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Ralf Rangnick ist seit 1. Juli 2006 Cheftrainer bei 1899 Hoffenheim © getty

Im Sport1.de-Interview spricht Ralf Rangnick über die Vorbereitungsphase, dubiose Berater und eine ganz besondere Revanche.

Von Conny Konzack

München - Vergangene Saison mischte 1899 Hoffenheim die komplette Bundesliga auf, thronte zur Winterpause am Platz an der Sonne.

Die Zeiten des Underdogs sind nun aber vorbei, die Spielstärke Hoffenheims hinlänglich bekannt.

Mit gezielten Verstärkungen hat 1899 den Kader punktuell verstärkt - und bläst zum Angriff auf die Großen.

Im Interview mit Sport1.de spricht 1899-Coach Ralf Rangnick über die Vorbereitungsphase, das Hick-Hack um Demba Ba und eine ganz besondere Revanche - gleich am 1. Spieltag.

Sport1.de: Wie viel Spaß macht Ihnen denn Ihr Team vor dem zweiten Bundesliga-Jahr? Ärgern Sie sich noch darüber, keinen Platz im internationalen Fußball erreicht zu haben?

Ralf Rangnick: Natürlich hadert man immer etwas, wenn etwas erreichbar war und man es dennoch knapp verpasst hat. Nach einigen Wochen Abstand sehe ich unser Gesamterscheinungsbild als Neuling und den siebten Rang in der Bundesliga alles in allem als sehr positiv an. Besser, als wir vor der Saison erhofft hatten.

Sport1.de: Was stimmt Sie zuversichtlich, wieder so für positive Schlagzeilen zu sorgen wie im Vorjahr?

Rangnick: Weil alles im Soll ist. Momentan bin ich rundum zufrieden und nur einige Spieler haben kleinere Blessuren. Unsere Trainingslager verliefen im Gegensatz zu den letzten Jahren optimal, wir konnten das Aufbautraining voll durchziehen und die Grundlagen wie Athletik, Fitness, Schnelligkeit, Ausdauer und Standardsituationen ohne Beanstandung trainieren. Was kann sich ein Trainer Besseres wünschen?

Sport1.de: Und Ihre bisherigen Sorgenkinder wie Vedad Ibisevic oder Demba Ba etc.?

Rangnick: Ibisevic ist schon jetzt wieder in erstaunlich guter Verfassung, und das Hickhack mit Ba halte ich für erledigt. Man muss einem jungen Mann auch mal Fehler zugestehen. Selbst die Mannschaft hat ihn wieder herzlich aufgenommen. Nur: Sogenannte Berater wie der von Demba Ba haben sich für uns als Gesprächspartner disqualifiziert.

Sport1.de: Sie haben Ihren Kader verstärkt. Sind Sie zufrieden?

Rangnick: Ja. Mit den sechs Neuzugängen sind wir in der Lage, alle Positionen doppelt besetzen zu können. Man sieht zwar im Training noch den Unterschied zwischen der Fitness der etablierten gegenüber den neuen Spielern, für die manche Übungen noch ungewohnt sind und die teilweise in ihrem ganzen Leben noch kein Krafttraining gemacht haben, aber wir sind auf dem besten Weg, unserem Image gerecht zu werden?

Sport1.de: ...athletischen, schnellen Fußball zu spielen?

Rangnick: Das ist unser Markenzeichen. Für uns sind Athletik-Übungen wie das tägliche Zähneputzen. Auch wenn einige der älteren Spieler im Training darüber flachsen, wenn manche der jüngeren Muskelkater kriegen. Aber die Älteren sind auch so etwas wie die Paten der Jungen - das beschleunigt den Prozess der Angleichung von allen Spielern an das gleiche Niveau.

Sport1.de: Auch des jungen Brasilianers Maicosuel?

Rangnick: Auch der. Er hat ja ein unglaubliches Potenzial. Wir hätten ihn sicherlich auch schon vor einem Jahr haben können. Aber er konnte als Stammspieler in seinem brasilianischen Klub in der Zwischenzeit noch viel lernen, macht jetzt bei uns so super mit, dass man ihn eher bremsen muss. Ein Spieler, der zu uns passt, auch wenn er noch keine Sekunde in der Bundesliga gespielt hat.

Sport1.de: Sie setzen weiterhin auf junge Fußballer?

Rangnick: Absolut! Zum Glück kommen die auch zu uns. Wie zum Beispiel der 18-jährige Argentinier Franco Zuculini, der schon ein Länderspiel hat.

Sport1.de: Legen Sie sich im Jahr zwei Ihrer Erstliga-Zugehörigkeit auf ein Ziel fest?

Rangnick: Natürlich haben wir Ziele. Aber die werden nicht in Zahlen genannt. Ich sage Ihnen nur ein Beispiel: Weihnachten lagen wir neun Punkte vor Wolfsburg, die dann Meister wurden. Ich lege mich nicht mehr auf Zahlenspiele fest. Die machen keinen Sinn. Sicherlich wollen wir am 10. Mai im oberen Tabellendrittel stehen. Uns ist aber auch klar, dass das mindestens zehn Teams wollen. Auf einen Tabellenplatz lege ich mich nicht fest, unser großer Vorteil ist die Unbekümmertheit der Mannschaft.

Sport1.de: In der letzten Saison hat Hoffenheim gegen Bremen und München gut gespielt und viel Lob bekommen, aber verloren.

Rangnick: Genau. Davon habe ich aber nichts. Ich sah gerade diese beiden Spiele, nach denen uns jeder so gelobt hat, völlig anders. Ich konnte doch mit den beiden Niederlagen nicht glücklich sein.

Sport1.de: Sie können das ja gleich am ersten Bundesligaspieltag gegen die Bayern umdrehen.

Rangnick: Ja, warum nicht. Vielleicht haben wir das Glück, dass die Bayern mit dem neuen Trainer noch nicht ihr oberstes Level erreicht haben. Aber wir werden erst nach etwa zehn Spieltagen ein Parameter haben, wo wir stehen.

Sport1.de: Ist Bayern Ihr Meisterschaftsfavorit?

Rangnick: Bayern ist immer Titelaspirant. Außer den Bayern sehe ich auch weit und breit kein deutsches Team, das in der Lage wäre, mal die Champions League zu gewinnen.

Sport1.de: Stichwort internationaler Fußball. Wie sehen Sie die Bundesliga im Vergleich zum Ausland?

Rangnick: Als eine der stärksten Ligen Europas, wenn nicht der ganzen Welt, und vor allem sehr ausgeglichen. Schauen Sie mal nach England: Da sind vier Teams international top, aber schon Aston Villa hätte meines Erachtens Probleme, den fünften Rang der englischen Liga bei uns in der Bundesliga zu erreichen. Bei uns kann aber durchaus der Letzte den Ersten schlagen.

Sport1.de: Wie würden Sie das Image von Hoffenheim kennzeichnen?

Rangnick: Unbeschwert, erfolgreich, stark und sympathisch. Genauso wollen wir auch dieses Jahr Fußball spielen.

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