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Claudio Pizarro traf für Werder in der vergangenen Bundesligasaison 17-mal © getty

Der Peruaner kehrt für drei Jahre an die Weser zurück und nimmt dafür Abstriche beim Gehalt in Kauf.

Von Mathias Frohnapfel und Martin van de Flierdt

München - Claudio Pizarro ist wieder ein Bremer.

Der 30-Jährige unterschrieb bei Werder einen Dreijahresvertrag bis 30. Juni 2012 mit beidseitiger Option für ein weiteres Jahr und wurde am Dienstagnachmittag der Öffentlichkeit präsentiert.

Geschätzte fünf Millionen Euro Ablöse überweisen die Norddeutschen für Pizarro an den FC Chelsea nach London. Beim Gehalt wird der Angreifer, der in England angeblich vier Millionen Euro im Jahr verdiente, Abstriche machen müssen. Im Gespräch waren zuletzt rund drei Millionen Euro.

Am späten Montagabend war Pizarro bereits in Begleitung seines Beraters Carlos Delgado in Bremen gelandet.

Letzte Verhandlungen liefen noch am Dienstagmorgen.

In der Abteilung Attacke hatte bei Werder zuvor offensichtlicher Handlungsbedarf bestanden.

Denn Boubacar Sanogo, Hugo Almeida und Aaron Hunt sind zwar immer wieder für einen Treffer gut, zuverlässige Serienknipser sind sie nicht.

Marcelo Moreno hat aufgrund von Problemen in der Vorbereitung noch nicht den Fitnessstand, um der Mannschaft weiterhelfen zu können.

Dennoch wollen die Grün-Weißen - auch mit Blick auf die lange Saison - trotz Pizarros Verpflichtung an ihren übrigen Stürmern festhalten.

Dass St. Etienne um Sanogo wirbt, lässt Allofs kalt. "Wir lassen ihn nicht gehen."

Wiese hofft auf Verstärkung

Auch die Führungsspieler an der Weser wussten, dass ihr Team qualitativ noch einen Sprung machen muss.

"Ich hoffe, dass noch was passiert, damit wir eine richtig gute Mannschaft haben", sagte Tim Wiese noch am Samstag zu Sport1.de.

Wo neue Kräfte benötigt werden, wollte der Torhüter "öffentlich nicht sagen". Dann fügte er aber spitzbübisch an: "Es ist Bedarf da. Wer Ahnung von Fußball hat, der weiß wo."

Weitere Neueinkäufe möglich

Sein Chef deutet derweil sogar an, dass neben Pizarro womöglich sogar noch weitere Profis an die Weser wechseln.

"Es kann sein", meint Klaus Allofs, "dass sich bis zum 31.8. noch das eine oder andere tut."

Gleichzeitig bemüht er sich, die Erwartungen nicht allzu hoch zu treiben.

Die Ausgangslage der Transferpolitik nach dem Diego-Verkauf beschrieb er am Sonntag im DSF-Doppelpass:

"Wir können schon etwas ausgeben, aber wir können nicht sagen: Wir haben 25 Millionen eingenommen und 25 können wir auch wieder ausgeben."

Und weiter: "Auf der einen Seite muss man Steuern zahlen und wenn man einen Spieler verpflichtet, ist das nicht nur die Ablösesumme. Man muss diesen Spielern auch Gehälter zahlen. Da sind wir wirklich eingeschränkt."

Demokratie mit Einschränkung

Mit Tipps aus dem Team hat der Werder-Manager kein Problem.

"Natürlich ist es wichtig, dass sich eine Mannschaft auch damit beschäftigt. Mensch, auf welcher Position sollten wir uns noch verbessern?"

Schließlich würde man auch gegenüber den Profis über das Thema sprechen, sie fragen: "Wie beurteilt ihr das?"

Allerdings hat in der Bremer Demokratie der Geschäftsführer das letzte Wort. "Die Spieler wissen, dass wir alles tun, um die Mannschaft zu verstärken, aber das eben nicht alles möglich ist."

Özil macht Allofs Spaß

Im Kader ist die Stimmung nach dem guten Auftritt in München wieder deutlich entspannter als nach dem verkorksten Saisonauftakt gegen Frankfurt.

Dazu hat Mittelfeldzauberer Özil nicht zuletzt mit seinem Treffer in der Allianz Arena das Seinige beigetragen.

"Er macht da weiter, wo er letzte Saison aufgehört hat", lobt Allofs. "Wenn man bedenkt, dass er nur eine Mini-Vorbereitung hatte, ist es außergewöhnlich, was er leistet. Dass er jetzt auch noch regelmäßig trifft, gibt ihm zusätzliche Sicherheit."

Zugleich wagt der Geschäftsführer eine Vorhersage für Nationalelf. Mit solchen Leistungen dürfte Özil bei der WM dabei sein und dort auch eher auf dem Rasen als auf der Bank, da es aus Allofs Sicht "nicht viele Spieler gibt, die eine bessere Qualität haben".

Ein Torjäger der Marke Pizarro, der Özils Vorlagen ummünzt, verschlechtert dessen Stammplatzambitionen im DFB-Dress sicher nicht.

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