vergrößernverkleinern
Anatolij Timoschtschuk reiste mit eigenem Koch, Masseur und Pressesprecher an © getty

Die Startelf des FC Bayern kristallisiert sich heraus und birgt eine Überraschung. Sport1.de beleuchtet die Mannschaftsteile.

Vom FC Bayern berichtet Daniel Rathjen

München - "Er soll ruhig kommen, wenn er sich auf die Bank setzen will."

Der Satz stammt von Mark van Bommel und fiel im Winter.

Als der Niederländer von dem Werben des FC Bayern um Anatolij Timoschtschuk erfuhr, schickte er umgehend eine Kampfansage an den Ukrainer.

Jetzt scheint es, als ob van Bommel tatsächlich Recht behalten könnte.

Er dreht in der Saisonvorbereitung (Der Sommerfahrplan der Bayern) mächtig auf. Die Verpflichtung Timoschtschuks, seines direkten Konkurrenten im Kampf um den Platz im defensiven Mittelfeld, hat ihn beflügelt.

Der Platzhirsch röhrt

Van Bommel lässt nach seiner Vertragsverlängerung um ein Jahr keinen Zweifel daran, dass er der Platzhirsch in der Zentrale des Rekordmeisters war, ist und bleiben will.

Bei jeder Trainingseinheit, bei jedem Spiel röhrt der 32-Jährige los. Er ist nicht zu überhören und manchmal sogar lauter als Trainer Louis van Gaal (zum Artikel: Die unerwartete Konstante).

Knackige Kommandos oder auch mal ein Lob kommen dann über seine Lippen. "Das habe ich immer gemacht", stellt er selbstbewusst klar. Es liege in seinem Naturell.

Van Bommel ist die Stimme der Mannschaft. Er will allen und vor allem seinem Coach demonstrieren: Ich bin ein Leader.

"Ich war letzte Saison sehr stolz, Kapitän geworden zu sein und würde das auch gerne weitermachen", sagt er.

Wer wird Kapitän?

Noch ist nicht entschieden, wer bei den Bayern beim Saisonstart die Binde tragen darf. Philipp Lahm und Miroslav Klose sind auch noch im Rennen.

Eine besondere Ehre wird dieser Person in jedem Fall zuteil. "Mein Kapitän spielt immer", hat van Gaal bereits angekündigt.

Seine Vorstellung eines verlängerten Armes auf dem Platz: "Ich muss einen Spieler wählen, der sehr wichtig ist auf dem Platz. Er muss seine Mitspieler coachen können. Das können nicht viele."

Eine Vorentscheidung traf er immerhin schon. In den Testspielen trägt van Bommel die Kapitänsbinde.

"Bei ihm weiß ich, dass er das kann. Mit ihm habe ich ja schon in der holländischen Nationalelf zusammengearbeitet", liefert van Gaal ein weiteres Anzeichen dafür, dass sein Landsmann das Amt künftig behalten darf.

Und Fakt ist: Was van Bommel sagt, hat in der Mannschaft Gewicht. Er kümmert sich besonders um die Integration der Neuen und spricht mit den Erfahrenen auf Augenhöhe.

Aktuell gehört er klar zur A-Elf - auf der strategisch wichtigen Sechser-Position - wo Bälle verteilt werden und die wichtigsten Kommandos gegeben werden.

"Timo" muss weichen

Timoschtschuk muss derzeit ausweichen - auf den rechten Flügel, obwohl er eigentlich zu den stärksten Sechsern der Welt gehört.

Die Experten gratulierten den Bayern zu diesem Top-Einkauf. Und Timoschtschuks ehemaliger Trainer bei Zenit St. Petersburg, Dick Advocaat, lobte den Blondschopf in höchsten Tönen:

"Er hat alles, was ein Spieler auf seiner Position braucht. Er ist robust und unglaublich zweikampfstark. Er ist technisch versiert."

Er hatte den heute 30-Jährigen nach nicht mal zwei Monaten im Klub zu seinem Kapitän gemacht.

Den Bayern sagte er: "Ihr habt unseren Besten. Einen, der nicht nur auf dem Platz zum Vorbild taugt. Seine Einstellung macht ihn zu einer Führungspersönlichkeit ohne Starallüren."

Kuriose Einkaufspolitik der Bayern 115098(DIASHOW: Die Zugänge): Während personelle Engpässe in der Abwehr und im Tor bestehen, hocken auf der Sechser-Position gleich zwei Stars mit identischen Eigenschaften.

Es herrscht Explosionsgefahr

Die prominente Doppelbesetzung ist grundsätzlich nicht schlecht, doch birgt sie auch großes Konfliktpotenzial.

Münchens Vorstands-Boss Karl-Heinz Rummenigge sagt zu Sport1.de zwar: "Van Bommel und Timoschtschuk können auch gemeinsam spielen." Doch ideal scheint diese Lösung nicht.

Van Bommel könnte auf rechts nicht mehr gut genug dirigieren, "Timo" kann dort seine Stärken nicht vernünftig ausspielen und hat zudem Bastian Schweinsteiger, Hamit Altintop und Jose Sosa im Nacken.

Doppel-Sechs scheidet aus

Ein System mit einer Doppel-Sechs scheidet aus: Van Gaal setzt im Mittelfeld eindeutig auf eine Raute (zum Artikel: Van Gaals Suche nach dem "Zehner"). Alles andere ist ihm zu statisch.

Noch hält sich Timoschtschuk, der für elf Millionen Euro Ablöse aus Russland kam, zurück.

Im Trainingslager in Donaueschingen verhielt er sich noch schüchtern. "Ich fühle mich in jedem System wohl", sagt er nur.

Ob er auch ruhig bleibt, wenn er das erste Mal auf die Bank muss?

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel