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Gladbachs Torschütze Colautti (v.) ist bedient, die Bochumer jubeln © getty

In einem denkwürdigen Westderby holt Bochum einen 0:3-Rückstand auf. Trotz des Punktes ist Gladbach der gefühlte Verlierer.

Von Christian Stüwe

Bochum - Das Westderby zwischen dem VfL Bochum und Borussia Mönchengladbach wird wohl keiner der rund 30.000 Zuschauer so schnell vergessen.

Bis zur Pause führten die Gäste aus Gladbach den VfL förmlich vor und lagen mit 3:0 in Front, doch nach dem Seitenwechsel kippte das Spiel komplett.

Nach dem der Gladbacher Karim Matmour völlig freistehend das wohl entscheidende 4:0 gegen Torwart Philipp Heerwagen vergeben hatte, spielten plötzlich die Bochumer wie entfesselt auf.

3:3 lautete schließlich das Endergebnis nach zwei spektakulären Treffern von Mimoun Azaouagh (51., 52.) innerhalb von 48 Sekunden und Stanislav Sestak (63.) zwölf Minuten später.

"Das war ein kurioses Spiel. Es gibt Dinge, die kannst du im Fußball nicht erklären. Zwei solche Tore innerhalb von 48 Sekunden - das hat es wohl äußerst selten gegeben", sagte Gladbachs neuer Trainer Michael Frontzeck nach Abpfiff der spektakulären Partie.

Stimmung im Stadion wandelt sich

"Wir ha'm die Schnauze voll" und "Wir woll'n euch kämpfen sehen" hatten die Bochumer Fans nach den Toren der Gladbacher Juan Fernando Arango (19.), Roberto Colautti (26.) und Roel Brouwers (40.) bereits vor der Pause gerufen.

Am Ende feierten sie ihre Mannschaft euphorisch, obwohl es die Bochumer trotz zahlreicher bester Gelegenheiten versäumt hatten, den Siegtreffer zu erzielen.

Wechselbad der Gefühle

Dennoch darf sich die Elf von Marcel Koller als der moralische Sieger der Partie fühlen. Der Trainer gab sich angesichts der zwei völlig unterschiedlichen Hälften aber zurückhaltend.

"Wir haben in der ersten Halbzeit alle Zweikämpfe verloren. Da waren wir zurückhaltend und ängstlich. Am Ende hätten wir noch das Siegtor erzielen müssen", sagte der Schweizer: "In der zweiten Halbzeit war es ein gutes Spiel von uns."

Starkes neues Duo

Mit der ersten Hälfte durfte hingegen Gegenüber Frontzeck mehr als zufrieden sein. Vor allem die Neuzugänge Arango und Raul Bobadilla sorgten für ordentlich Betrieb und Probleme in der Bochumer Defensive.

In der zweiten Hälfte brach die Borussia dann aber völlig auseinander und verlor auch noch Innenverteidiger Dante (60.) nach einer Roten Karte wegen Notbremse.

Matmour-Chance als Knackpunkt

Frontzeck trauerte vor allem der hundertprozentigen Chance von Matmour nach: "Wir haben eine sehr gute erste Halbzeit gespielt, dann vergeben wir die Chance zum 4:0."

Seit 13 Spielen warten die Borussen nun auf einen Sieg in Bochum. Einmal mehr erwies sich Bochum als der Angstgegner der "Fohlen".

Zudem verschenkten sie den perfekten Start in die neue Saison. Zur Halbzeit lagen die Gladbacher in der Blitztabelle auf dem ersten Platz. "Am Ende müssen wir mit dem Punkt leben", ärgerte sich Frontzeck.

Azaouagh ist der Mann des Spiel

Zum Helden des dramatischen Spiels wurde der Bochumer Mittelfeldmann Azaouagh, der bis zu seinem Blitz-Doppelpack unauffällig agierte.

"Durch zwei Traumtore und die Rote Karte ist das Spiel gekippt", sagte Gladbachs Torhüter Christofer Heimeroth, der privat mit dem Doppeltorschützen befreundet ist.

Kumpel Azaouagh hatte sogar Mitgefühl für den Gladbacher Keeper übrig: "Es ist schade, dass es ausgerechnet gegen ihn passieren musste. In der Bundesliga ist mir sowas aber noch nie passiert."

Ein Spiel mit zwei so unterschiedlichen Hälften dürfte die Bundesliga auch nicht so oft gesehen haben.

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