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Michael Frontzeck absolvierte 238 Profispiele für Borussia Mönchengladbach © getty

Die Sport1.de-Bundesliga-Vorschau: Täglich ein Interview mit einem der 18 Klubs. Heute mit Gladbachs Trainer Michael Frontzeck.

Von Thorsten Mesch

München - Michael Frontzeck ist zurück in seiner sportlichen Heimat - bei Borussia Mönchengladbach, wo er schon als Spieler und Co-Trainer tätig war.

Nach seiner Blitzentlassung bei Arminia Bielefeld am 33. Spieltag der vergangenen Saison startet der Trainer nun bei den "Fohlen" einen Neuanfang.

Mit einem Mix aus jungen Spielern und gestandenen Routiniers nimmt Frontzeck den Klassenerhalt in Angriff, auch wenn den Gladbachern ein bisschen Kreativität abhanden gekommen ist.

Im vierten Teil der Sport1.de-Interview-Serie vor dem Bundesligastart erklärt Michael Frontzeck, wie die Borussia die Angänge von Marko Marin und Alexander Baumjohann verkraftet, was er von seiner Mannschaft in dieser Saison erwartet und wie er die Entlassung in Bielefeld verdaut hat.

Sport1.de: Herr Frontzeck, wie ist das Gefühl, endlich wieder zu Hause in Mönchengladbach zu sein?

Michael Frontzeck: Obwohl ich in den letzten 25 Jahren oft weg war, fünf Jahre Stuttgart oder zwei Jahre Freiburg, waren meine Wurzeln immer in Gladbach. Ich war auch zuletzt in der Bielefelder Zeit immer an den Wochenenden einen bis anderthalb Tage zu Hause. Darum ist es nicht wirklich nach Hause kommen. Aber was wirklich Luxus für mich ist, ist mich nach der Arbeit ins Auto zu setzen und in zehn Minuten zu Hause zu sein.

Sport1.de: Was hat sich seit Ihrem Abschied als Co-Trainer in Gladbach verändert? (Der Sommerfahrplan der Borussia)

Frontzeck: Im Verein hat sich sehr viel verändert und ins Positive gewandelt. Es sind neue Strukturen entstanden seit ich damals gegangen bin. Durch das neue Stadion sind fantastische Möglichkeiten entstanden. Da macht das Arbeiten natürlich richtig Spaß. Man hat alles und braucht sich um die Kleinigkeiten nicht zu kümmern.

Sport1.de: Gibt es noch alte Weggefährten aus Ihrer Zeit als Co-Trainer von Hans Meyer und Ewald Lienen?

Frontzeck: Ja, natürlich. Das fängt beim Torwart-Trainer Uwe Kamps an. Der ist ein langjähriger guter Freund von mir. Mit Manni Stefes habe ich schon gearbeitet und Frank Geideck ist aus Bielefeld mitgekommen. Ob Zeugwart, Leute von der Geschäftsstelle, Manager Max Eberl oder Vizepräsident Rainer Bonhof, im Grunde genommen kenne ich alle Menschen, die im Klub arbeiten.

Sport1.de: Sie waren zuletzt Trainer in Aachen und in Bielefeld. War es gut für Sie, sich auch einmal einen Blick von außen auf die Borussia zu verschaffen? Und hat Sie die ereignisreiche Zeit in Bielefeld geprägt?

Frontzeck: Jeder Mensch muss sich weiterentwickeln und manchmal auch die Hörner abstoßen. Man lernt aus jeder Station. Ob mich das wirklich geprägt hat, weiß ich nicht. Die beiden Stationen, die sicher turbulent waren, haben mir auf jeden Fall sehr viel gebracht.

Sport1.de: Haben Sie die kuriose Trennung von Arminia Bielefeld schon verarbeitet?

Frontzeck: Es gibt nichts, was unmöglich ist in diesem Geschäft. Es nimmt zwar teilweise skurrile Formen an, aber ich hatte kein großes Problem, diese Geschichte zu verarbeiten. Mir hat die Arbeit mit der Mannschaft dort sehr viel Spaß gemacht und wir hatten die gleiche schwierige Situation im Jahr zuvor gemeinsam gemeistert und die Klasse gehalten. Wenn man aber, wie ich, am 33. Spieltag und auf dem Relegationsplatz stehend, entlassen wird, fehlt mir das Verständnis.

