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Die Fans haben bald keine Geduld mehr mit 96-Coach Dieter Hecking © getty

Nach der Pleite auch beim Auftakt gegen Hertha fordern die 96-Fans den Trainer-Rauswurf immer lauter. Kind lässt das kalt.

Berlin - Als nach dem blamablen Pokal-Aus auch der Fehlstart in die neue Bundesliga-Saison feststand, blickte Dieter Hecking mit finsterer Miene durchs Berliner Olympiastadion. (zum Spielbericht)

Nach dem unglücklichen 0:1 (0:0) bei Hertha BSC Berlin forderten die Fans von Hannover 96 erneut den Rauswurf des Trainers.

Hecking bemühte sich, nach außen keine Angst vor einer Entlassung zu zeigen: "Wenn Präsident Martin Kind und Sportdirektor Jörg Schmadtke der Meinung sind, dass ich nicht mehr der Richtige bin, müssen wir uns unterhalten".

Und der Coach fügte selbstbewusst an: "Dafür sehe ich aber zurzeit keine Anzeichen."

"Keine Trainerdiskussion"

In der Tat erhielt der 44-Jährige Rückendeckung von beiden Entscheidungsträgern. "Es gibt keine Trainerdiskussion", sagte Kind, der gute Ansätze erkannte: "Die Partie hat deutlich gemacht, dass die Mannschaft sich wieder entwickelt."

Auch die Reaktion der Fans ließ den Klub-Boss kalt: "Es ist das Recht der Fans, dass sie hohe Ansprüche haben. Doch die Verantwortlichen bei uns haben eine klare Meinung."

Diese vertrat auch Schmadtke. "Wir haben den ersten Spieltag gespielt", meinte der neue Sportdirektor: "Und nach der Leistung, die wir gebracht haben, finde ich die eine oder andere Diskussion auch ungehörig."

Fans wütend auf Hecking

Dennoch droht Hecking nach dem peinlichen 1:3 im Pokal bei Regionalligist Eintracht Trier und der Niederlage von Berlin im ersten Heimspiel am kommenden Samstag gegen den FSV Mainz 05 ein Spießrutenlauf vor den Fans.

Bei 96 will man aber eher noch in die Mannschaft investieren. Nach wie vor ein Thema ist die Rückkehr von Jan Simak, der noch in Diensten des VfB Stuttgart steht.

"Das Thema beschäftigt uns", bestätigte Kind. Die 96-Spieler hielten sich in der Trainer-Frage bedeckt. "Ich sage dazu nichts. Da muss man die Verantwortlichen befragen", sagte Karim Haggui.

Balitsch diplomatisch

"Der Trainer hat die Mannschaft gut eingestellt", meinte wiederum Hanno Balitsch.

Der Mittelfeldspieler, dem ein belastetes Verhältnis zu Hecking nachgesagt wird, ließ sich keine weitere Wertung entlocken: "Was das Verhältnis zum Trainer angeht, steht es keinem Profi zu, etwas zu sagen."

Nationalkeeper Robert Enke meinte nur: "Ich hätte mir heute für alle, auch für den Trainer, zumindest einen Punkt gewünscht."

Hannover meist tonangebend

In der Tat waren die Gäste aus Niedersachsen in einem äußerst mäßigen Auftakt-Spiel über weite Strecken noch die auffälligere Mannschaft.

Vor allem mit Schüssen aus der Distanz konnte die Hecking-Elf zumindest einige Highlights setzen. Als viele der 42..000 Zuschauer schon mit einem 0:0 rechneten, schlug die Hertha zu.

In der 82. Minute setzte sich Herthas Bester, der Serbe Gojka Kacar, im Zweikampf gegen Constant Djakpa durch und entschied mit einem Schuss aus kurzer Distanz die Partie.

"Für uns war es gut, dass wir zu Hause mit einem Sieg in die neue Saison gestartet sind, da wir jetzt drei Auswärtsspiele in Folge haben", meinte Herthas Trainer Lucien Favre, der das Europapokal-Spiel gegen Bröndby IF mitzählte.

Harmloser Hertha-Sturm

"Es war kein Top-Spiel", musste Favre aber anerkennen. Vor allem im Sturm präsentierte sich die "Alte Dame" harmlos.

Rückkehrer Artur Wichniarek konnte sich gegen die robuste 96-Abwehr nicht durchsetzen.

"Ich muss die Hertha-Fans durch gute Leistungen für mich gewinnen. Ich kann es besser und werde es besser machen", versprach der Pole, dem die Anhänger nach seiner unglücklichen Hertha-Zeit zwischen 2003 und 2005 kritisch gegenüberstehen.

"Artur muss sich noch in die Saison reinarbeiten", meinte Geschäftsführer Michael Preetz, der nach seiner Bundesliga-Premiere als Manager zumindest mit dem Ergebnis zufrieden sein konnte: "Doch das wird er schaffen. Er wird noch wertvoll für uns."

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