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Bert van Marwijk trainiert die niederländische Nationalmannschaft seit 2008 © getty

Der Bondscoach legt Huntelaar einen Wechsel nach Stuttgart ans Herz. Das Gehalt ist ein Problem. Jens Lehmann stellt Forderungen.

Stuttgart - Im Poker um Torjäger Klaas-Jan Huntelaar hat Bundesligist VfB Stuttgart einen prominenten Fürsprecher erhalten.

Der niederländische Nationaltrainer Bert van Marwijk legt dem Angreifer von Real Madrid, der in Stuttgart die Nachfolge von Mario Gomez antreten soll, mit Blick auf die Weltmeisterschaft 2010 einen Wechsel zum VfB nahe.

"Wenn die Spieler eine Chance haben wollen, bei der WM dabei zu sein, müssen sie viel Spielpraxis sammeln. Wenn sie in der nächsten Saison bei einem guten Verein immer spielen, erhöht sich ihre Chance, im nächsten Jahr mit nach Südafrika zu fahren", sagte van Marwijk der "Bild".

Van Marwijk lobt Stuttgart und Bundesliga

In seiner Zeit als Coach von Borussia Dortmund habe er den VfB "als guten Verein kennengelernt", führte der Bondscoach weiter aus:

"Letzte Saison habe ich einige Spiele vor Ort gesehen. Sie spielen einen guten, schönen und offensiven Fußball. Das ist für einen Stürmer immer wichtig. Und aus meiner Zeit in Deutschland weiß ich, wie hoch die Qualität in der Bundesliga ist."

Babbel nimmt es gelassen

Teamchef Markus Babbel äußerte sich derweil im Trainingslager des VfB in Leogang (Österreich) gelassen und verwies auf mögliche Alternativen, falls der Transfer des Niederländers doch nicht zustande kommen sollte. "Wir sind mit hochkarätigen Spielern im Gespräch. Es wäre fahrlässig, sich nur auf einen zu konzentrieren", sagte Babbel.

Derweil sagte Huntelaar-Berater Arnold Oosterveer der "Stuttgarter Zeitung", "dass Klaas-Jan noch in dieser Woche eine Entscheidung treffen wird" (Stuttgart wartet auf den "Jäger"). Für van Marwijk ist Huntelaar "intelligent genug, um zu entscheiden, was das Beste für ihn ist".

Keine Zukunft bei Real

Sicher ist bisher nur, dass Real nicht mehr mit Huntelaar plant. Der Niederländer ist auch nicht mehr ins Real-Trainingslager nach Dublin mitgefolgen. Dies hat Sportdirektor Jorge Valdano dem Nationalspieler mitgeteilt.

Mit dem VfB ist sich Real bereits über die Ablöse für einen Transfer des 25 Jahre alten Stürmers einig. Sie soll bei 18 Millionen Euro liegen, weitere zwei Millionen würden bei einer Qualfikation des VfB für die Champions League hinzukommen.

Von diesen maximal 20 Millionen Euro muss Real Madrid laut "Marca" auf jeden Fall sieben Millionen Euro an Huntelaars alten Verein Ajax Amsterdam abgeben.

Gehalt entscheidend

Noch steht aber eine Einigung der Schwaben mit dem Spieler aus. Knackpunkt ist das Gehalt von Huntelaar, der in Madrid drei Millionen Euro netto verdient haben soll. Dies kann der VfB nicht bieten. Man habe dem Spieler aber ein "sehr ordentliches Angebot gemacht", sagte VfB-Sportdirektor Horst Heldt.

Laut Oosterveer liegen mehrere Offerten für den Nationalspieler vor. Diese sollen von Tottenham Hotspur, Manchester City und dem AS Rom kommen. Auch Arsenal London soll seine Fühler nach dem Stürmer ausgestreckt haben. Manchester United und der AC Mailand sind kein Thema mehr.110436(DIASHOW: Der VfB bekommt Konkurrenz)

Torhüter Jens Lehmann will sich allerdings mit der Verpflichtung von Huntelaar - sollte sie denn klappen - nicht zufrieden geben.

Per Videoschaltung aus dem VfB-Trainingslager meldete sich der Ex-Nationalkeeper bei der Mitgliederversammlung zu Wort: "Wir brauchen noch Verstärkungen. Nur mit einem Ersatz für Mario schafft man es nicht. Da braucht man schon etwas mehr".

Der 39-Jährige appellierte an die Mitglieder: "Nehmen Sie den Vorstand und den Aufsichtsrat in die Pflicht, weitere Investitionen in die Mannschaft zu tätigen."

Tasci will beim VfB bleiben

Nationalspieler Serdar Tasci hofft derweil trotz eines Angebots des italienischen Rekordmeisters Juventus Turin auf einen zügigen Abschluss der Gespräche über eine Vertragsverlängerung mit dem VfB.

"Es gibt zwar kein Zeitlimit, aber es wäre schön für alle Seiten, wenn es schnell gehen würde", sagte der Innenverteidiger, dessen Kontrakt am 30. Juni 2010 ausläuft.

Sein Berater stehe in guten Gesprächen mit Heldt.

Ein Wechsel zu Juve ist offenbar kein Thema mehr für Tasci. "So ein Verein wie Juventus klopft nicht alle Tage bei einem an. Ich habe mir das auch angehört, aber es muss alles passen", sagte Tasci.

Sechs Mal in Folge schwarze Zahlen

Erfreuliches gibt es auch noch im finanziellen Bereich für den VfB Stuttgart zu vermelden.

Zum Abschluss des Geschäftsjahres 2008 wiesen die Schwaben mit Stichtag 31. Dezember bei einem Umsatz von 98,678 Millionen Euro einen Überschuss von 1, 128 Millionen Euro aus.

Im Jahr 2007 hatte der VfB durch den Gewinn der Meisterschaft, den Einzugs ins Endspiel des DFB-Pokals und die Teilnahme an der Champions League noch eine Bilanz mit Rekordmarken beim Gewinn (7,824 Millionen Euro) und beim Umsatz (132,375) vorgelegt.

Einnahmeverluste durch Stadionumbau

Präsident Erwin Staudt wies auf der Mitgliederversammlung des Klubs darauf hin, dass die "große Kluft" zwischen den Bilanzen der beiden vergangenen Geschäftsjahre "stark abhängig vom sportlichen Ergebnis" gewesen sei: In 2008 hatte der VfB nur im UEFA-Cup gespielt.

In den kommenden beiden Jahren rechnet der Klub wegen des Umbaus des Stadion und des reduzierten Fassungsvermögens von 42.000 Zuschauerplätzen (39.000 bei internationalenm Spielen) mit Einnahmeverlusten von bis zu drei Millionen Euro jährlich.

"Wir sind damit zufrieden"

Zum Stichtag 31. Dezember 2008 wiesen die Stuttgarter zudem 7,121 Millionen Euro Schulden aus, rund 500.000 Euro weniger als im Jahr zuvor.

Dem steht aber auch ein Vermögen von knapp 12 Millionen Euro entgegen. "Das Vereinsvermögen übersteigt die Verschuldung, insgesamt sind wir damit zufrieden", sagte Ruf.

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