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Der VfL Wolfsburg ist Armin Vehs sechste Station als Trainer © imago

Im letzten Teil der Sport1.de-Interviewserie spricht Armin Veh von Meister VfL Wolfsburg über Arroganz, Ansprüche und Kompetenzen.

Von Daniel Rathjen

München - Der VfL Wolfsburg steht vor einer hoch spannenden Saison.

Die Ansprüche sind nach dem überraschenden Titelgewinn in der vergangenen Saison gewachsen.

Gleichzeitig steigt der Erwartungsdruck und die physische Belastung durch die Champions League.

Armin Veh tritt zudem in die großen Fußstapfen von Felix Magath.

Wie Magath mit drei Posten

Wie sein Vorgänger arbeitet er als Trainer, Manager und Geschäftsführer in Personalunion.

Erste Erfolgsmeldungen hat der 48-Jährige bereits verbucht.

Er hielt den Kader weitgehend zusammen, verlängerte die Verträge mit den Leistungsträgern Grafite, Edin Dzeko sowie Zvjezdan Misimovic und verstärkte den Kader zuletzt mit Stürmer Obafemi Martins.

Das 4:1 im DFB-Pokal gegen Wehen Wiesbaden gab bereits einen Vorgeschmack darauf, dass mit dem VfL auch in der kommenden Saison zu rechnen ist.

Doch große Töne spucken die Wolfsburger deshalb nicht. Im letzten Teil der Sport1.de-Vorschau-Serie auf die neue Saison spricht Veh über Arroganz, Ansprüche und Kompetenzen.

Sport1.de: Herr Veh, die Bilder von der feucht-fröhlichen Meisterfeier in Wolfsburg hat noch jeder vor Augen. Mussten Sie sich auch kneifen, als Sie das gesehen haben?

Armin Veh: Es war eine große Überraschung, das hat niemand erwartet. Ich habe jedenfalls keinen getroffen, der danach gesagt hat: Das habe ich schon immer gewusst.

Sport1.de: Kritiker sprechen in Bezug auf den Titelgewinn von einer Eintagsfliege. Inwiefern können Sie aber auch von der Euphorie profitieren?

Veh: Die "Eintagsfliege" war nach 34 Spieltagen verdient Tabellenführer, der Tatsache gebührt großer Respekt. Der VfL hat nun eine Euphorie geschaffen, wir mussten den Dauerkartenverkauf bei 21.000 Zuschauern stoppen. Das zeigt, dass das Interesse am Verein gewachsen ist. Und das kann nur von Vorteil sein.

Sport1.de: Gleichzeitig steigt der Erwartungsdruck. Wie gehen Sie damit um?

Veh: Wir haben uns das Ziel gesetzt, unter die ersten Fünf zu kommen, alles andere wäre vermessen. Denn wie eng die Leistungsdichte an der Spitze ist, hat die vergangene Saison gezeigt. Der Titelfavorit ist Bayern München. Dahinter gibt es viele Teams, die um die internationalen Plätze kämpfen - und dazu zähle ich uns.

Sport1.de: Halten Sie Ihren Kader für ausgeglichen genug, um die Doppelbelastung in Liga und Champions League zu verkraften?

Veh: Es war wichtig, den Kader zusammenzuhalten. Zudem haben wir ihn qualitativ mit Karim Ziani und Thomas Kahlenberg verstärkt. Darüber hinaus haben wir mit Fabian Johnson einen jungen Spieler mit Perspektive geholt. Und einen Top-Stürmer haben wir noch mit Obafemi Martins verpflichtet. Wir sind jetzt auf jeder Position doppelt besetzt. Das passt.

Sport1.de: Wie haben sich die Neuen integrierti?

Veh: Es ist ein guter Geist in der Truppe, die Integration war überhaupt kein Problem. Die Neuzugänge bekommen hier schnell das Gefühl, zu Hause zu sein.

Sport1.de: Zugleich gelang es Ihnen, den Vertrag mit Zvjezdan Misimovic um ein weiteres Jahr zu verlängern...

Veh: "Zwetschge" ist nicht zuletzt aufgrund seines Spielwitzes ein Eckpfeiler unserer Mannschaft. Wir sind sehr froh darüber, dass wir ihn noch längerfristig an Wolfsburg gebunden haben.

Sport1.de: Ist das große Plus des VfL also immer noch der Zusammenhalt?

Veh: Ja, das war es und es ist es immer noch, denke ich.

Sport1.de: Wie empfinden Sie es, gerade in Zeiten der Krise einen starken Geldgeber im Rücken zu haben?

Veh: Das ist eine neue Situation für mich und insgesamt natürlich gut. Es ist auch notwendig, mit Volkswagen einen starken Partner zu haben, wenn wir in der Spitze dabei sein wollen. Aber deswegen machen wir noch lange keine unvernünftigen Dinge. Das kann ich Ihnen versprechen.

Sport1.de: Wo liegt für Sie der Reiz, Trainer, Manager und Geschäftsführer in Personalunion zu sein?

Veh: Der sportlich Verantwortliche sollte derjenige sein, der in allen Bereichen das Sagen hat, um Dinge richtig umsetzen zu können. Vernünftig ausüben kann ich diesen Job jedoch auch nur, weil ich schon 20 Jahre im Profifußball tätig bin. Langjährige Erfahrungen als Trainer sind zwingend notwendig.

Sport1.de: Mit dem VfB Stuttgart waren Sie bereits in der Champions League. Wie bereiten Sie Ihre Spieler jetzt auf die große Herausforderung vor?

Veh: Die Champions League ist im Fußball das Beste, was es gibt. Sie hat auch einen deutlichen höheren Wert als jede Europa- oder Weltmeisterschaft. Denn dort gibt es einfach die besseren Spiele. Auch wenn es nicht leicht wird, wollen wir dort natürlich bestehen. Wir freuen uns sehr auf diese Aufgabe.

Sport1.de: Spaß haben, aber trotzdem sang- und klanglos ausscheiden wäre allerdings nicht von Vorteil...

Veh: Es ist auch nicht so, dass das eine Spaß-Veranstaltung sein soll, sondern: Wir wollen weiterkommen! Und meine Aufgabe besteht darin, den Spielern zu vermitteln, dass und wie das möglich ist.

Sport1.de: Beim VfB Stuttgart haben Sie das aber nicht geschafft.

Veh: Das lag aber daran, dass wir da permanent auf acht verletzte Stammspieler verzichten mussten.

Sport1.de: Glauben Sie, dass die jungen Wolfsburger im Meister- und Königsklassenrausch schlau genug sind, um auf dem Teppich zu bleiben?

Veh: Die Gefahr, dass jemand abhebt, sehe ich hier in Wolfsburg nicht.

Sport1.de: Welche Rolle soll der VfL Wolfsburg in Europa mittelfristig einnehmen?

Veh: Wir müssen uns zunächst in der Spitze der Liga, das heißt unter den ersten Fünf, etablieren. Alles andere kommt automatisch, denn die Bundesliga hat im Vergleich mit den anderen europäischen Top-Ligen ein großes Stück aufgeholt.

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