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Felix Magath war mit der Vorstellung seiner Schalker mehr als unzufrieden © getty

Schalkes Neucoach spricht einem seiner Spieler gar die Ersligatauglichkeit ab. Kuranyi weiß, warum Magath "durchgedreht" ist.

Von Christian Stüwe und Tobias Schneider

München/Nürnberg - Verkehrte Welt in Nürnberg:

Während man beim Aufsteiger nach der 1:2 (0:2)-Niederlage gegen effektive aber glanzlose Schalker durchaus positiv gestimmt war, hing bei den "Königsblauen" der Haussegen schief.

Als ein Reporter des Senders "Sky" nach der Partie wagte, den neuen 04-Trainer zu fragen, warum er denn so erbost sei, wurde er vom Meistermacher prompt abgestraft.

"Ich weiß ja nicht, ob Sie das Spiel schauen oder währenddessen Karten spielen", bemerkte Felix Magath spitz - und konnte sich offenbar überhaupt nicht erklären, wie man die offensichtlichen Unzulänglichkeiten in seinem Team nicht sehen konnte.

Komplette Auswechselbank zum Aufwärmen

Über 90 Minuten hatte Magath an der Außenlinie getobt und bereits nach 30 Minuten die komplette Auswechselbank zum Aufwärmen geschickt.

In der Halbzeit erwischte es dann Levan Kobiashvili und Ivan Rakitic, die den jungen Levan Kenia und Lewis Holtby weichen mussten.

Besonders Rakitic hatte sich den Zorn des Trainers zugezogen, als er fahrlässig die Chance auf das 2:0 vergab.

Kuranyi trotz Doppelpack kritisch

Besser machte es Kevin Kuranyi, der zweimal (36., 50.) eiskalt abschloss. Der Stürmer wurde von Magath offenbar auch schon gleich auf die neue kritische Rhetorik getrimmt.

Denn auch er zeigte sich unzufrieden.

"Am Ende haben wir ein bisschen geschlafen, und die Nürnberger haben besser gespielt", bemerkte Kuranyi. "Nürnberg hat noch ein Tor geschossen, aber dann war das Spiel glücklicherweise vorbei."

Nachdem Anschlusstreffer durch Marek Mintal mussten die Schalker sogar noch zwei brenzlige Situationen überstehen, was Magath endgültig auf die Palme brachte.

Holtbys große Selbstkritik

"Wenn ein Spieler bei 2:1 allein auf das Tor zu läuft, dann kann ich darüber nur sehr erbost sein", schimpfte Magath und meinte Holtby.

Der hatte einen Konter von der Mittellinie abgeschlossen, anstatt abzuspielen - und so den Nürnbergern einen weiteren gefährlichen Angriff ermöglicht.

"Dann muss man den Konter ausspielen, um die Zeit rumzubringen", regte sich Magath auf. "Wenn man dann den Ball mit Risiko zum Gegner spielt, hat das mit Bundesliga nichts zu tun."

Holtby gab auch sofort den reuigen Sünder: "Auch wenn ich erst 18 bin, ich habe einen gesunden Menschenverstand und muss abspielen."

"Deshalb ist der Trainer durchgedreht"

Man habe stellenweise nicht gut gestanden, deshalb sei der Trainer "durchgedreht" vermutete Kuranyi.

Den Spielern aus Gelsenkirchen scheinen demnach einige unangenehme Trainingseinheiten zu blühen.

Doch zeigten sich die Schalker geschlossen einsichtig. "Wir haben eigentlich über 90 Minuten kein gutes Spiel gemacht", erkannte auch Heiko Westermann.

Neue Einstellung für neue Ziele

Vielleicht zeigen sich gerade hier die ersten Einflüsse des neuen Trainers.

Wäre man bei den Schalker in den letzten beiden Spielzeiten mit einem knappen Auftaktsieg, auch noch auswärts errungen, durchaus zufrieden gewesen, liegt die Messlatte nun höher.

"Wir haben ein klares Ziel, und dafür arbeiten wir", brachte es Doppeltorschütze Kuranyi auf den Punkt.

Oenning: "Vieles richtig gemacht"

Ganz anders der Aufsteiger aus Nürnberg: Über 90 Minuten kämpfte die Club-Elf, zeigte sich in der Offensive indes noch nicht bundesligatauglich.

Erst gegen Ende der Partie gelang der Anschluss. Und die Nürnberger schafften es, die Schalker zu gefährden.

Dennoch viel das Resümee positiv aus. "Ich denke, wir haben Vieles richtig gemacht. Wir haben nachgewiesen, dass wir in der Bundesliga mithalten können. Wir haben nur zu wenig Tore geschossen", analysierte Trainer Michael Oenning.

"Wir hatten mehr vom Spiel, Schalke hat unsere Fehler gnadenlos ausgenutzt", sagte Verteidiger Andreas Wolf zu Sport1.de.

Lehrgeld auf beiden Seiten

Im nächsten Spiel bei Eintracht Frankfurt wollen die Nürnberger auf die Leistung gegen Schalke aufbauen und mit den neuen Erkenntnissen etwas Zählbares erringen.

"Wir haben etwas Lehrgeld bezahlt", erkannte Oenning nicht überraschend.

Überraschend dürfte eher sein, dass diese Aussage auch auf einige der siegreichen Schalker zutrifft. Im Revier scheint das neue Anspruchsdenken angekommen zu sein.

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