vergrößernverkleinern
Der bange Moment: Ümit Özat wird in Karlsruhe abtransportiert © getty

Der FC-Kapitän dementiert Berichte, er erwäge ein vorzeitiges Karriereende. Die Ursache für den Zusammenbruch gibt weiter Rätsel auf.

Von Julian Meißner

München - Die Spekulationen über den Karrierefortgang von Kölns Kapitän Ümit Özat schießen weiter ins Kraut.

Nach einem türkischen Medienbericht soll der 31-Jährige nun sogar ernsthaft ein vorzeitiges Ende seiner Laufbahn erwägt haben.

Der Türke war in der Bundesliga-Partie beim Karlsruher SC am vergangenen Spieltag in der 26. Minute auf dem Spielfeld bewusstlos zusammengebrochen, Wiederbelebungsmaßnahmen wurden eingeleitet.

"Wegen gesundheitlicher Probleme überlege ich, meine Karriere zu beenden. Ich liebe den Fußball, aber meine Gesundheit und meine Familie haben Vorrang", zitiert ihn die Sporttageszeitung "Fanatik".

Dementi von Özat

Das wiederum dementierte Özat auf der Internetseite des 1. FC Köln: "Diese Aussage ist völlig falsch und stammt nicht von mir. Zudem habe ich mit dieser Zeitung gar nicht gesprochen. Wenn ich solche Gedanken hegen würde, würde ich darüber zuerst mit meiner Familie und dem 1. FC Köln sprechen und bestimmt nicht mit einer Zeitung."

Er wolle sich "zeitnah" in einer Pressekonferenz erklären, um weitere Spekulationen auszuschließen und um umfassend über seinen Gesundheitszustand zu informieren.

Pressekonferenz angekündigt

Özat wurde am Dienstag aus der Medizinischen Hochschule Hannover entlassen, wo er sich eingehenden Untersuchungen unterzogen hatte. Mittlerweile ist er wieder in Köln eingetroffen.

In einer Pressemitteilung des FC hieß es, Özat sehe seine sportliche Zukunft nach den Gesprächen mit den behandelnden Ärzten positiv. Nähere Details wurden nicht genannt.

Laut Darstellung des Vereins sei es der Wunsch des Spielers, "dass keine weiteren Angaben zu seinem Gesundheitszustand gemacht werden".

Spekulationen über Diagnose

Der Zwischenfall im Karlsruher Wildpark hatte Erinnerungen an die plötzlichen Herztode der Fußball-Profis Antonio Puerta vom FC Sevilla und Marc-Vivien Foe, Nationalspieler Kameruns, geweckt.

FC-Mannschaftsarzt Dr. Paul Klein wollte die über Medien verbreitete Diagnose einer Herzmuskelentzündung bei Özat nicht bestätigen. Zunächst war von einem schlichten Kreislaufkollaps ausgegangen worden, der mit äußeren Umständen wie Flüssigkeitsmangel zu erklären wäre.

Sollte sich jedoch bewahrheiten, dass es sich um Probleme mit dem Herzen handelt, stellt sich die Frage nach der Ursache.

Wandel im Urlaub

Fakt ist: Özat, der vergangene Saison körperlich nicht in Top-Form war, hielt sich in der Sommerpause im Urlaub in der Türkei auf, stellte seine Ernährung um und nahm dort sechs Kilo ab. Gerade in der Hinrunde waren läuferische Defizite beim Verteidiger nicht zu übersehen gewesen.

Selbst Daum hatte im Trainingslager im österreichischen Tröpolach im Juli über den erschlankten Türken gestaunt. "Ich musste auch zweimal hinsehen, bis ich ihn erkannt habe", so Daum damals.

Der FC-Trainer hatte in der Kölner Aufstiegssaison 207/2008 trotz aller Probleme an Özat festgehalten, mit dem er mit Fenerbahce Istanbul 2005 türkischer Meister geworden war. Özat dankte es ihm mit ansteigender Form und hatte in der Schlussphase der Saison entscheidenden Anteil an der Rückkehr ins Oberhaus.

Negativer Dopingtest

Am ersten Spieltag der laufenden Saison in Wolfsburg führte der vermeintlich topfitte Türke sein Team schließlich sogar als Kapitän aufs Feld. Umso überraschender kam der Kollaps beim KSC.

In Köln machen nun sogar Doping-Grüchte die Runde. Doch Özat wurde bei der besagten Partie in Wolfsburg (1:1) einem Dopingtest unterzogen - und negativ getestet.

Glaubt man "Fanatik", plant der zweifache Familienvater auch für die Zeit nach seiner aktiven Karriere.

"Mein Traum ist, Trainer von Fenerbahce und später der türkischen Nationalmannschaft zu werden", soll er gesagt haben.

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel