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Einer der wenigen Neuzugänge: Thomas Broich (r.) mit Coach Michael Oenning © imago

Es ist ein gewagtes Unterfangen für den Aufsteiger: Der Club hat in der Pause nicht einen Cent auf dem Transfermarkt ausgegeben.

Nürnberg - Auf den ersten Blick ist es ein gewagtes Unterfangen.

Wenn der 1. FC Nürnberg am 8. August mal wieder ein Comeback in der Bundesliga feiert, tritt er dort mit einer Mannschaft an, der im vergangenen Mai erst über die Relegation der sofortige Wiederaufstieg gelang.

Nicht einen Cent hat der Club die Sommerpause über auf dem Transfermarkt ausgegeben.

Das wirkt nicht gerade vertrauensbildend, doch Sportdirektor Martin Bader beteuert:

"Wir vertrauen unserem Team, auch den jungen Leuten."

Das Vertrauen gründet sich vor allem auf eine in der Tat sehr beeindruckende Rückrunde in der vergangenen Zweitliga-Saison - und jene beiden Relegationsspiele, in denen der Club mit Spielwitz und jugendlichem Elan Energie Cottbus aus der Bundesliga warf (3:0 und 2:0).

Heitere Mischung

Seitdem herrscht eine heitere Mischung aus Aufbruchstimmung und Euphorie rund um den Valznerweiher, die Anhänger der Franken, seit jeher erstligatauglich, rissen sich um die Dauerkarten - bis beim Vereinsrekord von 28.000 Abos der Verkauf eingestellt wurde.

Mit großer Begeisterung, aber auch mit einer gewissen Demut unternimmt der neunmalige deutsche Meister nun erneut den Versuch, das hässliche Etikett der Fahrstuhlmannschaft loszuwerden.

Sieben Abstiege und sieben Aufstiege hat der Club hinter sich, jetzt gilt zunächst mal wieder die Devise: drinbleiben. "Es wäre", sagt Bader, "vermessen zu behaupten, dass wir mit dem Abstieg sicher nichts zu tun haben werden." Trainer Michael Oenning wäre zunächst mit Rang 16 und der erneuten Relegations-Teilnahme zufrieden.

Kontinuierlich entwickeln

Nicht absteigen - und dann kontinuierlich entwickeln, so stellen sich das Bader und Oenning vor. "Ich bin der Überzeugung, dass wir noch lange nicht am Ende des Weges sind. Wir müssen uns zwar noch weiterentwickeln, aber das Vertrauen ist so groß, dass ich guten Mutes in die neue Saison gehe", sagt der Trainer.

Und so wird die Anfangs-Elf am kommenden Samstag beim DFB-Pokalspiel bei Dynamo Dresden und dann zum Bundesliga-Auftakt gegen Schalke 04 nahezu identisch mit der Aufstiegs-Elf sein.

In der Sommerpause hat sich der Club ein weiteres Mal in der Nachwuchsabteilung von Oennings ehemaligem Arbeitgeber VfL Bochum bedient: Tomasz Welnicki (19) und Ilkay Gündogan (18) stießen zum Kader.

Hinzu kamen Thomas Broich vom 1. FC Köln und der an Bayer Leverkusen ausgeliehene Angelos Charisteas.

"Ich wüsste keinen, der für uns finanzierbar ist und uns weiterhelfen würde", sagte Trainer Oenning. Der Club würde seine "mannschaftliche Geschlossenheit in die Waagschale werfen. Die ist uns ein Stück weit heilig".

Wenn eine verpatzte Generalprobe tatsächlich ein gutes Omen ist, hat der 1. FC Nürnberg wenig zu befürchten.

Dämpfer im Härtetest

Am Mittwoch kickt der Club noch gegen Al Arabia aus Katar, der eigentliche Härtetest am Sonntag gegen die Rangers aus Glasgow ging 0:2 verloren.

In der ersten Halbzeit spielte dabei die mutmaßliche Stamm-Formation, und Oenning stellte fest: "Ich habe gesehen, was ich sehen wollte." Es war, von der Chancenverwertung abgesehen, nicht das Schlechteste. "Wir haben verloren und keiner weiß warum", ergänzte der Trainer.

Oenning und Bader wissen, dass Niederlagen kommen werden. Es bleibt die Frage, wie lange sie dann die Nerven behalten.

Der Plan für die Zukunft, der neben der Förderung des Jugendstils auch das fast fünf Millionen teure Zentrum für den Nachwuchs (Fertigstellung 2010) beinhaltet, klingt vernünftig, aber dazu dürfte der Club erst mal nicht absteigen, weiß Bader: "Ständig rauf und runter, da kann sich nichts entwickeln."

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