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Michael Rensing ist seit 2000 Spieler im Verein Bayern München © imago

Der Stachel der Degradierung sitzt noch tief beim FCB-Keeper. "Viel Schlimmeres kann einem Spieler nicht passieren", sagt Rensing.

Aus Donaueschingen berichtet Daniel Rathjen

Donaueschingen - Sein Gesicht ist verbittert.

Michael Rensing versucht, nicht noch härtere Worte zu benutzen, doch er reißt sich vor der versammelten Presse im Trainingslager in Donaueschingen zusammen.

Seine Wut projiziert sich auf einen Mann. Aber der Keeper hütet sich auch, ihn namentlich zu nennen.

Er spricht immer nur vom ehemaligen Coach des FC Bayern oder einem der Vorgänger Louis van Gaals. Ganz so, als wolle er die Person gänzlich aus seinem Gedächtnis streichen.

Dabei weiß jeder, wer gemeint ist: Jürgen Klinsmann.

"Viel Schlimmeres kann einem nicht passieren"

Der Frust, die die Degradierung zur Nummer zwei nach sich zog, ist noch stärker geworden.

"Die letzte Saison hat mich einiges gelehrt, wie das Geschäft laufen kann. Viel Schlimmeres kann einem Spieler nicht passieren", sagt Rensing.

Er fügt an: "Leider ist die Situation für mich aufgrund der Entscheidung von der letzten Saison so, wie sie ist", meint der 25-Jährige.

Degradierung gegen Barcelona

Klinsmann hatte Rensing vor dem Viertelfinal-Hinspiel in der Champions League beim FC Barcelona (0:4) überraschend auf die Bank gesetzt und danach an Jörg Butt festgehalten.

Die Degradierung drängte Rensing in die Rolle des Herausforderers und verschaffte dem Routinier jetzt einen Vorsprung im Rennen um den Stammplatz im Bayern-Kasten. (zum Artikel: Olic und Gomez zaubern)

Rensing plant langfristig

Nicht wenige Experten legten Rensing deswegen einen Wechsel nahe. Doch der Schlussmann denkt nicht daran, den Verein zu verlassen. "Ich denke nicht, dass vier Wochen Vorbereitung alles entscheidend sind. Ich denke da längerfristig", stellt er klar.

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Nicht ausschließlich das erste Saisonspiel sei sein Ziel, über einen Abschied mache er sich keine Gedanken. (zum Artikel: Bayerns Sorgenkinder)

Keine Defizite gegenüber Butt

Rensing glaube, Trainer van Gaal habe noch keine Entscheidung über die Besetzung im Tor getroffen.

Er hat sich nun vorgenommen, den Trainer zu überzeugen. Im Vergleich mit Butt sieht Rensing jedenfalls keine Defizite. "Ich denke nicht, dass er fußballerisch besser ist als ich. Ich kann sehr gut mitspielen."

Neuer-Gerüchte irritieren den Keeper

Ohnehin stellt Rensing seine Stärken in den Vordergrund. "Ich weiß, was ich kann. Und ich bin überzeugt davon, dass ich der Richtige im Tor sein kann."

Das Werben des Vereins um Schalkes Manuel Neuer hat ihn jedoch irritiert. "Ich habe das zur Kenntnis genommen. Ich will nicht sagen, dass ich besser bin als er, aber in sämtlichen DFB-Auswahlen wurde ich vor Neuer und Rene Adler berücksichtigt."

Um den Hype um seine Person, die Schlagzeilen und den Druck zu verarbeiten, sei Rensing aber "stark genug". Hilfe vom Teampsychologen Philipp Laux lehnt er kategorisch ab. "Ich komme damit allein zurecht."

Butt hat wohl die Nase vorn

Fraglich ist nur, wie er sich verhält, wenn er tatsächlich in der ersten DFB-Pokalrunde beziehungsweise am ersten Spieltag auf der Bank Platz nehmen muss.

Denn darauf deutet momentan vieles hin. Der 35-jährige Butt hat die Nase vorn. Im Training und in Testspielen war der Routinier meist im vermeintlichen A-Team.

Es scheint, als hätte van Gaal seine Entscheidung bereits getroffen. Was für einen Sinn würde es auch machen, eine Hintermannschaft aufeinander abzustimmen und dann kurz vor dem Saisonstart alles wieder zu revidieren?

Van Gaal legt sich nicht fest

In der Öffentlichkeit hält sich van Gaal, der den Torwart auch als elften Feldspieler sieht und ihn immer wieder im Training mit in die Ballübungen einbindet, bedeckt.

"Jörg Butt und Michael Rensing machen einen guten Eindruck. Ich lasse mir Zeit", sagt er nur. Möglich ist auch, dass es im nächsten Jahr einen weiteren Vorstoß in Sachen Neuer gibt.

Kommt Neuer 2010?

Butt bietet durch seine Ruhe und Erfahrung solange Sicherheit. Neuer könnte 2010 kommen. Wahrscheinlich kann er den Münchnern dann nicht noch einmal eine Absage erteilen.

Bei Mario Gomez verhielt es sich schließlich ähnlich. Vor einem Jahr blieben er und der VfB eisern, in diesem Sommer kam es zur Einigung.

Auch wenn Rensing nicht aufgibt, die Perspektiven bleiben für ihn beschränkt. Und der Frust auf Klinsmann wird wahrscheinlich noch größer.

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