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Marcel Koller ist seit der Saison 2005/06 Trainer des VfL Bochum © getty

Teil 5 der Sport1.de-Interviewserie zur Bundesliga: Marcel Koller, Coach des VfL Bochum, spricht über die Vorbereitung.

Von Matthias Becker und Martin Volkmar

München - Dreimal in Folge hat Marcel Koller den VfL Bochum zum Klassenerhalt geführt.

Eine beim nicht gerade in Geld schwimmenden Revierklub nicht zu unterschätzende Leistung.

Doch gerade in der vergangenen Saison projezierte sich die Wut der Bochumer Fans bei schlechten Resultaten ihres Teams immer wieder auf den Schweizer Trainer.

Der nimmt das aber nicht persönlich, sondern freut sich auf ein weiteres Jahr in der Bundesliga, wie er Im fünften Teil der Sport1.de-Interview-Serie vor dem Bundesligastart erklärt.

In der Vorbereitung auf eine neue Saison im Kampf gegen den Abstieg greift er auch auf landestypische Maßnahmen zurück.

Sport1.de: Herr Koller, wie sind Sie mit der Vorbereitung bis jetzt zufrieden? (Der Sommerfahrplan des VfL Bochum)

Marcel Koller: Ich bin sehr zufrieden. Wir sind gerade aus dem Trainingslager zurück. Dort wurde gut gearbeitet und wir hatten auch viel Abwechslung.

Sport1.de: In Ihrem Trainingslager haben sie alle drei Spiele gewonnen. Hat Ihnen gefallen, was Sie in diesen Spielen gesehen haben?

Koller: Auf jeden Fall. Die Mannschaft hat zum Teil sehr gut umgesetzt, was wir ihr vorgegeben haben. Natürlich müssen wir in den nächsten Wochen noch am Feinschliff arbeiten. Der Zug nach vorne muss noch besser werden. Aber es ist ein Konkurrenzkampf auf den Positionen da und die Spieler ziehen im Training und den Tests bislang gut mit.

Sport1.de: Sie haben die Abwechslung angesprochen. Während des Trainingslagers den Säntis-Gipfel bestiegen, gut 2.500 Meter hoch. Wie haben die Spieler denn darauf reagiert?

Koller: Vorher oder nachher?

Sport1.de: Beides.

Koller: Ich habe im Vorfeld gefragt, wer Wanderschuhe hat. Da hat sich keiner gemeldet und alle haben die Stirn gerunzelt, was ich denn wohl mit Wanderschuhen will. Ich hab den Berg schon im Urlaub mit meiner Frau bestiegen, um zu sehen, ob es für die Spieler auch nicht anstrengend ist. Wir sind dann in zwei Etappen hoch, haben erst auf einer Alp in Fünferzimmern mit Matratzenlager übernachtet und haben den Säntis dann am anderen Tag in Angriff genommen. Es war sehr interessant.

Sport1.de: Inwiefern denn das?

Koller: Es war sehr kalt, -1 Grad auf dem Gipfel, dazu Nebel. Da hat schon der ein oder andere geflucht. Aber ich hab das nicht gehört, denn der Weg hat sich den Berg hochgewunden und ich konnte ja nicht überall sein (lacht).

Sport1.de: Waren die Spieler dann stolz auf dem Gipfel oder froh, als sie wieder unten waren?

Koller: Wenn man die Fotos sieht und hinterher von unten sieht, was man geschafft hat, entsteht schon Stolz und Genugtuung. Denn um nach oben zu kommen, hat es schon Überwindung gebraucht.

Sport1.de: Der Saisonauftakt rückt mit großen Schritten näher. Haben Sie schon personelle Entscheidungen getroffen, beispielsweise in der Torhüterfrage?

Koller: Nein, dafür ist es noch zu früh. Es sind noch drei Wochen bis zum Bundesligastart. Wenn man sich jetzt schon festlegt und es passiert was, muss man alles wieder umstellen. Für mich ist wichtig zu sehen, wer in Form ist. Die elf, die nach der Vorbereitung vom Gefühl her am besten zusammenpassen, werden dann ins erste Spiel gehen.

Sport1.de: Was erwarten Sie denn von Paul Freier nach seiner schwächeren ersten Saison nach der Rückkehr?

Koller: Er hat im Training immer Gas gegeben, konnte das in den Spielen aber nicht so umsetzen. Auch in der Vorbereitung ist er wieder richtig gut gestartet. Das erwarte ich auch von ihm und ich hoffe, dass er sich dann auch durchbeißt und weiterkommt. Wir werden ihm alle helfen und dann sollte er sich auch dementsprechend nach vorne spielen.

