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Jupp Heynckes war von 1967 bis 1976 deutscher Nationalspieler © getty

Die Sport1.de-Interviewserie zur Bundesliga-Saison: Im zweiten Teil spricht Heynckes über erfahrene Trainer und Jürgen Klinsmann.

Von Martin Volkmar

München - Im zweiten Teil des Interviews mit Jupp Heynckes spricht der 64-Jährige über erfahrene Trainer, Jürgen Klinsmann und den FC Bayern.

Sport1.de: Erfahrene Trainer genießen in der Bundesliga offenbar wieder einen höheren Stellenwert als vor einigen Jahren. Freut Sie das?

Heynckes: Aber das ist ja auch ein Trend der Medien. Vor einem Jahr hat Jürgen Klinsmann bei Bayern eine wahre Hysterie ausgelöst und genauso ist es jetzt umgekehrt bei den älteren Trainern. Felix Magath holt die Meisterschaft, Luis Aragones wird mit Spanien Europameister und auch andere erfahrene Trainer haben Erfolg.

Sport1.de: Woran liegt das?

Heynckes: Ich denke, die Mischung macht's. Meiner Meinung nach gibt es nur gute und weniger gute Trainer. Die Erfahrung spielt dabei sicherlich eine große Rolle, aber es ist wichtiger, wie man mit den Spielern umgeht und wie man sie erreicht. Und nicht unbedingt, ob man sehr jung ist oder schon im höheren Alter.

Sport1.de: Aber Sie sind schon der Meinung, dass gerade jüngere Trainer wie Jürgen Klinsmann solchen Aufgaben noch nicht gewachsen sind?

Heynckes: Das hat nichts speziell mit Klinsmann zu tun. Generell braucht man in jedem Beruf Erfahrung. Und man muss versuchen, sich immer wieder zu verbessern. Das ist ein stetiger Prozess und auch mit 60 oder 65 Jahren kann man noch dazulernen. Aber es gab immer schon ältere Trainer, die kompetent und gut sind, und jüngere, die unerfahren sind.

Sport1.de: Viele haben ein Interview von Ihnen am vergangenen Wochenende aber auch als Abrechnung mit Jürgen Klinsmanns Arbeitsweise interpretiert.

Heynckes: Wenn man das ganze Interview in der "FAZ" richtig gelesen hat, wird man nicht zu dieser Schlussfolgerung kommen. Im Gegenteil: Ich habe Jürgen Klinsmann sogar gelobt. Das Problem ist, dass die Medien vieles immer verzerren. Ich hatte mich allgemein auf junge Trainer bezogen, das hat nichts mit Klinsmann zu tun. Und da habe ich gesagt: Junge Trainer müssen Erfahrungen sammeln und Fehler machen dürfen.

Sport1.de: Aber Sie haben dem FC Bayern danach angeblich Luis van Gaal empfohlen, weil er besser dorthin passen würde. Stimmt das?

Heynckes: Ich weiß nicht, ob er dorthin passt. Ich habe gesagt, dass ich Luis van Gaal für einen kompetenten Trainer halte, der Fußball lehrt.

Sport1.de: Holt er direkt mit den Münchnern die Meisterschaft?

Heynckes: Ich lege mich nicht fest, damit würde man es sich zu einfach machen. Auch vergangene Spielzeit haben 15 Trainer auf den FC Bayern gesetzt und Wolfsburg ist am Ende Meister geworden. Bayern gehört sicherlich zu den Favoriten. Aber einige Teams haben sich extrem gut verstärkt, zum Beispiel Hoffenheim. Daher ist es für eine Prognose zu früh.

Sport1.de: Können die Bayern auch in der Champions League wieder ganz oben mitspielen?

Heynckes: Der FC Bayern hat eigentlich immer im internationalen Geschäft mitgemischt und häufig das Viertelfinale, oder auch Halb- oder Finale erreicht. Man muss abwarten, wie es mit einem neuen Trainer und einer neuen Philosophie laufen wird. Aber die Bayern können immer eine gute Rolle im Europapokal spielen, weil sie ein riesiges Potenzial haben. (>> Hier gehts zurück zu Teil eins des Interviews)

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