Sport1.de: Was hat Sie genau gestört?

Frontzeck: Ich hätte Verständnis für eine derartige Entscheidung gehabt, wenn wir die ganze Saison desolat gespielt hätten. Aber das trifft nur auf die zweite Halbzeit im Dortmund-Spiel zu, in der wir fünf Tore kassiert haben. Alles in allem ist das aber für mich Schnee von gestern.

Sport1.de: Sie haben Torben Marx aus Bielefeld mitgebracht. Er meinte, dass er bei der Borussia mehr Potenzial sieht als bei der Arminia. Wie bewerten Sie den Kader, den sie jetzt zur Verfügung haben?

Frontzeck: Wir haben auf der einen Seite mit Marko Marin und Alexander Baumjohann an Kreativität verloren, aber auf der anderen Seite in junge und erfahrene Spieler investiert.

Sport1.de: Wie wollen sie es schaffen, nach dem Weggang von Marin und Baumjohann, eine neue Mannschaft für die Zukunft aufzubauen?

Frontzeck: Wir haben jetzt ein Team, das wachsen kann und auch wachsen muss. Eine gewisse Kontinuität im Team ist das große Ziel, damit die Zuschauer auch über einen längeren Zeitraum die Chance haben, sich mit dem Verein zu identifizieren.

Sport1.de: Marco Reus wird in einigen Medien schon mit Marko Marin verglichen. Wie würden Sie ihn charakterisieren?

Frontzeck: Marco ist ein sehr junger Spieler und ein großes Talent. Er hat erst ein Jahr in der Zweiten Liga gespielt, in dem er sehr hart arbeiten musste. Ich glaube, das hat ihm gut getan. Er geht mit diesem Vergleich sehr gut um, obwohl er lediglich auf einer ähnlichen Position spielt. Aber solche Vergleiche werden sie von mir nicht hören.

Sport1.de: In welcher Entwicklungsstufe sehen Sie Ihre Mannschaft?115105(Die Transfers der Gladbacher)

Frontzeck: Der erste kleine Umbruch hat bereits im Winter stattgefunden, als vier neue Spieler geholt wurden. Damals hat man Geld in die Hand genommen, um die Klasse zu halten. Das hat geklappt. Ich brauche mit dem neuen Kader ein bisschen Zeit, um gewisse Abläufe zu automatisieren. Aber ich bin mir sicher, dass wir eine stabile Saison spielen können.

Sport1.de: Ein Spieler einen großen Anteil am Klassenerhalt hatte, ist Torwart Logan Bailly, der aber nun zunächst verletzt fehlt. Wie gehen Sie mit seinem Ausfall um?

Frontzeck: Christofer Heimeroth wird in ersetzen. Ich habe großes Vertrauen in ihn. Er ist ein sehr gut ausgebildeter Torwart. Da sehe ich kein Problem.

Sport1.de: Wer sind die Stützen der Mannschaft?

Frontzeck: Wir haben gestandene Spieler wie unseren Kapitän Filip Daems, aber auch einige Spieler, die in gewisse Positionen rein wachsen müssen. Mit erfahrenen Profis wie Oliver Neuville haben wir eine Mannschaft mit einer guten Mischung.

Sport1.de: Raul Bobadilla und Juan Arango sind zwei Spieler, die im Ausland schon aufhorchen ließen. Wie sehen Sie die beiden Zugänge?

Frontzeck: Bobadilla ist ein sehr dynamischer Stürmer, der alles mitbringt. Arango hat in der spanischen Liga fünf Jahre gespielt und 80 Länderspiele für Venezuela bestritten. Er ist ein hervorragender Linksfuß, wie ich ihn mir gewünscht habe. Ich kann mich ein Stück weit glücklich schätzen, dass der Verein diese Transfers getätigt hat.

Sport1.de: Worauf liegt der Schwerpunkt im zweiten Trainingslager, das Sie jetzt beginnen?

Frontzeck: Schnelligkeit, Beweglichkeit und mannschaftstaktische Sachen. Dann haben wir noch zwei anspruchsvolle Gegner mit Greuther Fürth und Panathinaikos Athen.

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