Sport1.de: Personell hat sich in der Sommerpause noch nicht viel getan. Suchen Sie denn noch weitere Neuzugänge? 115112(Die Transfers der Bochumer)

Koller: Zwei Neue von außen haben wir mit Andreas Johansson und Zlatko Dedic bislang. Dedic hat noch Probleme, weil er sich die Fingerkuppe abgerissen hat. Ich hoffe, dass er bald ohne Probleme dabei sein kann. Wir gucken, ob wir im Sturm noch etwas machen. Vielleicht mit einem jungen Spieler. Aber wir wollen nicht nur handeln, damit wir etwas getan haben.

Sport1.de: Wir die kommende Saison für den VfL noch schwerer als die letzte?

Koller: Wir haben nicht mehr Geld zur Verfügung als vorher und gehören, was das angeht, weiter zu den unteren Vier der Liga. Wir müssen deshalb auf den Teamgeist und das "Gefühl VfL Bochum" zusammenstehen.

Sport1.de: Letztes Jahr haben Sie gesagt, dies sei der beste Kader in Ihrer Zeit beim VfL. Das wurde ihnen als es nicht gut lief häufig vorgehalten. Bereuen Sie diese Aussage?

Koller: Ich habe nur gesagt, dass die Mannschaft vom spielerischen Potenzial her groß ist und wir auf den Positionen solch einen Konkurrenzkampf hatten, dass bei einem Ausfall jemand nachrückt ohne dass wir einen großen Substanzverlust haben. Rückblickend war das absolut richtig. Nach elf Punkten in der Hinrunde sind uns im zweiten Rückrundenspiel die beiden Stamm-Innenverteidiger Anthar Yahia und Marcel Maltritz ausgefallen. Mit Marc Pfertzel und Mergim Mavraj konnten wir die Situation aber lösen. Hätten wir das Potenzial nicht gehabt, hätten wir wahrscheinlich nicht die Punkte holen könne, die uns letztlich den Klassenerhalt gebracht haben.

Sport1.de: Die Fans haben ihren Ärger in schlechteren Zeiten immer wieder auf Ihre Position gelenkt. Wie ist denn das Verhältnis mit den Anhängern inzwischen?

Koller: Das hatte sicherlich in erster Linie damit zu tun, dass wir nicht die erhofften Punkte geholt haben. Und vielleicht hat der ein oder andere wegen meiner Aussage vom stärksten Kader erwartet, dass wir locker im Mittelfeld mitspielen. Aber andere Vereine haben eben mehr Möglichkeiten. Wir haben über all die Jahre aus dem VfL das Maximale herausgeholt. Nach 16 Jahren ist es zum ersten Mal gelungen, die Mannschaft dreimal in Folge in der Bundesliga zu halten.

Sport1.de: Sie fühlen sich also auch weiterhin wohl im Ruhrgebiet.

Koller: Auf jeden Fall. Wir haben eine gute Mannschaft, die den richtigen Charakter hat und in der Zusammenhalt herrscht. Es macht nach wie vor Spaß, mit den Jungs zusammenzuarbeiten.

Sport1.de:Als sich das Trainer-Karussell zu Beginn der Sommerpause wild drehte, wurde auch ihr Name genannt und mit dem FC Basel in Verbindung gebracht. War an den Spekulationen den etwas dran?

Koller: Nein. Denn auf der einen Seite habe ich hier in Bochum noch einen Vertrag. Und außerdem möchte ich in der Bundesliga bleiben. Das ist eine geile Liga, die Stadien sind voll und es ist jeden Tag Betrieb. Das ist in der Schweiz etwas gemächlicher. Wenn man die Möglichkeit hat, in der Bundesliga zu bleiben, sollte man die auch wahrnehmen.

Sport1.de: Die Bundesliga ist für Sie also auch weiterhin, trotz solcher Abgänge wie dem von Diego, attraktiv?

Koller: Natürlich ist es schade, wenn solch ein überragender Techniker geht. Aber es werden sich andere entwickeln, wie man ja schon bei Mesut Özil sieht. Die Bundesliga ist interessant. Vor allem, weil die Spitzenvereine nicht den lockeren Durchmarsch machen können, sondern immer wieder Vereine von unten gegen die Spitzenteams gewinnen. Und das macht die Sache sehr interessant. Ich freue mich auf die neue Saison.

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