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Louis van Gaal wurde zuletzt mit AZ Alkmaar Meister in den Niederlanden © getty

Vor der Abreise ins Trainingslager warnt der Coach Luca Toni eindringlich. Um Franck Ribery zu halten, stellt er das System um.

Vom FC Bayern berichtet Daniel Rathjen

München - Louis van Gaal hat seine Ideale.

Der Niederländer ist ein Freund von Disziplin und Höflichkeit.

Am Donnerstag, vor der Abreise ins Trainingslager des FC Bayern nach Donaueschingen, war er entspannt, aber gleichzeitig bestimmend.

Beim Pressetalk an der Säbener Straße begrüßte er jeden Journalisten per Handschlag und mit den Worten: "Hallo, ich bin Louis van Gaal".

Danach holte er zum Rundumschlag aus.

Zwei Wochen führt der 57-Jährige nun sein strenges Regiment beim deutschen Rekordmeister.

Er hat sich erste Eindrücke verschafft, seine Philosophie zu verdeutlichen versucht und viele Einzelgespräche geführt.

Nicht mit Lucio, der fühlte seine Leistungen nicht ausreichend gewürdigt und wechselt für eine Ablöse zwischen acht und zehn Millionen zu Inter Mailand (zum Artikel: Flucht zu Mourinho). Am Abend sollte der Transfer auch in Italien bestätigt werden.

Der Kontrakt von Lucio bei Bayern wäre noch ein Jahr gelaufen.

Lucios Wunsch eindeutig

"Er wollte einen langfristigen Vertrag unterschreiben, aber wir wollten ihm keinen Dreijahresvertrag geben. Er ist nach dem Confed-Cup auf uns zugekommen. Sein Wunsch war eindeutig: Er wollte den Verein verlassen", sagte Hoeneß.

Mit Luca Toni hatte van Gaal bis Mittwoch auch noch nicht gesprochen, doch der Italiener kann sich warm anziehen.

Denn nach seinem Confed-Cup-Urlaub muss sich der Angreifer zunächst ganz hinten anstellen.

In einem Interview hatte der Angreifer angekündigt, sich nicht mit einer Reservistenrolle zufrieden geben zu wollen und gesagt, er sehe sich auch jetzt nicht auf der Bank.

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Toni bei den Reservisten

In Donaueschingen, wo der FC Bayern im Öschberghof sein Quartier bezog, will sich van Gaal weitere Eindrücke verschaffen und teilt die Profis in zwei Teams mit jeweils elf Spielern ein.

Toni, der bei dem neuen Coach erst noch seinen Platz finden muss, muss dabei in die dritte Gruppe. Es bleibt abzuwarten, wie der Weltmeister mit dieser Einstufung umgeht.

"Das ist ganz normal, das habe ich schon als Trainer vom FC Barcelona gemacht", erklärt van Gaal. "Wir müssen erst sehen, wie er sich konditionell und sportlich verhält."

Es stellt sich aber mehr denn je die Frage, wer künftig für die Bayern stürmt: Toni, Mario Gomez, Ivica Olic, Miroslav Klose oder Youngster Thomas Müller.

Problemzone Sturm

Der Trainer weiß: "Wir haben fünf Stürmer für zwei Positionen." Der Angriff wird zur Problemzone, denn wozu Unzufriedenheit führen kann, ist seit Lukas Podolski bekannt.

Immerhin scheint das Problem mit Franck Ribery gelöst.

Manager Uli Hoeneß hat "das ganze Theater" um den abwanderungswilligen und von Real Madrid umworbenen Dribbelkünstler beendet und drohte den Spaniern in der "AS" sogar mit einer Klage.

"Real hat den Respekt verloren. Wenn sie so weitermachen, werden wir sie bei der FIFA anzeigen", sagte Hoeneß.

Er stellte klar: "Die Frist ist am Mittwoch abgelaufen, alle Beteiligten wussten das. Für uns ist damit ganz klar ein Schlussstrich gezogen worden. Wir haben Franck zweimal ganz klar unseren Standpunkt deutlich gemacht, da brauchen wir nicht mehr darüber zu reden", sagte der Manager.

Ribery bleibt

Van Gaal plant ebenfalls fest mit Ribery, er hat sogar die neue Bayern-Taktik auf den derzeit noch verletzten Mittelfeldspieler ausgerichtet.

Der 26-Jährige ist im 4-4-2 mit Raute "die Zehn, ich habe auch für ihn dieses System gewählt", meinte der Niederländer.

Hoeneß hat indes durchaus Verständnis, "dass Louis gerne mit 22, 23, 24 Spielern arbeiten würde".

Aber im Moment ist offenbar kein weiterer Transfer in Sichtweite, deshalb betonte Hoeneß noch einmal: "Wenn ein Spieler auf uns zukommt, sind wir gesprächsbereit."

Abgeben würden die Bayern gerne Tim Borowski (wird mit Bremen in Verbindung gebracht), Christian Lell, Andreas Ottl, Jose Sosa oder eventuell auch Breno 93065(Diashow: Bayerns Streichliste).

Kommt noch ein Keeper?

Unklar ist auch die Torhüterposition. Van Gaal scheut sich noch, klar Stellung zu beziehen, ob er mit Jörg Butt und Michael Rensing in die Saison gehen will.

Er verrät nur soviel: "Ich habe mir vorher Videos der beiden angeschaut und mein Eindruck hat sich im Training bestätigt."

Mit den Millionen aus dem Lucio-Transfer hätte der FC Bayern immerhin zusätzlichen Spielraum 125897(Diashow: Bayerns Keeper-Kandidaten).

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