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Eindeutig hinter der Linie klärt Bayern-Keeper Michael Rensing den Ball © imago

Nach Rensings "Rettungstat" entzündet sich neuer Wirbel um den TV-Beweis. Hoffenheims Keeper hat auch Wut auf van Bommel.

Aus Sinsheim berichtet Matthias Becker

Sinsheim - Die Gesichtsfarbe von Louis van Gaal nahm einen Farbton an, der in Fußball-Deutschland als "Hoeneß-Rot" bekannt geworden ist.

Bei Bayern-Manager Hoeneß kündigt die zunehmende Rötung von Wangen und Stirn zumeist eine kurz bevorstehende Explosion an.

Beim neuen Münchner Trainer van Gaal war sie wohl vor allem den schwülheißen Temperaturen in den Katakomben der Rhein-Neckar Arena in Sinsheim zuzuschreiben.

Dort musste Geburtstagskind van Gaal (58) knapp zehn Minuten auf sein Pendant Ralf Rangnick warten ? der mit Verzögerung zur obligatorischen Pressekonferenz erschien.

Van Gaal schlägt sich auf Rangnicks Seite

Doch wider Erwarten führte diese Verzögerung bei Disziplinfreund van Gaal nicht zu einem Hoeneß-ähnlichen Emotionsausbruch.

Über die weite Strecken ausbaufähige Leistung seiner ersatzgeschwächten Mannschaft beim 1:1 (1:1) zum Saisonauftakt in Hoffenheim war der Niederländer zwar nicht zufrieden. (zum Spielbericht)

Doch auch van Gaal beschäftigte am meisten der Aufreger des Topspiels des ersten Spieltags - und er sprang dem gegnerischen Coach erstaunlich offen bei:

"Ich ziehe den Hut vor Ralf Rangnick, dass er nach dem Spiel noch so ruhig hier sitzt", erklärte der FCB-Coach. "Das Spiel läuft ganz anders wenn das Tor zählt und Hoffenheim in Führung geht."

Klares Tor nicht anerkannt

Van Gaal weiter: "Ich finde es lächerlich, dass in unseren modernen Zeiten die Technik nicht zum Einsatz kommt."

Er habe schon als Präsident der Trainervereinigung in den Niederlanden 1988 einen Test mit dem Videobeweis gemacht: "Leider wurde das von der FIFA und UEFA verboten."

Stein des Anstoßes: In der 10. Minute hatte Abwehrchef Josip Simunic nach einer Freistoßflanke von Kapitän Sejad Salihovic den Ball für die spielerisch stark auftretenden Hoffenheimer per Kopf an den Innenpfosten befördert.

Von da sprang die Kugel deutlich sichtbar für fast alle Beteiligten hinter die Torlinie.

Nur das Schiedsrichtergespann um den insgesamt schwach auftretenden Babak Rafati hatte es nicht gesehen.

Rensing diplomatisch, Hildebrand deutlich

"Ich habe meinen Arm hochgerissen, und der nächste Blick ging gleich zum Schiedsrichter", sagte Bayern-Torhüter Michael Rensing im Gespräch mit Sport1.de.

Und weiter: "Ich habe zum Schiedsrichter geschaut und gehofft, dass er es nicht gesehen hat."

Auch Rafati gab hinterher zu: "Nach dem Studium der Fernsehbilder hätte ich das Tor geben müssen."

"Technische Voraussetzungen da"

1899-Coach Ralf Rangnick machte sich wie Kollege van Gaal für den Einsatz von technischen Hilfsmitteln stark:

"Die technischen Voraussetzungen sind ja inzwischen da, um einen Videobeweis in solchen Situationen unkompliziert umzusetzen. Ich bin auch überzeugt, dass er irgendwann kommen wird."

Und weiter: "Aber das ist eine Sache der FIFA - und solange die sich nicht dazu durchringen kann, müssen wir uns mit solchen krassen Dingen abfinden."

Hoeneß für Torkamera

Unterstützung bekam Rangnick auch von Uli Hoeneß, der wie angekündigt das Spiel von der Tribüne aus verfolgte.

"Das sind menschliche Fehler. Deswegen bin ich ein totaler Verfechter der Torkamera", sagte der Bayern-Manager.

"Opfer" Simunic trug es derweil mit Fassung: "Es ist ärgerlich, aber so ist dass im Fußball. Hoffentlich bekommen wir nächste Woche einen Elfmeter, und es wird sich ausgleichen."

Wut über van Bommel

Das nicht gegebene Tor war nicht die einzige (Nicht-)Entscheidung, mit der Rafati für Gesprächsstoff sorgte - und den Münchner Ärger über einen spielerisch mageren Auftritt (van Gaal: "Meine Mannschaft hat in der ersten Halbzeit vergessen, Fußball zu spielen") in den Hintergrund drängte.

Ebenfalls in Halbzeit eins übersah der Schiedsrichter einen Bodycheck des später wegen einer Fußverletzung ausgewechselten Bayern-Kapitäns Mark van Bommel an Isaac Vorsah.

Was vor allem Hildebrand auf die Palme brachte: "Er ist Kapitän von Bayern München. Da sollte Respekt eigentlich ganz groß geschrieben werden. Aber es ist ja nicht das erste Mal."

So sah es auch Bayern-Präsident Fanz Beckenbauer: "Solch eine Aktion kennt man sonst nur aus dem American Football", kritisierte der "Kaiser".

"Das war nicht professionell"

In diesem Fall wollte van Gaal den Hoffenheimern und Beckenbauer dann aber nicht zur Seite springen.

"Vielleicht hat van Bommel im 16-Meter-Raum etwas gemacht, aber das machen viele. Ich glaube nicht, dass das zu hart war", sagte er.

Die Gesichtsfarbe des Bayern-Trainers hatte sich derweil wieder der Normalität angenähert.

Auch wenn er im Hinblick auf die Leistung seines Teams nach dem überraschenden 1:0 von Ivica Olic (25. Minute) bescheinigte: "Wir hätten die Führung in der ersten Halbzeit ausspielen müssen ? aber das haben wir auch nicht gemacht. Das ist nicht professionell."

Hoeneß: "Werden bald oben wegmarschieren"

Der neueste Tribünenfan der Münchner wollte mit der Leistung seines Teams dennoch nicht zu hart ins Gericht gehen.

"Wenn die Mannschaft solche Fortschritte macht wie heute, werden wir sehr bald oben wegmarschieren", sagte Hoeneß.

Besser wäre es für van Gaal und seine Spieler. Denn wenn beim Original die Gesichtsrötung zunimmt hat das nicht unbedingt nur für den Schiedsrichter verbale Konsequenzen.

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