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Jojn Jairo Mosquera bejubelt in einem Testspiel einen Treffer für Union Berlin © imago

Werder Bremens ungewöhnliche Maßnahme ermöglichte dem Kolumbianer den Start seiner Karriere. Nach einem schweren Unglück stand Mosqueiras Laufbahn jedoch auf der Kippe.

Von Nils Reschke

München - Das weltmeisterliche Sommermärchen 2006 war beendet. Die müden Helden genossen noch den wohlverdienten Urlaub. Doch auf Norderney fieberte bereits der Rest der Profimannschaft einer neuen Spielzeit entgegen.

Es war nur eine kleine Randszene im Trainingslager von Werder Bremen, die indes für große Heiterkeit unter den schwer schuftenden Profis sorgte.

Thomas Schaaf bat seine Schützlinge ans Deuser-Band. Doch mit Hugo Almeida und John Jairo Mosquera, zwei Typen der Statur "Kleiderschrank", war auch das dehnbare Gymnastikgerät hoffnungslos überfordert. Das Gummi riss und traf Mosquera mitten ins Gesicht.

Slapstick mit Symbolcharakter

Für den damals 18-jährigen Kolumbianer hatte diese Slapstick-Einlage irgendwie Symbolcharakter. Es sollte dauern, lange dauern, ehe John Jairo Mosquera wirklich bei Werder Bremen angekommen war. Und es sollte ein gutes Jahr später zu einem fast tragischen Zwischenfall kommen, bevor der talentierte Nachwuchsstürmer seinen ersten Treffer in der Bundesliga bejubeln durfte. Am Ende taugt diese Geschichte dann glücklicherweise doch zum Vergleich mit dem Tellerwäscher, der den Broadway erobert. Doch der Reihe nach.

Als Au-pair an die Weser

Dass die Norddeutschen stets ein glückliches Händchen bei ihren Verpflichtungen haben, ist nicht neu. Gerade in der Offensive zauberten die Grün-Weißen nicht selten einen ungeschliffenen Rohdiamanten aus dem Zylinder.

Ob nun Nelson Valdez, Aaron Hunt, Kevin Schindler oder zuletzt Martin Harnik und Max Kruse ? immer wieder sorgten Nachwuchstalente für Aufsehen an der Weser. Bei John Jairo Mosquera bedurfte es allerdings eines längeren Anlaufs.

Genau genommen nahm Werder den Stürmer schon im Winter unter Vertrag ? um ihn dann gleich weiter auszuleihen.

Das war nötig, denn die Bremer konnten den damals 17-Jährigen als nicht volljährigen Nicht-EU-Ausländer nicht für das Amateur-Team melden. Ein Wechsel zu den Profis, wo aber zunächst kein Platz für ihn war, gelang indes nur, weil Mosquera offiziell als Au-pair von Bremens einstigem Mittelfeld-Ass Uwe Harttgen zum Einsatz kam.

Dänemark, Burghausen, Jena

Beim dänischen Erstligisten Sönderjyske sollte John Jairo Mosquera (Spielerporträt) Spielpraxis sammeln, brachte es aber nur zu sieben Einsätzen und einem Treffer. Also kehrte Mosquera zurück, nahm an besagtem Trainingslager teil und wurde für die Saison 2006/07 an Zweitligist Wacker Burghausen ausgeliehen.

Wieder reichte es nur zu einer Hand voll Kurzeinsätzen und einem Tor für den Kolumbianer, der im Sommer 2007 bei Carl Zeiss Jena anheuern wollte, weil bei Werder nach wie vor kein Platz für ihn war. Und da passierte das Unglück!

Intensivstation statt Trainingslager

Als Testspieler war John Jairo Mosquera mit Carl Zeiss mit ins Trainingslager nach Wesendorf gereist. Die Sonne ging auf, es schien ein schöner 4. Juli zu werden. Trainer Frank Neubarth trommelte seine Spieler zum morgendlichen Lauf zusammen.

Auch Mosquera schnürte seine Schuhe. Er wollte sich beim Coach empfehlen. Doch dazu sollte es nicht kommen. Der Kolumbianer brach scheinbar leblos zusammen, ein Rettungswagen brachte ihn sofort auf die Intensivstation ins benachbarte Gifhorn.

Die Schreckensmeldung von einem Herzstillstand wiesen die Werder-Verantwortlichen später zwar ins Reich der Märchen. Doch Carl Zeiss Jena sah aufgrund dieses Vorfalles von einer Verpflichtung des Stürmers ab.

Junge Karriere vor dem Ende

Gerade erst 19 Jahre jung, stand die Karriere von Mosquera, die so verheißungsvoll begonnen hatte, urplötzlich auf der Kippe. Denn schon mit 14 Jahren hatte er für seinen Heimatclub Atletico Junior am 30. Oktober 2002 sein Debüt in der kolumbianischen Profiliga gegeben.

Und jetzt sollte schon alles vorbei sein? Werder Bremen allerdings ließ das Talent nicht hängen, nahm Mosquera wieder auf, als sich keiner mehr an ihn glaubte. Fortan schuftete dieser vorbildlich für ein Comeback, fasste bei Werders Amateuren schnell wieder Fuß. Und Anfang September stand "Mosqui" dann wieder bei den Profis auf der "Matte".

Tor beim Werder-Debüt

Und hier endet (vorläufig) die Geschichte des Kolumbianers. Genau genommen am 31. Oktober 2007, fast auf den Tag genau also fünf Jahre nach seinem blutjungen Debüt bei Atletico Junior. Thomas Schaaf ruft ihn in der 80. Minute zur Seitenlinie.

Werder spielte in der zweiten Hauptrunde des DFB-Pokals gegen den MSV Duisburg, hatte gerade das 3:0 erzielt. Zeit also für John Jairo Mosqueros Debüt. Ganze sieben Minuten benötigte der Jungspund, da drehte er gerade jubelnd ab, die Arme weit ausgebreitet, als wolle er in diesem Moment die ganze Welt umarmen.

Und ebenso rasant ging es in der Bundesliga weiter. Auswärtsspiel in Cottbus, Einwechslung Mosquera, sieben Minuten später: Tor zum 2:0-Endstand! Der Au-pair-Junge der Harttgens hat die große Fußballbühne betreten ? und dabei so manch hohe Hürde übersprungen. Auch, wenn er vor dem Start in die Saison 2009 an Union Berlin ausgeliehen wurde.

Aber er ist ja noch jung...

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