Der FC Bayern ist gelandet - und alle gehen hin. Im Südwesten Baden-Württembergs, in Donaueschingen, ist Ausnahmezustand

Wenn der deutsche Rekordmeister sein Trainingslager abhält und auch noch öffentliche Einheiten verspricht, kann der Fußball-Fan aus der Region nicht nein sagen, sondern muss hin - ebenso wie Sport1.de.

Rund 21.000 Einwohner hat Donaueschingen, berühmteste Söhne der Großen Kreisstadt sind unter anderem: Johann Nepomuk Zwerger (Bildhauer), Lothar Wölfle (Landrat des Bodenseekreises) und Ali Günes (Fußballprofi, einige dürften ihn noch kennen).

[image id="46fe9fe7-65e4-11e5-acef-f80f41fc6a62" class="half_size"]

Gefühlt, 20.000, tatsächlich 5.000 Fans pilgerten am Dienstag zur Abendeinheit der Münchner. Ich war nach einer halben Stunde im Stau glücklich, noch einen Parkplatz gefunden zu haben, der nur zwei Kilometer vom Sportplatz entfernt war.

An einer hellbraunen Kuhherde vorbei, einen dubiosen ?Beachclub? passierend, bog ich ab ins enge Rund.

Jeder war auf den Beinen. ?Hauptsach? do hoscht se mal gsehn?, sagt ein Mann zu seinem nörgelnden Kumpel (wahrscheinlich VfB-Fan). Neben mir freut sich eine Frau auf den, der da immer so links rumläuft und den die Oma so toll findet (Ribery) sowie den Kleinen, eher wuseligen, hinten (Lahm).

Dabei wundert sie sich, dass die beiden auf ihrem Mannschaftsfoto von 2001, das sie zum Autogramm erhaschen wahrscheinlich aus dem Keller geholt hat, noch nicht abgebildet sind.

Als ich die dann doch erstaunlich leere Pressetribüne betrete, fängt der Stadionsprecher an, um Zeit zu überbrücken, zu erklären, warum der deutsche Rekordmeister deutscher Rekordmeister genannt wird und in welche Kategorien sich die einzelnen Titel aufsplitten.

Kurz nach ?Conquest of paradise? (musste kommen), das dumpf aus den Boxen schallte, war es endlich soweit: Der schwarze Bus spuckte das Starensemble der Bayern aus. Etwas über anderthalb Stunden Hütchenspiele, Torwarttraining und kein Abschlussspiel gab es zu sehen.

Es waren auch lediglich neun Profis auf dem Platz, dazu kamen Rensing und Butt, der Rest war im Luxushotel ?Öschberghof? geblieben.

Nach der Frage, was die denn zur Hölle da machten, wenn doch hier Training ist und als wir uns nicht mit der Antwort ?individuelles Training? abspeisen lassen wollten, sah sich Mediendirektor Markus Hörwick veranlasst klarzustellen: ?Bei uns liegt jedenfalls keiner auf dem Sofa!?

Okay, ich tippte insgeheim auf ein von Schweini angesetztes Playstation-Turnier. Bis zum Ende blieb ich nicht mehr, um dem Stau zu entgehen.

In Deutschland gibt es nur einen Verein, der so die Massen mobilisiert. FC Wahnsinn, dachte ich auf dem Rückweg vor mich hin.

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel