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Kahn unterstützt das Lern- und Arbeitsprogramm "Ich schaff's" für Kinder © getty

Oliver Kahn spricht bei Sport1.de über Franck Ribery und seinen ehemaligen Arbeitgeber, aber auch über sein Engagement für Kinder.

Von Conny Konzack

München - Einmal mehr ist der FC Bayern in der Bundesliga-Sommerpause das große Gesprächsthema.

Ob das nicht endende Transfer-Theater um Franck Ribery, die Wechselwünsche von Lucio oder der Arbeitsbeginn des neuen Trainer Louis van Gaal:

Der Rekordmeister sorgt im Tagesrhythmus für Schlagzeilen. (Verwirrung um Lucio, Verständnis für Ribery)

Einer, der dieses Spiel nur zu gut kennt, ist der langjährige Bayern-Torhüter Oliver Kahn.

Jetzt kehrte der Torwart-Titan erstmals nach seinem Rückritt wieder in seine alte Arbeitsstätte zurück - in die Münchener Allianz Arena.

Der Grund: Im Rahmen eines Kongresses des Bayerischen Staatsministeriums für Unterricht und Kultur ("Starke Schüler - für Beruf und Leben"), an dem auch sein Ex-Chef Uli Hoeneß teilnahm, sprach Kahn im Stadion vor Schülern über sein Motivationsprogramm "Ich schaff's!" - und im Sport1.de-Gespräch natürlich auch über Fußball.

Sport1.de: Herr Kahn, nimmt denn die Jugend Ihre Botschaften an?

Oliver Kahn: Oh ja! Wir bekommen viel Feedback von den Jugendlichen, die mich schon in meiner aktiven Zeit immer gefragt haben, was sie denn mal im Leben machen sollen. Und ich versuche, meine eigenen Lebenserfahrungen weiter zu vermitteln. Das geht von Visionen und Träumen, den Zielen im Leben bis zu echten Freunden, Vorbildern, Rückschlägen und dem Dank an die, die mir zum Beispiel im Leben und in meiner Karriere geholfen haben. Bei meinen Schulbesuchen will ich den Kindern vermitteln, dass man Dinge anpacken und nicht nur reden soll, dass ohne eigenes Handeln nichts passiert.

Sport1.de: Sprechen Sie auch über die dunklen Stunden Ihrer Karriere?

Kahn: Natürlich! Gerade darüber. Was glauben Sie, wie oft ich schon unsere 99er Niederlage in der Champions League (ManUnited 1999: Im Gelobten Land) oder den verpatzten WM-Gewinn 2002 als Beispiel dafür hergenommen habe, um den Jugendlichen zu zeigen, dass man nach Niederlagen den Kopf nicht in den Sand stecken soll, sondern dass im Scheitern oft mehr Möglichkeiten bestehen zu lernen als im Gelingen. Die Fähigkeit, mit Rückschlägen umzugehen, ist ganz, ganz wichtig. Da habe ich ja in meiner Karriere viel von Ottmar Hitzfeld gelernt. Auch wenn ich mir selbst mehr Coolness im Umgang mit Rückschlägen gewünscht hätte.

Sport1.de: Wie "cool" sehen Sie denn jetzt nach einem Jahr den Fußball, insbesondere den des FC Bayern?

Kahn: Natürlich nicht mehr so eng wie zu meiner aktiven Zeit, ist doch klar. Aber alleine schon für meinen TV-Job muss ich noch auf Ballhöhe sein. Was ich jedoch absolut nicht als Zukunfts-Motivation ansehe, ist es, ständige Wasserstandsmeldungen über den FC Bayern abzugeben.

Sport1.de: Aber selbst im Rahmen eines Kongresses wie dem des Bayerischen Kultusministeriums wurden Sie ständig nach Franck Ribery gefragt...

Kahn: ...ja, ja. Eine leidige Entwicklung! Es ist ja verständlich, dass die Leute wissen wollen, was nun mit ihm los ist. Bleibt er oder bleibt er nicht. Aber so viel internen Einblick habe auch ich da gar nicht mehr. Ich bin ja nicht mehr Angestellter des FC Bayern.

Sport1.de: Sie werden aber trotzdem eine Meinung zu dem Thema haben.

Kahn: Der Franck Ribery war im ersten Jahr bei den Bayern eine Sensation, im zweiten normal und im dritten - wird man sehen! Aber es wird immer so bleiben, dass die Spieler dahin gehen, wo sie das meiste Geld kriegen können. (Reals Politik der Nadelstiche soll FC Bayern zermürben)

Sport1.de: Was wird denn nach der sehr durchwachsenen letzten Saison nun das Ziel in München sein?

Kahn: Die Euphorie ist vor dem ersten Spieltag natürlich sehr, sehr groß. Aber ich finde, man sollte den Ball flach halten. Natürlich ist der Meistertitel bei den Bayern jedes Jahr Pflicht. Aber auch international glaube ich, dass sie eine große Rolle spielen werden. Ich predige es ja selbst vor den Jugendlichen immer wieder: Man muss sich Ziele setzen. Und das Ziel für den FC Bayern neben dem Meistertitel muss auch mal wieder der Gewinn der Champions League sein.

Sport1.de: Aber da spielten in den letzten Jahren immer Spanier und vor allem Engländer die Hauptrolle.

Kahn: Das stimmt. Aber schauen Sie mal auf die Ergebnisse der deutschen Junioren-Nationalmannschaften: In allen drei Altersklassen gewann Deutschland die Titel. Das stimmt mich auch für die Nationalmannschaft sehr zuversichtlich. Man kann die Arbeit von Matthias Sammer gar nicht hoch genug bewerten, er hat es geschafft, dass der Unterbau im deutschen Fußball sehr gut ist. Und das wird sich auch in den Teams bemerkbar machen.

Sport1.de: Sie waren 21 Jahre tagtäglich topfit. Wie hat Ihr Körper eigentlich das erste Jahr ohne tägliches Training überstanden?

Kahn: Oh je! Das Gewicht zu halten, war natürlich sehr, sehr schwer. Manchmal ziehe ich den Bauch schon mal ein. Ich mache natürlich noch oft Waldläufe und so. Aber ich hätte mir nicht vorgestellt, dass es so schwer ist, sein Gewicht zu halten.

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