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Wann Franck Ribery wieder eingreifen kann weiß nicht einmal van Gaal so richtig © getty

Der neue FC Bayern - es ist eine Elf ohne richtigen "Zehner". Wann Ribery wieder fit wird, weiß nicht einmal der Trainer.

Aus Donaueschingen berichtet Daniel Rathjen

Donaueschingen - Louis van Gaal hat sich festgelegt.

Sein System mit dem FC Bayern ist ein 4-4-2 mit einer Raute im Mittelfeld.

Der Trainer macht keinen Hehl daraus, dass er lieber den niederländischen "Voetbal total" mit einem 4-3-3 spielen würde.

"Ich habe nicht die Spieler dafür", sagt er allerdings immer wieder. Doch auch beim 4-4-2 mangelt es an Durchschlagskraft auf einer Schlüsselposition - der des Spielmachers.

Eine echte "Zehn" hat sich in der Vorbereitung bislang noch nicht herauskristallisiert.

Es scheint, als werde das Problem der alten Saison wieder akut: In der Offensive fehlt die Kreativität.

Verwirrung um Riberys Verletzung

Alle warten daher auf die Rückkehr von Franck Ribery, den Ausnahmedribbler.

Doch der plagt sich im Trainingslager in Donaueschingen weiter mit Problemen an der Patellasehne herum, arbeitet nicht mit der Mannschaft und absolviert lediglich individuelles Training (zum Artikel: Ruiniert der Reisestress die Vorbereitung?).

Langsam wird es sogar verwirrend: Selbst van Gaal scheint nicht genau zu wissen, wann der Franzose wieder fit wird.

"Es ist nicht absehbar und schwer einzuschätzen. Mit der Verletzung müssen wir sehr vorsichtig umgehen."

Auf die Nachfrage, ob er wirklich nicht wisse, wie schlimm die Blessur sei, entgegnete er: "Da müssen Sie den Arzt fragen."

Keine Alternativen auf der Spielmacher-Position

Hoppla! Spricht der Arzt etwa nicht mit van Gaal oder schwingt beim 57-Jährigen Frust mit, weil Ribery hinter den Kulissen trotz Machtwortes der Bayern noch immer auf einen Wechsel zu Real Madrid drängt?

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Das Transferfenster schließt erst am 31. August.

So oder so: Ribery braucht laut van Gaal mindestens drei Wochen im Mannschaftstraining, um die volle Fitness für 90 Minuten zu erlangen.

Und solange der 26-Jährige nicht wieder zum Team stößt, bleibt van Gaal, der bekanntlich auch gerne Wesley Sneijder aus Madrid geholt hätte, nicht anders als die übrigen Alternativen zu testen.

Beim 10:0-Kantersieg gegen die Stuttgarter Kickers am Dienstagabend (zum Artikel: Olic und Gomez zaubern) beorderte van Gaal Alexander Baumjohann in die Zentrale.

Gomez muss "noch mehr auf seine Mitspieler eingehen"

Der 22-jährige Neuzugang aus Mönchengladbach konnte dabei jedoch nicht voll überzeugen.

Er sagt zwar zu Sport1.de: "Ich fühle mich auf jeden Fall als richtige Zehn." Doch noch fehlt ihm die Bindung zu den Mitspielern. Auch er selbst muss sich erst bei den Bayern zurechtfinden.

Der Kontakt zu den Spitzen, das wurde in der ersten Halbzeit deutlich, war nicht so intensiv wie es sich van Gaal vorgestellt hatte.

Der Coach richtete bei seiner Bilanz auch einen leisen Vorwurf an Mario Gomez. "Er macht seine Tore, das ist gut. Aber er muss noch mehr auf seine Mitspieler eingehen - gerade zur Zehn."

Schon fünf verschiedene "Zehner" getestet

Insgesamt beurteilte er den Auftritt seiner Profis im Degerloch zurückhaltend. "Bei Ballbesitz sah das gut aus", hob er hervor, wohlwissend, dass in der Defensive oft einige Lücken klafften.

"Für einen Viertligisten war das ausreichend, für einen Bundesligisten nicht", resümierte van Gaal. Als negativ kennzeichnete er unmissverständlich den Spielaufbau.

Einen positiven Aspekt sah der Trainer immerhin: "Ich konnte viel ausprobieren und viel erkennen."

Bislang bot er in den Testspielen - neben Baumjohann - fünf verschiedene Leute auf der Zehner-Position auf: Anatolij Timoschtschuk, Jose Sosa, Mark van Bommel, Hamit Altintop und Thomas Müller.

Das Warten auf Schweinsteiger

Keiner hinterließ einen bleibenden Eindruck. Hoffnungen legt van Gaal deshalb auch auf Bastian Schweinsteiger, der ebenfalls in der Zentrale spielen könnte.

Doch auch er ist nach seiner OP gerade wieder ins Mannschaftstraining eingestiegen und muss noch langsam herangeführt werden.

"Schweini" besitzt beim neuen Münchner Coach aber eine hohe Wertschätzung. Oft bringt er ihn als Kandidat für die Startelf ins Gespräch. "Im Moment könnte er 20 Minuten spielen", wägt van Gaal bereits ab.

Doch der Niederländer ist weiterhin optimistisch und zitiert mit einem Lachen sogar "Intimfeind" Johan Cruyff: "Jeder Nachteil hat auch einen Vorteil."

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