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Sport1.de-Redakteur Mathias Frohnapfel mit Hoffenheims Verteidiger Marvin Compper © getty

In Teil 12 der Sport1.de-Interviewserie spricht Hoffenheims Marvin Compper über Ibisevic, den Konkurrenzkampf und die Saisonziele.

Von Mathias Frohnapfel

München - Marvin Compper war eine der Stützen der erfolgreichen Hoffenheimer-Hinrunde der Saison 2008/09.

Vor anderthalb Jahren kam der Tübinger von Borussia Mönchengladbach zum Team von Ralf Rangnick und erkämpfte sich sofort einen Stammplatz.

Dass die Hinrunden-Durchstarter in der zweiten Hälfte der vergangenen Spielzeit von Platz eins auf sieben rutschten, begründet der 24-Jährige mit den vielen Verletzten, die Hoffenheim zu beklagen hatte: "In zehn von 17 Partien mussten wir die Anfangself ändern. Wenn man eingespielt ist, geht es eben leichter."

In der kommenden Saison soll es für den Nationalspieler und sein Team wieder besser laufen - nicht nur weil der ehemalige Berliner Josip Simunic die Hoffenheimer Defensive verstärkt.

Auch Vedad Ibisevic kann laut Compper "wieder in die Rolle des Torjägers hineinschlüpfen. Er wird seine Tore machen."

Im Sport1.de-Interview spricht Marvin Compper über die Qualitäten des Hoffenheimer Stürmers, die Konkurrenzsituation innerhalb der Mannschaft und seine Ziele für die Zukunft:

Sport1.de: Herr Compper, stimmt der Eindruck, dass Trainer Ralf Rangnick in der Vorbereitung besonders streng zu Werke geht (Interview mit Ralf Rangnick: "Unser großer Vorteil ist die Unbekümmertheit)

Marvin Compper: Das ist auch richtig so. Wir sind sehr ehrgeizig und wollen schauen, dass sich so etwas wie in der Rückrunde der letzten Saison nicht wiederholt. Wir wollen daraus unsere Lehren ziehen.

Sport1.de: Warum lief es in der Rückrunde nicht?

Compper: Wir sind ein junges Team. Es ist ja zu verzeihen, wenn wir den hinreißenden Offensivfußball aus der Hinrunde nicht über eine ganze Spielzeit zeigen können. Wir hatten in der Rückrunde auch viele Verletzte. In zehn von 17 Partien mussten wir die Anfangself ändern. Wenn man eingespielt ist, geht es eben leichter. Leistungstiefs von einzelnen Spielern kamen dazu. Dazu haben sich die Gegner anders auf uns eingestellt.

Sport1.de: Wird das zweite Bundesliga-Jahr für Hoffenheim leichter oder schwerer?

Compper: Es wird auf jeden Fall nicht leichter. Jedoch denke ich nicht, dass die Gegner es uns in der Hinrunde leicht gemacht haben. Wir haben sie zu Fehlern gezwungen. Wir müssen uns nun wieder auf unserer Leistung konzentrieren.

Sport1.de: Hat Hoffenheim womöglich zu viele junge Spieler im Team?

Compper: Da gibt es immer zwei Meinungen. Die einen sagen, es ist notwendig, dass man Erfahrung hat, gerade wenn es nicht läuft. Andere sagen, nur die Qualität zählt. Grundsätzlich denke ich, dass die Balance ausschlaggebend ist. Ich finde es wichtig, dass ein Spieler wie Josip Simunic dazugekommen ist. Er geht auf die jungen Spieler zu, kommuniziert viel, das ist ganz, ganz wichtig.

Sport1.de: Aber Josip Simunic verstärkt den Kampf um die Innenverteidiger-Position, auf der auch Sie spielen.

Compper: Sicherlich. Aber der Mannschaftsrat hat aufgrund der Rückrunde die Meinung kundgetan, dass es nur von Vorteil ist, wenn wir einen Konkurrenzkampf haben. In der Rückrunde hat sich die Mannschaft in bestimmten Spielen ja von alleine aufgestellt. Für die Entwicklung jedes Einzelnen ist es wichtig, dass man Konkurrenz hat.

