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Markus Rosenberg erzielte beim 5:2-Sieg zwei Treffer © getty

Mit seiner besten Saisonsleistung fügte Werder Jürgen Klinsmann die erste schwere Pleite als Bayern-Trainer zu.

Von Nils Reschke

Am Samstag (ab 15 Uhr LIVE ) kommt es wieder einmal zum ewig jungen Klassiker zwischen Bremen und Bayern, dem Nord-Süd-Gipfel, der in der Bundesliga immer wieder für Höhepunkte und Giftpfeile in beide Richtungen gut ist.

Oft als Klassenkampf ausgerufen, spätestens, seitdem sich die beiden ehemaligen Manager der Konkurrenten, Uli Hoeneß und Willi Lemke, regelmäßig in die Wolle bekamen.

Mit Lemke, ließ der einstige Bayern-Macher einmal wissen, würde er nie im Leben ein Bier trinken.

Die Lust darauf war Uli Hoeneß, Jürgen Klinsmann, dem FC Bayern und allen Fans an jenem denkwürdigen 20. September 2008 auch gründlich vergangen. Wiesn-Auftakt in München - und Werder spuckte den Bayern kräftig in die Mass.

Gespött der Königsklasse

Die Vorzeichen waren damals ähnlich wie heute. Früh in der Saison trafen die Erzrivalen aufeinander. Werder Bremen hatte sich zuvor zum Gespött der Königsklasse gemacht. In der Champions League waren die Norddeutschen gegen Underdog Famagusta nicht über ein torloses 0:0 hinausgekommen.

In die Liga war die Elf von Thomas Schaaf mit nur einem Sieg aus vier Spielen holprig gestartet.

Wie jetzt - nach dem 2:3 gegen die Frankfurter Eintracht zum Auftakt - stand Grün-Weiß vor dem Auftritt in der Allianz-Arena mächtig unter Druck. Ein kompletter Fehlstart drohte.

"Was mache ich hier?"

Als Fußballfan, der nicht die Zeit findet, Woche für Woche durch die Republik zu pilgern, muss es wohl Eingebung gewesen sein, sich rund einen Monat zuvor Karten für dieses Auswärtsspiel besorgt zu haben. Samstags um 15.30 Uhr nahm dann das Spektakel seinen Lauf.

Ich mittendrin, statt nur dabei, nervös am Bier nippend, skeptisch, ob das wohl gut ginge. "Was mache ich überhaupt hier?"

So recht wollte man keinen Pfifferling auf sein Team setzen. Damals sollte ich noch nicht wissen, dass ich hier und heute einen von lediglich zwei Auswärtssiegen der Saison live miterleben würde. Und was für einen! 16190(DIASHOW: Der Klassiker Bayern gegen Werder)

Entsetzte Gesichter

Doch nach zögerlichen Anfangsminuten kämpfte sich Werder in dieses Match.

Spätestens als der "verlorene Sohn" Claudio Pizarro, jahrelang auch erfolgreicher Bayern-Stürmer, den Ball an den Pfosten bugsierte, mischte sich Hoffnung unter die Skepsis: Da geht doch was. Es ging! Eine halbe Stunde war gespielt, als Mesut Özil Markus Rosenberg auf die Reise schickte.

Der eiskalte Schwede verwandelte ebenso zum 1:0. Und als dann noch Naldo praktisch mit dem Pausenpfiff nach einem Rensing-Patzer zum 2:0 abstaubte, blickte ich vergnügt in die Runde ? und sah in entsetzte Gesichter. So recht wollte meine Freude keiner teilen. Was wenig verwunderlich war, saßen rundherum doch nur Bayern-Anhänger.

"7:0 gewonnen..."

Die zweite Hälfte war dann - aus Werder-Sicht freilich - purer Genuss. Mesut Özils Sonntagsschuss, Pizarros Geniestreich, noch Mal Rosenberg: Auf der Anzeigentafel leuchtete 0:5, man traute seinen Augen nicht.

Die Reihen rings um mich lichteten sich. Die zwei Treffer von Tim Borowski, der gerade von der Weser zu den Bayern gewechselt war, bekamen viele Zuschauer gar nicht mehr mit. Sie befanden sich schon auf dem Weg, den Frust auf der Wiesn herunterzuspülen.

Die Werder-Fans feierten Doppelpack-Borowski, scherzten: "7:0 gewonnen bei den Bayern!" Wer den Schaden hat...

Erster schwerer Schlag für Klinsmann

Bayern-Coach Jürgen Klinsmann sah man danach zum ersten Mal nicht grinsen: "Es tut weh!" Dann gab er sich schon wieder optimistisch: "Wir werden aufstehen, und vielleicht noch stärker sein als vorher."

Das sollte nur in Ansätzen gelingen. Nach dem 29. Spieltag und einem 0:1 gegen die Schalker war die - pardon: das Maß voll. Schluss für "Klinsi".

Werder Bremen aber hatte an jenem Wiesn-Auftakt gezeigt, was man als Mannschaft mit Kämpferherz und Ehrgeiz gegen den Erzrivalen imstande zu leisten ist. Den Tag, an dem die Bremer die Bayern in deren eigenen Stadion vernaschten, werde ich nicht mehr vergessen. Ozapft war!

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