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Mark van Bommel kam 2006 vom FC Barcelona nach München © imago

Er war eigentlich schon ausgemustert. Der Stachel von damals sitzt noch immer tief bei van Bommel. Doch jetzt blüht er wieder auf.

Vom FC Bayern berichtet Daniel Rathjen

München - "Ja, ich habe ernsthaft darüber nachgedacht", seufzt Mark van Bommel.

Es war seine Antwort auf die Frage, ob er sich in der vergangenen Saison Gedanken über einen Abschied vom FC Bayern gemacht habe.

Der PSV Eindhoven wollte ihn gerne zurückholen, auch der Hamburger SV war interessiert.

Doch der Niederländer überraschte mit seiner Entscheidung für München genau so wie jetzt in der Vorbereitung.

Als Kapitän bestätigt

Die nutzte er, um sich nochmals in den Vordergrund zu spielen. Er wurde als Kapitän bestätigt und verdrängte Elf-Millionen-Neuzugang Anatolij Timoschtschuk auf die Bank.

"Im Nachhinein bin ich sehr froh, dass ich mich für Bayern entschieden habe", sagt der 32-Jährige.

Im Pressegespräch an der Säbener Straße nimmt er sogar indirekt Bezug auf eine Sport1.de-Diashow (136663Bärenstark oder bodenlos). "Es gibt keine Gewinner und Verlierer. Nur die Mannschaft", betont er.

Der uneingeschränkte Boss

Trotzdem gehört van Bommel definitiv zu den Profiteuren des Trainerwechsels. Unter Landsmann Louis van Gaal wurde er wieder zum uneingeschränkten Boss auf dem Feld.

Van Bommel treibt seine Mitspieler an, appelliert an den Teamgeist und agiert solide. Der Respekt, den er sich durch sein Auftreten in der Mannschaft verdient hat, könnte momentan nicht größer sein.

"Ich war fünf Jahre Kapitän in Eindhoven und bin es jetzt das zweite Jahr bei Bayern. Ich kann das. Ich versuche den Spielern zu helfen und rede viel mit ihnen. Das liegt in meiner Natur."

Van Gaal hat das erkannt und sieht es mit Wohlwollen, dass sein verlängerter Arm auf dem Spielfeld auch oft das Gespräch mit den Spielern sucht, die in der Hierarchie weiter unten angesiedelt sind.

Egal, wen man fragt: Die Jungspunde wie Thomas Müller und Holger Badstuber oder die Neuzugänge wie Edson Braafheid, Andreas Görlitz, Alexander Baumjohann - alle schwärmen von van Bommel.

Selbst der zweite Kapitän, Philipp Lahm, und der potenzielle dritte Kandidat für die Binde, Miroslav Klose, erkennen das Amt von van Bommel neidlos an. "Sein Wort zählt im Team", weiß Klose.

Kein Nachkarten

Van Bommel selbst ist clever genug, jetzt nicht nachzukarten gegen den ehemaligen Bayern-Coach Jürgen Klinsmann, der nicht mehr mit ihm plante und ihn zu Beginn der Saison auf der Bank schmoren ließ.

"Wir spielen besser Fußball", sagt er lediglich, wenn er das Team heute mit der Mannschaft des letzten Jahres vergleicht.

Doch die Konsequenz von Klinsmanns Vorgehen war, dass der FC Bayern dem "Aggressiv-Leader", wie ihn einst Ottmar Hitzfeld taufte, nur eine Verlängerung um ein Jahr anbot, obwohl dieser auf zwei Jahre bestand.

"Das Schöne am Fußball ist doch, dass es immer wieder bei null losgeht. Man muss sich immer wieder beweisen", so van Bommel.

Seiner Meinung nach habe er aber auch in dieser Phase nichts anderes gemacht, als einfach hart trainiert.

Trotzdem freut sich der Routinier offenkundig über die Verpflichtung van Gaals, der in den ersten Wochen schon einiges bewegt habe: "Man kann schon sehen, dass jeder weiß, was er tun muss. Es ist gut, dass die Aufgaben erfüllt werden."

Gutes Verhältnis zu "Timo"

Zurückhaltend gibt er sich bei Fragen nach seinem unmittelbaren Konkurrenten Anatolij Timoschtschuk, dem wie van Bommel im Vorjahr nun die Ersatzbank droht.

"Ich verstehe mich gut mit ihm", stellt er klar. Er gibt aber auch zu: "Er hat sich das sicherlich anders vorgestellt. Aber er ist nicht der einzige, der enttäuscht ist, dass er keinen Stammplatz hat."

Den Satz, den er im Winter hat verlauten lassen, als der Timoschtschuk-Transfer für rund elf Millionen Euro Ablöse bekannt wurde, will er nicht überbewerten.

"Der soll ruhig kommen, wenn er sich auf die Bank setzen will", hatte van Bommel damals kämpferisch geäußert. Heute lächelt er darüber. "Was blieb mir anderes übrig, als das zu sagen?", fragt er.

Dass van Bommel auch am Samstag beim Ligaauftakt bei 1899 Hoffenheim in der Startformation steht, ist klar. Van Gaal kündigte bereits an, wieder die Siegerelf vom Pokalspiel gegen Neckarelz aufbieten zu wollen.

Und van Bommel muss am allerwenigsten befürchten, denn van Gaals Credo lautet: "Mein Kapitän spielt immer."

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