Podolski hätte die nötigen Talente für die Politik. Was sein Emdener Gegner soeben über ihn zu sagen hatte, bestätigt das nur.

In dieser Woche haben wir es wieder: Deutschlands liebstes Freizeitvergnügen, den Fußball.

Wobei: Er ist ja längst mehr als das. Der Fußball spielt auch schon eine gewichtige Rolle bei formell bedeutenderen Dingen des Lebens.

Der Politik zum Beispiel: Keiner, der hier ein hohes Amt will, kann es sich leisten, öffentlich zu gestehen, dass er mit dem Sport nichts anfangen kann.

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Ist man hierzulande in anderen privaten Fragen aufgeschlossener geworden, ist unvorstellbar, dass ein Politiker vor die Mikros tritt und sagt: "Ich hasse Fußball - und das ist auch gut so!"

Und wer Fußball aktiv betrieben hat, der muss auch damit leben, dass seine Qualitäten auf dem Rasen medial ausgeleuchtet werden.

In einer Fernsehdoku in dieser Woche haben wir gelernt, dass Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier einst für den TuS Brakelsiek im defensiven Mittelfeld am Ball war und dass seine Mitspieler ihn "Prickel" gerufen haben.

Sein alter Trainer plauderte vor den Kameras fröhlich über den damaligen Schützling - und ahnte nicht, dass er ihn mit einem unscheinbaren Satz vielleicht die letzten Wahlchancen gekostet hat.

"Spielmacher? Nein, nein. Spiel aufbauen oder lenken, das konnte er nicht. Da war Frank nicht für geboren."

Das ist die Botschaft, die dann im Raum war: Steinmeier konnte kein Fußballspiel lenken - wie soll er das also jetzt mit dem Staat hinkriegen?

Genüsslich wurde dann der Kontrast zu Ex-Kanzler Gerhard Schröder rausgekehrt: Hier "Prickel", der unscheinbare Defensivmann, dort "Acker", der Stürmer, der die Spiele entschieden hat.

Und Schröder dürfte seinem Parteifreund dann auch nicht geholfen haben, als er dann noch Wert auf den Hinweis legte, dass Steinmeier zwei Klassen unter ihm gespielt hatte.

Was lernen wir daraus? Defensive Mittelfeldspieler kommen also eher nicht ins wichtigste Staatsamt - was im Fall von Torsten Frings ja durchaus etwas Beruhigendes hat.

Stürmer dagegen können Kanzler - vielleicht also mal eine Karriere-Option für Lukas Podolski?

Warum nicht? Die Popularitätswerte stimmen offensichtlich. Und wer Poldis Art sich auszudrücken als ungeeignet für die Politik empfindet, der möge Franz Müntefering ein wenig studieren.

Und das, was wir kürzlich über Podolski gelernt haben, dürfte ihn bei einer Polit-Karriere auch nicht direkt im Weg stehen.

"Auf dem Platz war er ein - ja - ein Arschloch", hielt nach Kölns Pokalpartie in Emden Gegenspieler Paolo Rizzo fest - der vielleicht denkwürdigste "A-Wort-Satz", seit Joschka Fischer dem Ausdruck das förmliche "mit Verlaub" vorangestellt hat.

Besser noch: Rizzo hat im Nachhinein noch festgehalten, dass die Bezeichnung "positiv gemeint" war.

Eine Behauptung, die - mit Verlaub - erstmal etwas unglaubwürdig klingt. Aber Rizzo führte das noch sinnvoll aus: "Führungsspieler müssen Arschlöcher sein."

Die künftigen Kanzlerkandidaten können es sich zu Herzen nehmen.

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