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Franck Ribery (l.) und Franz Beckenbauer sind nicht gut aufeinander zu sprechen © imago

Der Franzose verteidigt sein Verhalten im Wechselpoker und lobt den Bayern-Vorstand. Uli Hoeneß lästert über Real Madrid.

Von Martin van de Flierdt

München - Fünf Tage ist die herbe Kritik von Bayern Münchens Aufsichtsratsboss Franz Beckenbauer an Franck Ribery und dessen Verhalten im Poker um einen möglichen wechsel zu Real Madrid her (zum Artikel: "München ist Ribery wurscht").

Nun hat der Franzose erstmals selbst dazu Stellung genommen. "Ich habe mich außerhalb des Platzes und auch auf dem Spielfeld immer wie ein Profi benommen", sagte Ribery der französischen Sportzeitung "L'Equipe". "Ich ändere mich nicht, ich bin immer noch derselbe."

Die Reaktion der Münchner Vereinsoberen auf die Äußerungen Beckenbauers sind bei dem 26-Jährigen gut angekommen.

"Ich habe es sehr geschätzt, wie sie mich nach der Kritik von Herrn Beckenbauer verteidigt haben", gab Ribery zu. "Die Verantwortlichen des FC Bayern wollen mich nicht gehen lassen. Sie mögen mich. Wenn ich die Bayern aber doch irgendwann mal verlassen sollte, möchte ich das in einem guten Verhältnis tun." (Vereinsseite: Alle Infos zum FC Bayern)

Ein Wechsel in diesem Sommer scheint aber vom Tisch.

"Real hat nie Geld geboten"

Nach der Veröffentlichung der "L'Equipe", derzufolge die Münchner ein Angebot über 80 Millionen Euro Ablöse für Ribery abgelehnt haben, berichtete Bayern-Manager Uli Hoeneß nun, wie sich das Werben der Königlichen um die Münchner "Schlossallee" wirklich gestaltet hat.

"Real hat uns nie Geld geboten", verriet Hoeneß bei der Aufzeichnung des Audi Star Talks (heute, 21.45 Uhr im DSF ) am Rande des Audi Cups (zur Sonderseite: Audi Cup).

"Ich habe denen gesagt: Ihr braucht nur ein Flugzeug zu besteigen, wenn ihr einen Scheck in dreistelliger Millionenhöhe dabei habt."

"Offensichtlich", meinte der Münchner Macher weiter, "haben sie den nicht aufgetrieben, denn sie sind in Madrid geblieben." Statt zum teuersten Spieler der Welt aufzusteigen, muss sich Ribery also in das unter Louis van Gaal neu sortierte Bayern-Kollektiv wieder eingliedern.

Kahn: Ribery bekommt Probleme

Das ist Oliver Kahn zufolge kein ganz leichtes Unterfangen. "Er hat sich divenhaft benommen, so etwas gibt immer Probleme mit der Mannschaft", meinte der ehemalige Welttorhüter im "ZDF".

"Auch die Fans mögen nicht, wenn Zweifel an der Identifikation eines Spielers mit dem Verein aufkommen." Ribery habe sich "schon bei Real" gesehen. "Jetzt kommt er im Rückwärtsgang an und alle müssen sich wieder liebhaben", sagte Kahn.

Der Dribbelkünstler selbst sieht darin kein Problem. Ihn bekümmert lediglich seine langsame Genesung von Patellasehnenproblemen und der damit einhergehende Trainingsrückstand, der einen Einsatz beim DFB-Pokal-Auftakt der Münchner bei der SpVgg Neckarelz (So., ab 17.15 Uhr LIVE) unmöglich macht.

Sehnsucht nach Mannschaftstraining

"Ich habe Sehnsucht danach, mit den anderen zu trainieren", räumte Ribery ein. "Der Ball fehlt mir, es ist nicht einfach, alleine zu trainieren."

Erst für Mittwoch hat er grünes Licht für eine Rückkehr ins Mannschaftstraining bekommen. "Insofern kommt auch das erste Bundesligaspiel in Hoffenheim zu früh für mich. Realistischer ist ein Einsatz beim Heimspiel gegen Werder Bremen am 15. August", sagte der Franzose der "tz".

Hoeneß nutzte derweil den Audi Star Talk noch zu weiteren Zwecken. Zunächst verpasste er Real Madrid für deren exorbitante Transferpolitik, die in diesem Sommer unter anderem die Superstars Cristiano Ronaldo und Kaka mit Unsummen in die spanische Hauptstadt lockte, eine Breitseite.

"Real wird mal ein Problem haben, wenn der Gerichtsvollzieher ihnen das Bernabeu-Stadion zusperrt", prognostizierte er. "Der Krug geht bekanntlich so lange zum Brunnen, bis er bricht. Aber irgendwann zerbricht der schon noch, also lassen wir sie doch laufen."

Aussprache mit Beckenbauer, Versöhnung mit Matthäus

Dann berichtete Hoeneß von einer Aussprache mit Beckenbauer am Mittwoch. "Da ist alles auf den Tisch gekommen. Alle Unebenheiten sind ausgeräumt."

Schließlich schaffte er den lange schwelenden Konflikt mit dem ebenfalls anwesenden Lothar Matthäus aus der Welt. 2002 hatte der Manager über Matthäus gesagt, dieser werde bei Bayern "nicht mal Greenkeeper", solange er im Klub noch etwas zu sagen habe. Matthäus' Ruf hatte dadurch schwer gelitten.

"Der Ausspruch tut mir heute wirklich leid. Lothar ist ein hervorragender Fachmann", leistete Hoeneß Abbitte.

Dem deutschen Rekordnationalspieler gab er sogar noch einen verbalen Strauß Blumen mit auf den Weg: "Lothar, du musst in Zentral-Europa trainieren. Ein Weltstar wie du passt nicht nach Israel, Brasilien oder Ungarn."

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