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Michael Rensing wechselte 2000 von TuS Lingen zum FC Bayern © getty

Der Bayern-Torhüter zeichnet sich gegen ManUnited aus. Sein Kontrahent Jörg Butt muss indes um die Rolle als Nummer 1 bangen.

Vom FC Bayern berichten Mathias Frohnapfel und Daniel Rathjen

München - Zumindest in einem Punkt gibt es keine Zweifel: Ob Jörg Butt oder Michael Rensing die künftige Nummer eins im Bayern-Tor sein wird, soll ab Sonntag feststehen.

Es ist der Pflichtspielauftakt im DFB-Pokal gegen Neckarelz (DATENCENTER: Alle Paarungen).

Nach dem Erfolg im Audi Cup (zur Sonderseite) dürfte Bayern-Trainer Louis van Gaal noch einmal über die Entscheidung nachgrübeln. Denn Rensing wurde beim 7:6-Sieg im Elfmeterschießen gegen Manchester United zum Held der Münchner (zum Spielbericht).

"Lange auf so ein Spiel gewartet"

"Ich habe lange darauf gewartet, dass so ein Spiel kommt wie heute", sagte er nach der Partie zu Sport1.de.

Dabei war der 25-Jährige zuletzt im Training der B-Mannschaft zugeteilt.

Die Ausgangslage im Zweikampf sprach für Jörg Butt, der zum Ende der Rückrunde die wichtige Position innehatte.

Doch Butt zeigte beim 4:1-Halbfinalsieg über Milan Unsicherheiten, als er sich in zwei Situationen beim Herauslaufen aus dem Tor verschätzte. Und beim Freistoßtor von Andrea Pirlo ließ er den Ball zwischen seinen Händen und der Latte passieren.

Am Donnerstagabend war er deshalb noch langen nicht betrübt. Auf Nachfrage von Sport1.de, ob er ein positives Gefühl für Sonntag habe, schmunzelte er nur und sagte in alter "Kaiser"-Manier: "Schaun mer mal."

Glanztat gegen Owen

Für Rensing geriet indes das Finale zum Befreiungsschlag.

Mit dem richtigen Instinkt wehrte er zwei Elfmeter ab und sicherte so seiner Mannschaft den ersten Pokal der Saison. Schon in der zweiten Hälfte hatte Rensing bravourös vor dem heranstürmenden Michael Owen gerettet.

Gelöst berichtete er nach der Siegerehrung davon, warum er bereits Mitte Juni, also zwei Wochen vor der Mannschaft, wieder das Training aufgenommen hatte.

"Es war für mich wichtig nach der Verletzung schon eher zu beginnen, ich wollte dem Trainer zeigen, was ich kann."

Den Urlaub zuvor habe er eh "nicht richtig genießen" können.

Der junge Torhüter musste immer wieder an die vergangene Saison und die Ausbootung durch Ex-Trainer Jürgen Klinsmann denken.

Rensing will kämpfen

"Dass ich vor dem Spiel gegen Barcelona aus dem Tor genommen wurde, tat weh und war hart."

Rensing hat sich dann fürs Kämpfen entschieden.

"Ich wollte das so nicht stehen lassen", berichtete er. "Mein Herz hängt noch immer an Bayern München. Ich werde erst gehen, wenn ich sehe, dass ein Torwart hier ist, der besser ist als ich."

Mit seinen Glanztaten als Elfmeterkiller hat er sich nun selbst für die harten Wochen belohnt.

"Ich wollte einfach mein Bestes geben, so dass ich mir absolut nichts vorwerfen kann."

Doch Rensing beeilte sich zu versichern, dass es "nicht um mich geht, sondern um uns alle."

Das titellose Jahr hängt dem deutschen Rekordmeister nach.

Als die anderen feierten, schauten die Bayern nur zu. Es war als ob sie in einem All-Inclusive-Urlaub keinen Zutritt mehr zum Wellness-Bereich hätten.

"Wir haben nicht gegen irgendwen gewonnen." Fast wortgleich sagten Michael Rensing und sein Mannschaftskollege Philipp Lahm diesen Satz. Manchester United schien genau der richtige Gradmesser für die Ambitionen des FCB. (Vereinsseite: Alle Infos zum FC Bayern)

Van Gaal lobt Selbstvertrauen

Und auch Lahm lobte Rensing für die Qualitätsarbeit zwischen den Pfosten, dafür, dass er in der Eins-zu-Eins-Situation gegen Owen "sehr, sehr gut" reagiert habe.

Fraglich bleibt, ob das allein Rensing nun dauerhaft ins Tor der Roten befördert.

Einen Fingerzeig, zu wem er tendiert, mochte Trainer Louis van Gaal am Donnerstagabend um keinen Preis geben.

Der Trainer berichtete lediglich, dass ihm vor allem Rensings Auftreten in der zweiten Halbzeit gefallen habe. Und: "Er hat Selbstvertrauen ausgestrahlt beim Elfmeterschießen."

Schwenkt van Gaal, der zu Jörg Butt als Stammkeeper zu tendieren scheint, jetzt um?

Aus den Übungseinheiten der Münchner weiß man, dass dem Niederländer die fußballerischen Qualitäten seiner Torhüter enorm am Herzen liegen.

Rensing erfüllt Vorgaben nur teilweise

Die Spieleröffnung soll präzise über die Außenseite erfolgen oder im Notfall mit einem weiten Schlag über die Mittellinie. Diese Vorgaben erfüllte Rensing gegen United nur zum Teil.

Ob die neue Nummer eins im Bayern-Tor die Rückennummer eins (Rensing) oder die 22 (Butt) trägt, versuchten die Reporter auch mit Fragen bei Walter Junghans.

herauszufinden.

Doch auch der FCB-Torwarttrainer bewahrte am Donnerstagabend ein undurchschaubares Pokerface. Natürlich gab es ein Lob für die gute zweite Halbzeit. Ansonsten verwies Junghans auf den Cheftrainer, der nun mal jetzt entscheiden müsse.

Der Schlussspurt im Torhüter-Duell bleibt spannend.

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