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Felix Magath wechselte 2009 vom VfL Wolfsburg zu Schalke 04 © getty

Für Felix Magath ist der Titelgewinn mit Königsblau ein großes Ziel, doch der Coach bereitet sich auf einen schwierigen Start vor.

Gelsenkirchen - Die Meisterschaft mit Schalke 04 bleibt sein großes Ziel, doch Felix Magath bereitet die Königsblauen auf einen steinigen Weg in Richtung Titel vor.

"In den großen Hoffnungen, die in mich gesetzt werden, steckt natürlich auch das Potenzial für große Enttäuschungen. Ich bin darauf eingestellt, unruhige Wochen und Monate zu erleben", sagte der neue Schalker Trainer und Manager.

"Ich gehe eher davon aus, dass die Ergebnisse nicht durchweg gut werden, vor allem nicht im ersten Halbjahr."

Den schnellen Erfolg hält der Wolfsburger Meistercoach ohnehin für unrealistisch und sogar wenig erstrebenswert.

Magath will Titel-Hoffnungen erfüllen

"Es wäre wichtiger, zwei- oder dreimal nacheinander in die Champions League zu kommen als einmal Meister zu werden und danach nur Platz sieben zu erreichen", sagte Magath, der von seinem populärsten Ziel aber keinen Zentimeter abrückt.

"Weil ich gerade mit Wolfsburg Meister geworden bin, verbinden die Leute hier mit mir ebenfalls den Meistertitel. Diese Hoffnungen versuche ich natürlich zu erfüllen."

Schalke fehlt ein Spielmacher

Wegen vieler "Unwägbarkeiten" will er keine Prognose abgeben, wann es so weit ist. Der geplante Systemwechsel vom ungeliebten 4-3-3 auf 4-4-2 mit Raute bereitet ihm Kopfzerbrechen.

Schnell wird klar, dass er aus seiner Wolfsburger Zeit den zuletzt überragenden Regisseur Zvjezdan Misimovic ganz besonders vermisst. 115100(DIASHOW: Die Transfers des FC Schalke)

"Einen Misimovic haben wir hier nicht. Einen Spielmacher gibt dieser Kader nicht her. Insofern müssen wir ohne einen Spielmacher ein attraktives und erfolgreiches Offensivspiel entwickeln", sagte Magath.

Kommt Özil zurück?

Jefferson Farfan oder Ivan Rakitic als hängende Spitzen, oder ein System "ganz ohne offensiven Mittelfeldspieler" sind nur drei seiner Optionen: "Wir werden uns etwas einfallen lassen." Nachbesserungen auf dem Transfermarkt sind unwahrscheinlich: "Wir haben keine Mittel, um so jemanden zu verpflichten. Das sehe ich im Moment nicht."

Auf lange Sicht wird er allerdings den Ex-Schalker Mesut Özil - der U21-Europameister besitzt bei Werder Bremen noch einen Vertrag bis 2011 - nicht aus den Augen verlieren. "Wer weiß", sagte Magath, "vielleicht kommt er ja noch mal zurück."

Keine Stammplatzgarantie für Kuranyi

Stammplatzgarantien will Magath nicht vergeben, auch für Schalkes Top-Angreifer Kevin Kuranyi nicht. "Natürlich ist er ein wichtiger Spieler, und wir sind uns einig, dass er noch mehr Tore schießen soll als in der Vorsaison. Aber auch Kevin muss sich im neuen System umstellen", sagte Magath, der Kuranyi im Mittwoch-Training in der B-Elf spielen ließ.

"Alle haben noch eine realistische Chance, auch die so häufig genannten Carlos Grossmüller und Albert Streit." (der Sommerfahrplan des FC Schalke)

"Ich habe meinen Weg gefunden"

Klar ist, dass sich die Schalker auch in Zukunft mit dem autoritären Führungsstil ihres starken Mannes abfinden müssen.

"Ich finde diese Art von Führung sehr erfolgsorientiert. Was im Profi-Fußball gut und wichtig ist, das weiß ich genau", sagte Magath.

Der 55-Jährige ist stolz auf seine Prinzipien, die er über die Jahre einer harten Prüfung unterzogen hat: "Ich habe meinen Weg gesucht und gefunden. Ich habe mir dieses Geschäft selbst von Grund auf angeeignet, und ich fahre gut damit."

Magath bleibt den Medizinbällen treu

Allergisch reagiert er auf Kritiker seiner Trainingslehre. Den "Medizinball-Mann" Magath wird es noch lange geben.

"Viele tun heute gerade so, als ob früher niemand Ahnung von Trainingslehre hatte. Heute soll plötzlich alles besser sein, aber die deutschen Sprinter laufen trotzdem noch nicht schneller als früher. Roger Federer arbeitet mit Medizinbällen, erfolgreiche Skilangläufer tun es, und ich tue es auch."

Einmischen ist in diesem Zusammenhang verboten, auch für den Bundestrainer. "Ich bin ein Freund von klaren Verhältnissen, nicht von Wischiwaschi. Ein Christian Pander beispielsweise ist beim FC Schalke beschäftigt, und ich bin für sein Training und seine Fitness verantwortlich, nicht Joachim Löw. Selbst wenn er bei einem Spieler Defizite sieht - diese zu beheben, kann nur Aufgabe des Klubtrainers sein."

Der Titel für die Fans

Trotz seines großen Ehrgeizes und der Freude an großen Herausforderungen ist Magath kein Egoist.

Auf die Frage, was ihm wichtiger wäre, die Meisterschaft für Schalke oder die Tatsache, dass er Schalke dorthin geführt hat, antwortete Magath: "Mir wäre wichtiger - für die Fans -, dass Schalke Meister geworden ist."

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