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Thomas Tuchel trainierte vor dem Bundesliga-Team die U-19-Junioren vom FSV Mainz © getty

Bayer-Sportchef Völler schimpft über den Referee. In Mainz überschlagen sie sich mit lobenden Worten für den neuen Trainer.

Mainz - Bundesliga-Trainer-Novize Thomas Tuchel wollte den krönenden Abschluss einer turbulenten Woche auf seiner Terrasse ruhig ausklingen lassen.

Die Profis des FSV Mainz 05 feierten ihren "Sieg der Leidenschaft" indes ganz ausgelassen mit den begeisterten Fans.

"Es ist ein Unentschieden, aber es fühlt sich an wie ein großer Erfolg. Ich habe in der Nacht vor dem Spiel geträumt, dass ich das Tor genau so erziele", sagte Joker Daniel Gunkel nach seinem umjubelten Freistoßtreffer zum 2:2 (1:2)-Endstand gegen Bayer Leverkusen (81.).

Während Gunkel die Freude über den geglückten Start des ersatzgeschwächten Aufsteigers anzusehen war, wirkte Erstliga-Debütant Tuchel fünf Tage nach der Entlassung von Jörn Andersen und seiner eigenen Inthronisierung äußerst gefasst.

Völler fühlt um zwei Punkte betrogen

"Das Ergebnis gibt uns Selbstvertrauen und Stärke für die kommenden Tage. Wichtig war für uns, dass wir den Rückstand noch drehen konnten", äußerte der 35-jährige Tuchel.

Ein Extra-Lob hatte der ehemalige Trainer des deutschen A-Junioren-Meisters dann aber doch noch parat - für Gunkel: "Sein Tor war sensationell für die Stimmung, das tut uns gut."

Leverkusens Sportchef Rudi Völler brachte genau dieser Treffer aus rund 22 Metern beziehungsweise die vorangegangene Szene auf die Palme.

"Wir sind um zwei Punkte beschissen worden", schimpfte Völler, nachdem Schiedsrichter Deniz Aytekin (Oberaspach) ein vermeintliches Foul von Bayer-Neuzugang Sami Hyypiä an Aristide Bance mit dem folgenschweren Freistoß geahndet hatte.

Mainz hält sich raus

"Das war keiner. Der Schiedsrichter steht zwei Meter daneben. Außerdem ist Bance drei Meter groß, und Fußball ist kein Schach", haderte Völler und regte sich zudem über den nicht anerkannten "Siegtreffer" von Theofanis Gekas (88.) auf.

Aytekin hatte das Tor fälschlicherweise wegen einer angeblichen Abseitsstellung des Griechen nicht anerkannt.

Die Mainzer störte die Diskussion um den Referee wenig.

"Die Mannschaft wollte den Neuanfang mit ihrer Leistung untermauern. Das ist ihr gelungen. Die Handschrift des neuen Trainers war gleich sichtbar", sagte FSV-Präsident Harald Strutz und lobte die Vorstellung der Rheinhessen, die vor allen Dingen kämpferisch und läuferisch überzeugten.

Müller schwärmt von der Stimmung

Dank des leidenschaftlichen Auftretens war der Funke erstmals nach langer Zeit wieder auf die Tribünen übergesprungen.

"Das war Adrenalin über 90 Minuten", meinte der neue Mainzer Keeper Heinz Müller und schwärmte von der Stimmung.

Der vom FC Barnsley aus England gekommene Schlussmann spielte sich mit seiner Leistung gleich in die Herzen der Fans.

Nach der frühen Führung durch den von Tuchel bestimmten FSV-Kapitän Tim Hoogland (5.) parierte Müller einen Foulelfmeter von Tranquillo Barnetta (17.), den er gegen Stefan Kießling selbst verschuldet hatte.

Heynckes lobt Tuchel

Allerdings zeigte sich die Unerfahrenheit der Mainzer "B-Elf", die auf acht verletzte Spieler verzichten musste, kurz vor dem Wechsel.

Mit einem Doppelschlag durch Neuling Eren Derdiyok (42.) und Sturmpartner Kießling (43.) machte Leverkusen binnen 62 Sekunden aus einem Rückstand eine 2:1-Halbzeitführung.

"Danach haben wir es versäumt, unsere spielerische Überlegenheit in noch mehr Tore umzumünzen", sagte Bayer-Coach Jupp Heynckes, der als ältester Bundesliga-Trainer lobende Worte für den jüngsten Liga-Übungsleiter fand.

Und weiter: "Das Ergebnis war auch ein Verdienst von Thomas."

Tuchel fordert mehr Selbstvertrauen

Auch die Mainzer Spieler erkoren Tuchel zum "Vater des Erfolges" aus.

"Er hat in den paar Tagen schon großartige Arbeit geleistet. Der Trainer hat uns von der ersten Sekunde an gezeigt, dass er Leidenschaft hineinbringen möchte. Und dann hat jeder von uns gekämpft und gebissen bis zum Umfallen", äußerte FSV-Neuzugang Andreas Ivanschitz, der ein vielversprechendes Debüt gab.

Tuchel ("Ich lebe meinen Traum") spielte derweil seinen Anteil am Punktgewinn herunter.

"Ich habe versucht, der Mannschaft den Glauben an sich selbst zurückzugeben", berichtete der frühere Profi der Stuttgarter Kickers, der gleichzeitig die Euphorie bremste.

Tuchel: "So wie diesmal können wir nicht immer spielen. Wir müssen den Ballbesitz kultivieren und uns noch mehr zutrauen."

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