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Philipp Lahm wird gegen Werder wieder auf seiner bevorzugten rechten Seite spielen © imago

Die Bayern wollen gegen Werder Revanche für die Pleite aus dem Vorjahr. Überrascht van Gaal mit einer neuen taktischen Variante?

Von Daniel Rathjen

München - Er erwähnte es in einem Nebensatz.

"Das ist nicht wichtig für mich", stellte Louis van Gaal am Freitag beim Pressetalk an der Säbener Straße klar.

Der Trainer des FC Bayern verschwendet vor seinem Heimdebüt keinen Gedanken an das 2:5 gegen Werder Bremen aus der vergangenen Saison.

Doch bei den Spielern und den Fans sind die Bilder vom 20. September 2008 noch sehr präsent.

Rensing "will Wiedergutmachung"

Allein die Erinnerung an die Schmach, die den damaligen Coach Jürgen Klinsmann erstmals in Erklärungsnot brachte, spornt die Bayern an. Sie brennen am Samstag (ab 15 Uhr im neuen LIVE-Ticker) auf Revanche.

"So etwas darf nie wieder passieren. Wir wollen Wiedergutmachung - unter neuen Vorzeichen. Ich glaube, wir sind jetzt viel stabiler und taktisch besser ein- und aufgestellt als letzte Saison", befand Bayerns Keeper Michael Rensing.

Werder-Trainer Thomas Schaaf nutzt den Bremer Coup als mentale Stütze.

"Das kann eine Motivationshilfe sein. So kann man verdeutlichen, was man bei einem starken Gegner erreichen kann."

Hoeneß: "Wir müssen gewinnen"

Und auch Manager Klaus Allofs ist optimistisch: "Wir stehen nicht mit dem Rücken zur Wand und sind nicht so verunsichert, dass wir mit wackeligen Knien in München antreten müssen", sagte er.

Der Nord-Süd-Schlager birgt trotz des frühen Zeitpunkts Brisanz. Die Bayern benötigen ein Erfolgserlebnis, um nach dem Remis bei 1899 Hoffenheim nicht gleich den Anschluss an die Spitze zu verlieren.

"Wir müssen unbedingt gewinnen, weil wir von Anfang an oben mitspielen wollen", betonte Manager Uli Hoeneß.

Nationalmannschaft als Problem

Van Gaal sieht seinem Heimdebüt mit gemischten Gefühlen entgegen. Nach einer Woche, in der der Großteil seines Kaders bei der Nationalmannschaft weilte, weiß er nicht genau, wo sein Team steht.

"Ich konnte nicht richtig trainieren. Es haben alle viel gespielt, ich musste den Schwerpunkt auf Regeneration legen", merkte er zerknirscht an.

Auch das Spiel in Hoffenheim habe er nicht mehr angemessen analysieren können.

Vor Bremen habe er Respekt. "Aber wenn wir das machen, was wir machen können, dann haben wir eine große Chance, zu gewinnen", so van Gaal.

Ribery als Joker

Auf einen Einsatz von Franck Ribery von Beginn will van Gaal verzichten. Der Mittelfeldspieler war am Mittwoch beim WM-Qualifikationsspiel von Frankreich auf den Färöern (1:0) in den letzten 25 Minuten zum Einsatz gekommen.

Es sei "gut, dass er diese 25 Minuten gespielt hat?, sagte van Gaal, Fußball sei aber nicht nur eine Frage des Kopfes, "sondern auch der Kondition und des Spielrhythmus."

Wahrscheinlich ist es, dass der Franzose als Joker in der zweiten Halbzeit zum Einsatz kommt.

Klose auf der "Zehn"?

Alexander Baumjohann wird voraussichtlich wieder auf der "Zehner"-Position hinter den Spitzen agieren. Eine Einsatzgarantie wollte van Gaal dem 22-Jährigen aber nicht geben. "Er hat am letzten Wochenende - wie die gesamte Mannschaft - zunächst nicht gut gespielt."

Er ließ offen, ob er ihn, Thomas Müller oder Jose Sosa in die Startelf beordert.

Möglich scheint auch, dass er den sich in optimaler Verfassung befindlichen Ivica Olic wieder neben Mario Gomez spielen lässt und Miroslav Klose als Regisseur aufbietet. "Er kann das auch spielen", bemerkte van Gaal.

Naldo muss wohl passen

Dass Anatoliy Tymoshchuk für den verletzten Mark van Bommel ins defensive Mittelfeld rückt, scheint klar.

Den Bremern droht dagegen nach dem 2:3 gegen Eintracht Frankfurt ein böser Fehlstart. Zumal aller Voraussicht nach auch Innenverteidiger Naldo weiterhin passen muss.

Schaaf will um den Titel mitspielen

Kapitän Torsten Frings sieht jedoch eher die Chancen in dieser schwierigen Lage: "Jeder geht davon aus, dass wir gegen diesen starken Kader eh nichts holen, und genau deshalb haben wir keinen Druck."

Allofs versucht ebenfalls, Druck von der Mannschaft zu nehmen.

"Wir wollen schon da hinkommen, dass wir um den Titel mitspielen. Allerdings müssen wir abwarten, wie unsere Mannschaft letzten Endes aussieht und wie das zusammen passt. Dann kann man realistische Saisonziele formulieren", sagte er im Interview mit der "Welt".

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