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Das Liga-Comeback von Franck Ribery ist das Münchner Highlight des 1:1 gegen Bremen. Doch glücklich macht die Bayern das Remis nicht.

Aus der Allianz Arena berichtet Martin van de Flierdt

München - Der Stimmungstest kam in der 50. Minute.

Würden die Fans des FC Bayern München Franck Ribery seinen vehement vorangetriebenen Versuch, zu Real Madrid zu wechseln, übelnehmen?

Oder würden sie ihn hochleben lassen, wenn er wie von Trainer Louis van Gaal angekündigt gegen Werder Bremen sein Bundesliga-Comeback nach abgeklungener Knieblessur gibt?

Als sich der Franzose nun von der Ersatzbank erhob und auf die Südtribüne der Allianz Arena zulief, um sich dort aufzuwärmen, war die Frage beantwortet:

Ein Jubel schallte ihm entgegen, der nur noch von dem übertroffen wurde, der zu seiner Einwechslung für Jose Ernesto Sosa in der 62. Minute ertönte. Zu diesem Zeitpunkt lag seine Mannschaft mit 0:1 in Rückstand.

Werders Nationalspieler Mesut Özil hatte die Gäste in Führung geschossen (39.), nachdem die Bayern die erste halbe Stunde feldüberlegen, aber nicht zwingend agiert hatten.

Ribery brauchte nach seiner Einwechslung nur drei Minuten, um anzudeuten, warum ihn die Bayern so vermisst hatten.

Fritz sieht alt aus

Auf dem linken Flügel schickte er Gegenspieler Clemens Fritz auf die Umgehungstraße und servierte Ivica Olic mustergültig den Ball in die Strafraummitte. Nur eine blendende Reaktion von Bremens Schlussmann Tim Wiese verhinderte den Ausgleich des Kroaten (65.) und einen prompten Assist Riberys.

"Er ist ein Einzelspieler, ich werde die Mannschaft bewerten", sträubte sich van Gaal nach dem Spiel zwar zunächst gegen eine Einzelkritik, schob dann aber doch hinterher:

"Ribery ist ein sehr guter Spieler, aber ihm fehlt der Rhythmus. Ich hatte vor, ihn 20 Minuten spielen zu lassen, nun sind es 8 Minuten mehr geworden. Er hatte eine sehr gute Aktion, aber noch sehr viele Ballverluste."

Ribery sieht Luft nach oben

Ribery selbst sah bei sich ebenfalls noch Luft nach oben. "Ich bin zufrieden, dass ich wieder spielen konnte", sagte der Franzose. "Ich habe versucht, das Maximum zu geben, aber da fehlte natürlich noch etwas."

Am Ausgleich zum 1:1-Endstand war Ribery folgerichtig nicht direkt beteiligt. Stattdessen zwang Mario Gomez eine Hereingabe von Philipp Lahm zu seinem ersten Meisterschaftstor im Bayern-Trikot über die Linie (72.).

Bei dem Ex-Stuttgarter kam allerdings nur wenig Freude über den eigenen Treffer auf: "Es ist enttäuschend, dass wir nach zwei Spielen nur zwei Punkte haben, obwohl wir sechs haben wollten."

Bilanz wie unter Klinsmann

Mit zwei Remis waren die Münchner auch im Vorjahr unter Jürgen Klinsmann in die Saison gestartet. Van Gaal zeigte sich mit dem Ergebnis daher nicht zufrieden, mit der Spielweise seiner Mannschaft war er aber weitestgehend einverstanden.

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"Wir haben 30 Minuten hervorragend gespielt", meinte der Niederländer. Das Gegentor habe dann allerdings weh getan: "Vielleicht waren meine Spieler sich da zu sicher. Drei Spieler stehen auf einer Linie, aber keiner greift Özil an. Und so macht Bremen mit dem ersten Angriff ein Tor."

Anschließend sei es für Werder einfach gewesen. "Die haben sich mit zehn Mann hinten rein gestellt, wir haben trotzdem unsere Chancen kreiert."

Allofs widerspricht van Gaal

Das sah man auf Bremer Seite etwas anders. "Wir haben uns hier nicht hinten reingestellt, sondern gezielt auch nach vorne gespielt", erwiderte Sportdirektor Klaus Allofs. "Dass wir hier 1:1 spielen, ist ja jetzt auch kein Wunder."

Von den jüngsten acht Aufeinandertreffen mit Werder hat der FC Bayern schließlich nur eines gewonnen. Neben Özil hatte es Werder vor allem aber Wieses starker Vorstellung zu verdanken, dass es bei dem Remis blieb.

Im Privatduell mit dem zur Pause eingewechselten Olic blieb der Schlussmann dreimal (61./65./79.) Sieger. "Ich habe eben die richtigen Reaktionen gezeigt", spielte der Torwart seine Leistung herunter. "Der Ball ist dahin gekommen, wo ich mich hinbewegt habe."

Das Remis von München bestärkte Allofs in seiner Ansicht, dass zu personalpolitischem Aktionismus bei Werder trotz der 2:3-Auftaktniederlage gegen Frankfurt kein Anlass bestehe: "Man muss für uns nicht schwarzsehen."

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