Sport1.de: Wird die Abwehr auch stärker sein, weil nun ein Jahr mehr an Bundesliga-Erfahrung da ist?

Compper: Klar, das auch. Aber ein Mann wie Josip Simunic, der einiges geleistet hat in den vergangenen Jahren, wird uns einfach Stabilität verleihen.

Sport1.de: Sie geben in den Übungen viele Anweisungen, dirigieren die Abwehr mit. War das schon immer so?

Compper: Ja, von der Innenverteidigerposition aus ist das auch einfacher als in meiner Zeit in Gladbach, als ich außen gespielt habe. Wir müssen alle miteinander reden. Es ist wichtig, auf dem Platz zu kommunizieren. Es reichen kleine Anweisungen wie links, rechts, komm? zurück.

Sport1.de: Denken Sie eigentlich noch oft an Ihr erstes Länderspiel zurück?

Compper: Klar, das war ein schöner Moment. Aber ich schaue lieber nach vorne. Mein persönliches Ziel ist es, irgendwann mal im Ausland bei einem europäischen Spitzenverein zu spielen. Aber es wird sich alles über die Leistungen für Hoffenheim regeln, ob ich wieder zur Nationalmannschaft eingeladen werde und welche Perspektiven ich darüber hinaus habe. Deshalb ist Hoffenheim alles, worauf ich mich jetzt konzentriere.

Sport1.de: Ist das internationale Geschäft für 1899 ein realistisches Ziel?

Compper: Es kommt darauf an, wie wir in die Saison starten. Man muss nicht von vorneherein sagen, wir wollen ins internationale Geschäft. So eine Saison ist lang, das haben wir letztes Jahr gemerkt. Vor Februar, März möchte ich zu speziellen Zielen gar nichts sagen.

Sport1.de: Wie wichtig ist Vedad Ibisevic für das Team?

Compper: Ich denke, er kann wieder in die Rolle des Torjägers hineinschlüpfen. Es ist wichtig, dass er wieder zurück ist, auch aufgrund der verschärften Konkurrenzsituation im Sturm. Wir haben viele Optionen mit Prince Tagoe, Maicosuel und Demba Ba, wenn er wieder fit ist. Da kann sich keiner ausruhen. Vedo puscht das. Er wird wieder seine Tore machen. (Zum Artikel: Ibisevic beendet seine Torflaute)

Sport1.de: Was sind seine Stärken?

Compper: Er ist eiskalt. Im Strafraum sieht er nur die zwei Pfosten, die Latte und das Netz. Es gibt Situationen, in denen man denkt, jetzt hätte er abspielen müssen. Aber er hat 18 Tore gemacht, weil er so ist, wie er ist. Mit Vedo liefert man sich sogar im Training erbitterte Zweikämpfe.

Sport1.de: Wie ist Ihr Eindruck von den Neuzugängen: Maicosuel, Franco Zuculini und Prince Tagoe?

Compper: Durchwegs positiv. Sie sind alles unterschiedliche Typen: Maicosuel ist der Sprintertyp, Prinz Tagoe sucht die Kombinationen und Franco ist ein Balleroberer, er will 90 Minuten hoch und runter marschieren.

Sport1.de: Wie lange wird es dauern, bis die Aufregung um Stürmer Demba Ba vergessen ist?

Compper: Demba Ba ist auf jeden Fall innerhalb der Mannschaft respektiert (Zum Artikel: Ist Ba in Hoffenheim jetzt unten durch). Und die Anerkennung der Fans, das regelt sich immer über die Leistung.

Sport1.de: Hat sein Flirt mit Stuttgart gezeigt, dass auch Hoffenheim die unschönen Seiten des Profifußballs zu spüren bekommen kann?

Compper: Ja, das sind einfach Mechanismen des Geschäfts. Wenn man denkt, man kann Hoffenheim davon ausnehmen, ist es vielleicht etwas blauäugig.

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