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Sport1.de trifft den neuen Kolumnisten: Huub Stevens (r.) mit Redakteur Daniel Rathjen © SPORT1

Er ist ein echter Experte: Als Kolumnist wird Huub Stevens für Sport1.de die Lage der Liga analysieren. Das Auftakt-Interview.

Von Daniel Rathjen

Salzburg/München - Er ist dafür bekannt, in jeder Situation das Optimum herauszuholen.

Mit dem FC Schalke gewann er 1997 den UEFA-Cup, als Retter küsste er den Hamburger SV wieder wach.

Zudem war er noch bei Hertha BSC und dem 1. FC Köln tätig.

Huub Stevens ist einer der Bundesliga-Experten schlechthin - und künftig Kolumnist bei Sport1.de.

Aktuell ist er auf dem besten Weg, Red Bull Salzburg in die Champions League zu führen.

In der neuen Saison wird der 55-Jährige wöchentlich die Geschehnisse rund um den deutschen Spitzenfußball analysieren.

Zum Auftakt blickt er auf die neue Saison und spricht mit Sport1.de über Landsmann Louis van Gaal, die Chancen des VfL Wolfsburg und Felix Magaths Allmacht in Gelsenkirchen.

Sport1.de: Herr Stevens, Sie suchen bei Red Bull Salzburg die Herausforderung. Wie gefällt es Ihnen in Österreich?

Huub Stevens: Was ich hier vorgefunden habe, ist ein super organisierter Verein und ein tolles Trainingsgelände. Das ist sicherlich top in Österreich, aber es kann definitiv auch mit der Bundesliga mithalten.

Sport1.de: Sie verfolgen das Geschehen in Deutschland immer noch intensiv. Das Interesse an der Liga ist ungebrochen, die Stadien sind voll. Dennoch scheint nur der FC Bayern international konkurrenzfähig. Warum ist das so?

Stevens: Ich glaube nicht, dass nur der FC Bayern international konkurrenzfähig ist. Es gibt auch andere Vereine, die international mithalten können. Ich bin sehr gespannt, wie Wolfsburg sich in der Champions League verkaufen wird.

Sport1.de: Mit Louis van Gaal führt ein Landsmann von Ihnen beim FC Bayern Regie. Ist er der Richtige?

Stevens: Ich denke schon. Van Gaal hat in der Vergangenheit bewiesen, welche Qualitäten er hat. Ich bin sicher, dass er das beim FC Bayern München umsetzen kann.

Sport1.de: Der "Oranje-Trend" in Deutschland ist ungebrochen. Was kann die Bundesliga von den Niederländern lernen?

Stevens: Es sind bestimmte Elemente, Details, die möglicherweise in den Niederlanden anders gemacht werden als in Deutschland. Aber auch die Niederländer können unheimlich viel von den Deutschen lernen. Ich denke, dass es immer so sein muss, dass jedes Land seine eigenen Tugenden haben sollte. Wenn dann noch etwas von einem anderen Land hinzugewonnen wird, ist das positiv.

Sport1.de: Was haben Sie von den Deutschen gelernt?

Stevens: Wir spielen in den Niederlanden kreativen, offensiven Fußball. In Deutschland wird eine größere Laufbereitschaft gezeigt und mit größerer Disziplin im taktischen Verhalten gearbeitet. Davon können die Niederländer unheimlich viel lernen.

Sport1.de: Sie waren unter anderem auch beim HSV tätig, der sich von Sportdirektor Dietmar Beiersdorfer getrennt hat. Inwiefern belastet das die Mannschaft?

Stevens: Wenn man einen Mann mit diesen Kompetenzen verliert, dann ist das nie gut für einen Verein. Das ist doch klar. Aber der Verein geht weiter seinen Weg und Didi Beiersdorfer wird in der Zukunft auch wieder in einem Verein tätig sein. Für den HSV ist es schade, dass es auf diese Art und Weise gelaufen ist.

Sport1.de: Haben Sie während Ihrer Amtszeit schon Spannungen zwischen Bernd Hoffmann und Beiersdorfer bemerkt?

Stevens: Wir hatten damals die klare Absprache, dass die fußballerischen Kompetenzen bei Didi Beiersdorfer und mir liegen. Die Organisation oblag Bernd Hoffmann. Wir haben eigentlich nie darüber diskutiert, denn jeder wusste, wie die Lage war. Ich weiß natürlich nicht, was danach besprochen wurde.

Sport1.de: Ein anderer Ihrer Ex-Klubs, der FC Schalke 04, ist seit jeher ambitioniert und Felix Magath hat die Alleinherrschaft übernommen. Kann das funktionieren?

Stevens: Ich kann mir vorstellen, dass die Art und Weise, wie Felix Magath arbeitet, beim Publikum anschlägt. Aber man muss trotzdem erst einmal abwarten, wie es dort weiterläuft. Die Spieler stehen enorm in der Pflicht, weil sich Felix nicht auf der Nase herumtanzen lässt. Er wird deutlich seine Meinung sagen und die Spieler fordern.

Sport1.de: Er kam vom VfL Wolfsburg, mit dem er spektakulär Meister wurde. Wo landen die "Wölfe" jetzt?

Stevens: Ich habe immer gedacht, dass sich der FC Bayern am Ende doch noch durchsetzen wird. Aber ich muss Wolfsburg ein großes Lob aussprechen dafür, dass sie die Ruhe bewahren konnten. Mit ihnen wird wieder zu rechnen sein.

Sport1.de: Kann der VfL den Titel verteidigen?

Stevens: Dass sie Titel gewinnen können, hat man letzte Saison gesehen. Trotzdem: Titelkandidat Nummer eins ist der FC Bayern. Die Münchner sind den anderen Vereinen in ihrer Entwicklung um Jahre voraus. Aber diese Position haben sie sich auch hart erarbeitet.

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