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Michael Preetz ist Herthas Rekordschütze (227 Treffer) und spielte sieben Mal für den DFB © getty

In Teil 15 der Sport1.de-Interviewserie spricht Berlins neuer Geschäftsführer Michael Preetz über Transfers, Aussichten und seinen neuen Job.

Von Martin van de Flierdt

München - Michael Preetz tritt aus dem Schatten.

Nach drei Jahren als Leiter der Lizenzspielerabteilung ist der Bundesliga-Torschützenkönig von 1999 bei Hertha BSC zum Geschäftsführer für Sport, Medien und Kommunikation aufgestiegen und hat die meisten Aufgaben des nach zwölf Jahren ausgeschiedenen Dieter Hoeneß übernommen.

"Die letzten Wochen hatten schon eine relativ hohe Schlagzahl", sagt der 41-Jährige über seinen Start in neuer Verantwortung.

Im 15. Teil der Sport1.de-Interview-Vorschauserie auf die Bundesliga-Saison 2009/10 spricht Preetz über das Hierarchie-Vakuum bei der Hertha nach den Abgängen von Andrey Voronin, Marko Pantelic und Josip Simunic, getätigte und mögliche weitere Neuverpflichtungen und den DFB-Pokal-Auftakt bei Preußen Münster (Sa., ab 19.15 Uhr LIVE).

Sport1.de: Herr Preetz, Sie haben Dieter Hoeneß als Geschäftsführer bei der Hertha beerbt. Wie würden Sie Ihre neue Rolle im Klub beschreiben?

Michael Preetz: Die definiert sich durch das, was ich mache. Ich bin verantwortlich für den sportlichen Bereich. Ich habe auch vorher in Sachen Transfers und Kaderplanung immer ein Wort mitgesprochen. Jetzt hat sich meine Rolle insofern geändert, dass ich nun immer die letzten Entscheidungen fälle.

Sport1.de: Inwiefern hat sich Ihr Arbeitspensum durch den neuen Posten verändert?

Preetz: Gerade die erste Zeit nach meinem Amtsantritt war bislang schon sehr intensiv, weil wir in der Transferperiode sind und uns für diese Saison aufstellen wollen. Die letzten Wochen hatten daher schon eine relativ hohe Schlagzahl.

Sport1.de: Lucien Favre gilt nach dem Abschied von Hoeneß als Sieger des internen Machtkampfs. Inwiefern hat der Einfluss des Trainers seither zugenommen?

Preetz: Daran hat sich gar nichts verändert. Er arbeitet seit zwei Jahren sehr gut und erfolgreich. Er hat in seinem ersten Jahr die Mannschaft stabilisiert und sie im zweiten in die Europa League geführt. Er ist ein exzellenter Fachmann, der seine Arbeit akribisch und hundertprozentig macht und der Mannschaft seinen Stempel aufdrückt. Es gibt da keine Veränderung in der Rolle, die er bei uns spielt.

Sport1.de: Die Vorbereitung geht zuende. Wie fällt Ihr Fazit aus?

Preetz: Wir hatten gute Bedingungen im Trainingslager und unter dem Strich gute Testspielgegner. In den Spielen gab es zwar eher durchwachsene Ergebnisse. Aber das beunruhigt uns nicht sonderlich, denn es gehört zu einer harten Vorbereitung dazu. Die Mannschaft ist gut vorbereitet für den Pflichtspielauftakt.

Sport1.de: Mit Marko Pantelic, Andrey Voronin und Josip Simunic haben drei Führungsspieler die Mannschaft verlassen. Wie weit ist die Bildung einer neuen Hierarchie fortgeschritten?

Preetz: So etwas braucht immer ein bisschen Zeit. Andere Spieler müssen in die entstandenen Lücken hineinstoßen. Wir verfügen über eine funktionierende Achse mit erfahrenen Spielern: Jaroslav Drobny im Tor, unser Kapitän Arne Friedrich in der Abwehr, Pal Dardai im Mittelfeld und Artur Wichniarek im Sturm sind allesamt gestandene Bundesligaspieler. Drumherum haben wir sehr viel Potenzial. Junge Spieler, die schon in der Vorsaison gezeigt haben, dass sie in der Liga sehr gut zurechtkommen, und die sich aber auch noch steigern können.

Sport1.de: An wen denken Sie dabei konkret?

Preetz: In erster Linie an Raffael, Gojko Kacar und Cicero. Unter dem Strich ist für jeden Spieler die Möglichkeit da, in die Führungsrollen hineinzudrängen. Aber das geht in erster Linie über die Leistung auf dem Platz.

Sport1.de: Sie haben gesagt, dass Sie auf jeden Fall noch auf dem Transfermarkt aktiv werden wollen. Wie ist der aktuelle Stand?

Preetz: Wir haben noch einen Monat Zeit und tun uns weiter um. Der Spieler, den wir mit den uns zur Verfügung stehenden Mitteln verpflichten, soll uns wirklich verstärken. Einen wahnsinnig großen finanziellen Spielraum haben wir nicht, deshalb werden wir auch keine riesigen Transfersummen bewegen.

Sport1.de: Es wurde zuletzt mit Rasmus Bengtsson ein Abwehrspieler gehandelt, die Mittelfeld-Testspieler Ivan Perisic und Andre Ayew wurden nicht verpflichtet. Dazu stehen die Angreifer Manuel da Costa und Ilan Araujo im Raum. In welchem Mannschafsteil ist denn der Bedarf am größten?

Preetz: Ich lasse das komplett offen und schließe auch nichts aus. In Berlin werden sehr viele Namen gehandelt. Es macht von meiner Seite aus wenig Sinn, jeden einzelnen davon zu kommentieren.

Sport1.de: Mit Christoph Janker, Artur Wichniarek und Nemanja Pejcinovic haben Sie bislang drei neue Profis unter Vertrag genommen. Wer ist denn schon so weit, dass er der Mannschaft auf Anhieb weiterhelfen kann?

Preetz: Das werden wir sehen, wenn die Saison losgeht. Artur Wichniarek hat eine gute Vorbereitung gespielt. Ich gehe davon aus, dass er in Münster in der Startelf stehen wird. Christoph Janker ist vielseitig einsetzbar auf den Außenpositionen, aber auch in der Innenverteidigung. Nemanja Pejcinovic ist ein junger, entwicklungsfähiger Innenverteidiger, der im Defensivbereich auch mehrere Positionen spielen kann, aber erst eine Woche bei der Mannschaft ist und ein bisschen Rückstand hat. Den gilt es jetzt aufzuholen. Wenn wir von den Spielern nicht überzeugt wären, hätten wir sie nicht verpflichtet.

Sport1.de: Wenn Sie Kaderplanung und Vorbereitung in einen Topf werfen und einmal umrühren würden, welches Saisonziel käme dann dabei heraus?

Preetz: Wir haben noch nicht gerührt, sprich die Kaderplanung abgeschlossen. Bis die Mannschaft fertig ist, halten wir uns deshalb auch noch mit der Formulierung eines Saisonziels zurück.

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