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Labbadia sieht die Rolle von Ze Roberto in Zukunft als "Ballschlepper und -verteiler" © getty

HSV-Trainer Bruno Labbadia spricht über die Neuzugänge, das Trainingslager in Tirol und die künftige Rolle von Ze Roberto.

Aus Längenfeld in Tirol berichtet Mathias Frohnapfel

Längenfeld - Konzentriert, aber nicht angespannt: So haben die Spieler und Fans des HSV Bruno Labbadia beim Trainingslager in Tirol erlebt.

Und als einem Chef, der offen für Vorschläge ist.

Die Idee zu einer Mountainbike-Tour in die Ötztaler Berge kam aus der Mannschaft, Labbadia griff sie auf.

Teamgedanke, Disziplin und Eigenverantwortung, all das will der frühere Leverkusener Coach jetzt in Hamburg vermitteln.

Im Gespräch mit Sport1.de berichtet der 43-Jährige über die neun Trainingstage in Österreich, seine taktischen Ansprüche und die Neuzugänge Eljero Elia und Robert Tesche. Zudem beschreibt er die Rolle, die er für Neuzugang Ze Roberto plant.

Und er lobt David Jarolim, doch als Kapitän will er ihn noch nicht bestätigen.

Sport1.de: Herr Labbadia, wie wichtig war es für Sie in Tirol, in Ruhe mit dem Team arbeiten zu können?

Bruno Labbadia: Wir haben das Trainingslager noch mal zwei Tage verlängert, das war eine gute Entscheidung. Die Spieler haben im Trainingslager keine Rennerei, es ist auch Erholung nötig. Das hast du, wenn du mal einen Mittagsschlaf machst, wenn du keine Ablenkung hast. Das war jetzt in dieser Phase sehr wichtig (Sommerfahrplan vom Hamburger SV).

Sport1.de: In welcher Rolle sehen Sie Neuzugang Ze Roberto - eher zentral oder auf dem Flügel?

Labbadia: Wir sehen ihn momentan mehr in der Zentrale, weil er uns im Zentrum als Ballschlepper und -verteiler sehr weit bringen kann. Er hat ein gutes Auge und was die Außenspieler betrifft, sind wir gut besetzt. Auch wenn es mal eine Situation geben kann, in der man ihn mal auf außen braucht.

Sport1.de: Wird David Jarolim Kapitän bleiben? Wann werden Sie das entscheiden?

Labbadia: Ich bin sehr froh, dass Jaro bei uns ist. Er hat eine sehr gute Einstellung, er geht immer voran und er hat Fähigkeiten, die die Mannschaft braucht. Aber wir müssen erstmal einen Mannschaftsrat wählen. Das hat nichts mit einem Zweifel an ihm zu tun. Das ist eine Vorgehensweise, die ich bisher bei allen Vereinen so eingehalten habe.

Sport1.de: Wann wird der Mannschaftsrat gewählt?

Labbadia: Da wollen wir, dass alle dabei sind (die U-21-Teilnehmer kehren erst am Donnerstag zurück, Anm.d.Red). Denn ich messe dem Mannschaftsrat eine hohe Bedeutung bei. Ich erwarte, dass er klar mit der Mannschaft umgeht, Dinge mitträgt und zugleich auch Dinge anspricht, die wir verbessern oder aufarbeiten müssen.

Sport1.de: Wie sehen Sie den Mix aus Jung und Alt im Team?

Labbadia: Es ist gut, dass eine gewisse Hierarchie da ist, dass von den älteren Spielern den jüngeren etwas gesagt wird. Gleichzeitig will ich, dass die Jüngeren, wenn sie auf dem Platz sind, um ihre Chance kämpfen. Auch bei Robert Tesche muss man sagen: In Bielefeld war er da, als es schwierig wurde. Jetzt kommt der nächste Schritt für ihn genauso wie für Eljero Elia. Sie sollen sagen: "Okay, jetzt bin ich einen Schritt hochgegangen, aber nun will ich mich auch hier beweisen."

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Sport1.de: Werden Sie nach dem Trainingslager die Suche nach Neuzugängen weiter intensivieren? 115102(Die Transfers des HSV)

Labbadia: Es wäre schön, wenn wir sobald wie möglich etwas fest machen könnten. Aber wir haben auch gesagt, dass wir uns das genau überlegen, uns nicht drängen lassen.

Sport1.de: Was sind Ihre Erkenntnisse aus den Tagen in Österreich? Ist Ihnen ein Spieler besonders aufgefallen?

Labbadia: Ich will keinen herausstellen. Es ist sehr positiv, wie die Mannschaft sich präsentiert hat. Da war viel Freude. Klar merkt man jetzt auch eine gewisse Müdigkeit, selbst wenn man alles mit Ball macht. Man muss sich manchmal reinquälen, aber das machen sie auch.

Sport1.de: Im Team erscheint im Moment alles harmonisch. Dabei ist es ja noch vor kurzem im Umfeld mit dem Abschied von Sportdirektor Dietmar Beiersdorfer alles andere als ruhig gewesen.

Labbadia: Wir haben es als Verein aus meiner Sicht gut geschafft, alles fern von der Mannschaft zu halten. Stattdessen haben wir gesagt: "Komm, jetzt konzentrieren wir uns."

Sport1.de: Hat sich bereits einer der jüngeren Spieler aufgedrängt?

Labbadia: Das ist jetzt noch zu früh, um das zu beantworten. Die jungen Spieler sind sicher an ihren Grenzen gegangen, aber auch die älteren haben alles mitgetragen, sind stellenweise vorangegangen. Als wir mit dem Mountainbike aufgebrochen sind, hätte ich nicht gedacht, dass alle da oben ankommen. Es war schön zu sehen, wie alle mitziehen.

Sport1.de: Haben Sie sich schon auf ein Spielsystem festgelegt?

Labbadia: Wir haben von vorneherein gesagt, das Ganze basiert auf einem 4-4-2. Es kann aber auch Situationen geben, in denen man 4-1-3-2 oder 4-3-3 spielt. Außerdem würde ich der Systemfrage nicht so einen hohen Stellenwert geben. Entscheidend ist es, wie es die Mannschaft ausführt.

Sport1.de: Werden Sie also weiter auf diese taktischen Elemente setzen? Piotr Trochowski hat berichtet, dass ihm das in dem vergangenem halben Jahr zu kurz gekommen sei.

Labbadia: Da muss man Martin Jol in Schutz nehmen. Wenn Sie alle drei Tage spielen, dann kommt eine gewisse Kopfmüdigkeit. Da muss man als Trainer genau überlegen: Kann ich jetzt auch noch Taktik machen? Man darf nicht denken, nur körperlich zu arbeiten. Auch der Kopf, die Psyche kommen dazu.

Sport1.de: Sie persönlich wollen aber die taktischen Einheiten trotz englischer Wochen in Zukunft beibehalten?

Labbadia: Klar, weil wir uns da ständig weiterentwickeln müssen. Es geht darum zu überprüfen: Schaffen wir eine gewisse taktische Disziplin, auch wenn wir etwas müder werden? Gerade wenn wir in der Offensive stark sein wollen, muss die taktische Disziplin das A und O sein.

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