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Uli Hoeneß wird am Jahresende Franz Beckenbauer als Bayern-Präsident beerben © getty

Die Kokain-Affäre des "Fast-Bundestrainers" hat bei Bayern-Manager Uli Hoeneß Narben hinterlassen, die nicht verheilen.

Von Martin van de Flierdt

München - Uli Hoeneß hat bisweilen ein Gedächtnis wie ein Elefant.

Daher kann er auch äußerst nachtragend sein, wenn ihm etwas oder jemand unangenehm in Erinnerung geblieben ist.

Die Affäre Christoph Daum aus dem Jahr 2000 zählt zu diesen Dingen, die Hoeneß auch neun Jahre später nicht abhaken will.

"Daum ist wissentlich damals bereit gewesen, mich und meine Familie zu zerstören", zürnte Hoeneß im Audi Star Talk des DSF. "Das kann man für nichts in der Welt in Kauf nehmen. Deshalb wird es nie eine Chance geben, mit ihm ,business as usual' zu machen."

Daum hatte 2001 Bundestrainer werden sollen. Weil Hoeneß im Oktober 2000 öffentlich erwähnt hatte, es kursiere das Gerücht eines Kokainkonsums des Trainers, avancierte er vorübergehend zum Feindbild Nummer eins in deutschen Stadien.

Viele vermuteten einen persönlichen Hintergrund dieser Aktion, zumal spätestens seit dem heftigen Wortgefecht im "Aktuellen Sportstudio" im Frühjahr 1989 allgemein bekannt war, dass sich beide in inniger Abneigung verbunden sind.

Heftige persönliche Angriffe

"Ich habe damals zum ersten Mal erlebt, was es heißt, wenn du ein ganzes Volk gegen dich hast", erinnert sich Hoeneß. "Einer hat mir geschrieben: 'Dich haben sie auch in Dachau vergessen.' Ein anderer hat sogar 10.000 Euro geboten, wenn sie mich beim Spiel in Schalke von der Bank schießen."

Weil Daum sich letztlich fatalerweise einer freiwilligen Haarprobe unterzog, die ein positives Resultat hervorbrachte, wurde Hoeneß in seiner Ansicht bestätigt, dass der Coach nicht für den verantwortungsvollen Posten des Bundestrainers tauglich war.

Versöhnung ausgeschlossen

Fußball-Deutschland stellte seine Hetzjagd auf den Bayern-Manager ein. "Wenn Christoph Daum nicht so bescheuert gewesen wäre, eine Haarprobe zu machen, hätte ich dieses Spiel nie gewinnen können", meint Hoeneß heute.

"Stellen Sie sich vor, er hätte die Probe nicht gemacht. Ich weiß nicht, was mit mir passiert wäre."

Während er sich mit Lothar Matthäus inzwischen ausgesprochen hat (zum Artikel), will er von einer Versöhnung mit Daum nichts wissen: "In aller Ruhe mit ihm ein Bier trinken - das wird es nicht geben."

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