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Markus Babbel löste 2008 Armin Veh als Trainer des VfB Stuttgart ab © imago

In Teil 16 der Sport1.de-Interviewserie spricht Stuttgarts Markus Babbel über die beschwerliche Stürmersuche und die Saisonziele.

Von Christian Paschwitz

München - Mit Markus Babbel kam der Erfolg zum VfB Stuttgart zurück.

Nach seiner überraschenden Inthronisierung als Nachfolger von Meistercoach Armin Veh führte der gebürtige Münchener die Schwaben noch auf den dritten Tabellenplatz.

Auch in der neuen Saison hat der Trainer hohe Ziele und will trotz des Abgangs von Mario Gomez oben angreifen.

Im 16. Teil der Sport1.de-Vorschau-Serie auf die kommende Spielzeit spricht Babbel über das glückliche Ende der langen Stürmersuche, die bisherige Vorbereitung und seine künftige Doppelbelastung zwischen Tagesgeschäft und Trainer-Lehrgang.

Sport1.de: Die Suche nach einem neuen Stürmer lief über Wochen auf Hochtouren. Waren Sie irgendwann nervös?

Markus Babbel: Nein, denn ich hatte ja das Glück, schon über drei hervorragende Stürmer zu verfügen. Und darüber hinaus waren wir nicht bereit, unrealistische Summe auszugeben. Wir wollten Spieler holen, die im Gesamtpaket zu uns passen, die auch unbedingt zum VfB wollen. Das ist bei Alex Hleb und Pawel Pogrebnjak der Fall.

Sport1.de: Wie groß ist Ihre Zufriedenheit über die Verpflichtung?

Babbel: Ich bin sehr zufrieden. Pawel ist genau der Spielertyp, den wir haben wollten. Das gleiche gilt natürlich auch für Alex Hleb. Es hat mich auch nicht irritiert, dass sich die Verpflichtungen etwas in die Länge gezogen hat. Beide Spieler werden uns helfen, unsere Ziele zu erreichen. (Pogrebnjak-Wechsel nach Stuttgart perfekt)

Sport1.de: War der VfB zu knauserig oder warum hat es so lange gedauert?

Babbel: Es war ja weithin bekannt, dass wir durch den Verkauf von Mario Gomez eine gewisse Summe eingenommen haben. Wir waren aber nicht bereit, viel Geld in die Hand zu nehmen, wenn wir von dem Spieler nicht zu 100 Prozent überzeugt waren.

Sport1.de: Demba Ba hätten Sie aber schon gerne gehabt?

Babbel: Es war unglücklich, wie das Ganze abgelaufen ist. Es konnte anfangs keiner ahnen, dass er uns zu Saisonbeginn gefehlt hätte. Daher mussten wir leider von dem Wechsel Abstand nehmen.

Sport1.de: Auch bei Klaas-Jan Huntelaar waren die Gespräche weit fortgeschritten, mit einer Entscheidung zögerte der Niederländer aber lange. Zu lange für den VfB?

Babbel: Wir haben irgendwann gespürt, dass er nicht unbedingt zu uns will. Dann waren wir eben nicht mehr bereit, länger zu verhandeln. Wir wollen für den Spieler die A-Lösung, nicht die B-Lösung sein.

Sport1.de: Der Saisonbeginn steht unmittelbar bevor. Sind Sie zufrieden mit der Vorbereitung?

Babbel: Die Jungs haben sehr gut trainiert, haben die harten Einheiten hochprofessionell durchgezogen. Die körperliche Verfassung stimmt. Jetzt gilt es, dies auf dem Platz umzusetzen. Wir können zuversichtlich sein, weil die Basis stimmt.

Sport1.de: Bei der Partie im Pokal bei der SG Sonnenhof Großaspach war davon allerdings nicht so viel zu sehen.

Babbel: Es war das Spiel, das wir nicht sehen wollten und vor dem wir gewarnt hatten. Wir haben in der ersten Halbzeit zu träge gespielt, waren zu langsam, und dann bekommt man auch gegen unterklassige Mannschaften Probleme.

Sport1.de: Haben Sie schon eine Stammelf im Kopf?

Babbel: Ich bin nicht der Trainertyp, der mit elf Spielern plant. Ich habe das Glück, über 20 hervorragende Spieler zu verfügen. Wir haben eine sehr lange Saison mit vielen Spielen. Jeder wird seine Einsatzzeiten bekommen, jeder kann sich präsentieren. Ich muss Wechsel vornehmen und rotieren, da wir nicht nur Anfang gut Fußball spielen wollen, sondern auch noch im April und Mai.

Sport1.de: Wer zählt denn zu den Gewinnern?

Babbel: Jeder Einzelne hat sehr gut trainiert. Für mich wird es unheimlich schwierig sein, elf Spieler aufzustellen, da jeder es verdient hätte, in der Startelf zu stehen. Die einzigen beiden Verlierer in der Vorbereitung sind Khalid Boulahrouz und Roberto Hilbert, weil sich beide leider verletzt haben.

Sport1.de: Mit Mario Gomez ist Ihnen ein absoluter Leader abhanden gekommen. Kann auch jemand von den jüngeren Spielern in diese Rolle hineinwachsen?

Babbel: Natürlich. Wir haben ja nicht nur die Galionsfigur Jens Lehmann, sondern auch darüber hinaus viele Spieler, die in die Bresche springen können. Ich denke da zum Beispiel an Serdar Tasci, der sich in der Vorbereitung sehr gut präsentiert hat. Die neue Saison ist für jeden Einzelnen eine Riesenchance, sich hervorzutun.

Sport1.de: Die Spielzeit hat zwar noch nicht begonnen, dennoch die Frage: Wo sehen Sie den VfB am Saisonende, welche Ziele wollen Sie dann erreicht haben?

Babbel: Wir wollen den Fußball sehen, den wir in den vergangenen sechs Monaten gespielt haben und der uns noch auf Platz drei geführt hat. Unser Ziel ist es natürlich, oben mitzumischen. Ein Klub wie der VfB hat immer den Anspruch, international dabei zu sein.

Sport1.de: Wie vertragen Sie dabei die Doppelbelastung aus Ihrem Tagesjob und Trainer-Lehrgang?

Babbel: Bis jetzt funktioniert das ganz gut, aber so wirklich stressig war es bislang auch noch nicht. Ich hatte das Glück, dass zuletzt drei Wochen Praktikum auf dem Programm standen und ich deshalb in der entscheidenden Phase der Vorbereitung komplett bei der Mannschaft sein konnte. Wie sich das weiter entwickeln wird, wird sich zeigen. Aber ich bin zuversichtlich und mache mir darüber wenig Sorgen, denn wir arbeiten beim VfB in einem sehr gut funktionierenden Trainer-Team.

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