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Felix Magath gewann bislang drei Deutsche Meisterschaften als Trainer © imago

Schalke-Trainer Felix Magath spricht bei Sport1.de über seine Vorstellungen und wie er die bei seinem neuen Klub umsetzen will.

Von Matthias Becker

München - Für eine Diplomatenkarriere hat Felix Magath sich in seiner bisherigen Amtszeit als Schalke-Trainer nicht direkt empfohlen.

Immer wieder ist der Meister-Coach der vergangenen Saison mit schonungsloser Kritik am Status quo bei seinem neuen Arbeitgeber aufgefallen.

Der 2:1-Sieg beim 1. FC Nürnberg zum Bundesliga-Auftakt hat "Quälix" dabei ebensowenig milde gestimmt wie der Pokaltriumph bei Germania Windeck in der Woche zuvor.

Magath macht weiterhin deutlich, dass S04 noch weit entfernt ist von seinen Vorstellungen.

ManUnited-Angebot für Neuer

Ob er diese mit Keeper Manuel Neuer umsetzen kann, ist nun offenbar wieder fraglich.

Nachdem Magath das Angebot des FC Bayern in der Sommerpause abgelehnt hatte, bietet nun Manchester United angeblich 20 Millionen Euro für den Keeper als Ersatz für den verletzten Edwin van der Sar.

"Ich habe davon gehört, dass Manchester Interesse an Neuer haben soll. Solange mir aber nichts Offizielles vorliegt, kann und werde ich mich nicht dazu äußern", sagte Magath der "Welt".

Im Interview mit Sport1.de spricht der neue sportliche Alleinherrscher über die Situation bei Schalke.

Magath darüber wie diese aussehen und wie er sie schnellstmöglich umsetzen will.

Sport1.de: Herr Magath, Ihre Trainer-Ära auf Schalke hat mit zwei Siegen begonnen, beide Male waren Sie aber nicht sonderlich zufrieden. Ist die Umstellung vom Meisterteam Wolfsburg auf Schalke eine sehr große für Sie?

Felix Magath: Ich habe vor zwei Jahren eine ähnliche Situation in Wolfsburg vorgefunden. Das ist noch nicht so lange her, dass ich mich daran nicht erinnern könnte. Ich bin die Situation noch gewohnt.

Sport1.de: Sie schauen also nicht mit einem weinenden Auge zurück auf Ihr Ex-Team, das ja überzeugend in die neue Saison gestartet ist?

Magath: Ich habe keine Probleme damit, dass der VfL Wolfsburg eine Mannschaft hat, die eingespielt ist, und ich beim FC Schalke wieder von vorne anfangen muss. Ich muss wieder eine Mannschaft aufbauen, ihr eine Spielweise vorgeben und das alles erarbeiten. Aber das macht mir sehr viel Spaß. Deshalb freue ich mich schon auf die nächsten Monate.

Sport1.de: Zum Amtsantritt sagten Sie, es bräuchte Zeit, bis der Erfolg kommt. Gleichzeitig kritisieren Sie die Fehler Ihrer Spieler schonungslos. Kommt da der Erfolgshunger durch, oder ist das der einzige Weg, um auf Schalke auch den mentalen Umbruch einzuleiten?

Magath: Es gibt Fehler die sind zweitrangig, aber es gibt Fehler, die müssen sofort abgestellt werden. Deshalb habe ich auch in einem Fall so öffentlich und deutlich reagiert. Das hängt aber vor allem damit zusammen, dass wir die Veränderungen, die wir bei Schalke anstreben, im laufenden Wettbewerb vornehmen müssen. Wir haben nicht monatelang Zeit, auf Entwicklungen hinzuarbeiten, sondern müssen diese neben dem Tagesgeschäft unterbringen.

Sport1.de: Die Fans freuen sich über die klaren Worte, beklagen die Schönrednerei der Vergangenheit. Ist das ein schöner Nebeneffekt oder durchaus auch so gewollt?

Magath: Das geschieht bewusst! Man hat nicht nur alles schöngeredet, sondern hat im gesamten Verein - nicht nur bei den Spielern - seine Position in der Liga nicht mehr richtig gesehen. Jetzt ist man völlig überrascht und verunsichert, dass die Situation nicht so ist, wie man die ganze Zeit geglaubt hat. Das muss der Verein jetzt aber verkraften, damit wir möglichst schnell vorwärts kommen. Ich habe nicht die Zeit, das langsam und schonend umzusetzen. Es muss möglichst kurzfristig umgedacht werden.

Sport1.de: Die von Ihnen kritisierten Spieler haben sich nach dem Nürnberg-Spiel einsichtig gezeigt. Ist das ein erstes Zeichen Ihrer Handschrift, dass die Spieler trotz des richtigen Ergebnisses nicht zufrieden sind?

Magath: Ich beurteile die Spieler nicht nach dem was sie sagen, sondern nach dem was sie machen. Und da werde ich sehen, ob sich das Verhalten in den nächsten Spielen ändert. Wenn dem so ist, freue ich mich, denn dann haben sie etwas gelernt und ihr Spiel verbessert. Und das ist ja schließlich meine Aufgabe. Ob jemand das, was er gehört hat, auch begriffen hat, sehe ich eben immer erst in der Praxis.

Sport1.de: Mit Moritz, Kenia und Holtby haben Sie in Nürnberg drei sehr jungen Spielern eine Chance gegeben. Muss das angesichts der ausgebliebenen Top-Transfers die Marschroute sein?

Magath: So ist nun mal unsere aktuelle Situation. Wir haben sehr viele junge Spieler im Kader und einige gestandene Profis. Daraus gilt es in den nächsten Monaten die richtige Mischung zu entwickeln.

Sport1.de: Haben Sie Ihre Eckpfeiler für diesen Aufbau in den ersten Wochen denn schon finden können?

Magath: Natürlich hat man Vorstellungen. Aber es wird sich erst in der Praxis zeigen, ob die ausgesuchten Spieler tatsächlich diese Rolle erfüllen können.

Sport1.de: Für Sie steht nun das Ruhrderby gegen Bochum und danach das Spiel in Hoffenheim an. Fürchten Sie das berüchtigte Anspruchsdenken im Schalker Umfeld, falls es in diesen beiden Partien erfolgreich weitergeht?

Magath: Der Fan will natürlich möglichst viel für seinen Verein, weil er ja auch alles für seinen Verein gibt. Ich weiß um die Emotionen, die aus dem Fan-Bereich kommen. Aber das war ja auch der Grund, warum ich zu Schalke gegangen bin. Ich wollte es so und habe die Herausforderung gesucht, die hochleidenschaftlichen Fans mit einzubinden, damit unser Spiel und der Verein sich professioneller entwickeln können. Nur so können wir den maximalen Erfolg erreichen, den der Fan auch will.

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