sowie den Schweden Rasmus Bengtsson von Trelleborg FF.

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