Die Weisheit ist genauso banal wie richtig: Nachher ist man immer schlauer.

Vor dem 3:3 der deutschen Nationalmannschaft in Helsinki gegen Finnland wurde die Leistungsfähigkeit von Miroslav Klose heftig in Frage gestellt. Auch von Sport1.

Denn der Münchner bewegte sich wochenlang bemitleidenswert bemüht aber verunsichert und glücklos durch die Strafräume. Noch beim 6:0 gegen Liechtenstein war der WM-Torschützenkönig von 2006 ein Schatten seiner selbst.

Das muss man auch so benennen. Sein Treffer zum zwischenzeitlichen 1:1 gegen die Finnen machte aus Klose wieder den selbstbewussten Torjäger vergangener Tage.

Die Annahme, dass Bundestrainer Joachim Löw ihm eine Nibelungentreue hält, hat der Stürmer eindrucksvoll widerlegt. Ohne Ankündigung, wie Phönix aus der Asche.

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Auch das muss man so feststellen, ohne als jemand dazustehen, der sein Fähnchen in den Wind hält. Denn die Fakten von heute machen die Tatsachen von gestern nicht ungeschehen.

Das tagesaktuelle Medium ? und seine Nutzer - interessiert nur der Stand jetzt. Der besagt: Klose ist wieder da. Das ist uneingeschränkt erfreulich.

Nicht ganz so positiv war der Eindruck, den die deutsche Innenverteidigung in Finnland hinterließ. Den Härtetest gegen international ernstzunehmende Kontrahenten hat vor allem Heiko Westermann nicht bestanden.

Damit keine Missverständnisse aufkommen: Der Schalker kurbelte gemeinsam mit Nebenmann Serdar Tasci das deutsche Offensivspiel immer wieder gut an und entschied auch die Mehrzahl seiner Zweikämpfe für sich.

Doch in drei entscheidenden Szenen war er nicht im Bilde. Christoph Metzelder hat nicht zu Unrecht gesagt, dass die primäre Aufgabe der Innenverteidiger die Defensivarbeit ist.

Womöglich schließt sich Löw dieser Meinung an und bringt im Oktober gegen Russland den im Vorwärtsdrang eingeschränkten Madrilenen oder Per Mertesacker für Westermann. Denn dessen Blatt hat sich in Helsinki nicht verbessert.

Gleiches gilt für Robert Enke, der vor dem dritten Gegentor auf der Linie blieb, als der Ball in seinen Fünfmeterraum segelte. Sollte Rene Adler wie die gegen Finnland durchaus vermissten Mittelfeldplatzhirsche Michael Ballack und Torsten Frings wieder einsatzfähig sein, stehen Löw gleich mehrere schwere Personalentscheidungen bevor.

Ob der Bundestrainer gegen Russland den richtigen Akteuren sein Vertrauen geschenkt hat, wird man erst im Anschluss an die 90 Minuten von Dortmund wissen. Auch dann wird man erst nachher schlauer sein.

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