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Tim Wiese bestritt bislang erst ein A-Länderspiel für Deutschland © imago

Tim Wiese verzichtet in Sachen DFB-Team auf Werbung in eigener Sache, Timo Hildebrand geht dafür plötzlich in die Offensive.

Von Martin Hoffmann und Martin van de Flierdt

München - Es sind Worte, die so gar nicht nach dem Bremer Keeper klingen.

"Wiese bittet: Jogi, stell mich nicht ins Tor", lautet die Schlagzeile eines großbuchstabigen Blatts, das ihm "Angst vor deutschen Fans" andichtet.

Der von Selbstbewusstsein sonst so triefende Tim Wiese - plötzlich ein furchtsamer Hasenfuß? Ganz so weit ist es dann doch nicht gekommen.

Aber Werder Bremens Schlussmann kommt im Kampf um das Nationaltor doch ungewohnt leisetreterisch daher.

Der alte Tim Wiese hätte nach der starken Leistung beim 1:1 in München wohl lautstark für sich getrommelt 140874(DIASHOW: Die Bilder des 2. Spieltags).

Ungewohnt zurückhaltend

Der neue gab sich gegenüber Sport1.de dagegen mit Blick auf die kommenden Spiele betont zurückhaltend:

"Gegen Südafrika und Aserbaidschan spielen wir in Leverkusen und Hannover - also da, wo meine Konkurrenten zu Hause sind", so Wiese.

Würde er da spielen, würde er "bestimmt 90 Minuten ausgepfiffen von deutschen Fans, die ihren jeweiligen Klubtorwart sehen wollen". Er werde sich da also "keinen Kopf" machen.

Die Werbung übernimmt Allofs

Es ist also nicht so, dass Wiese Löw anflehen würde, ihn vor feindlich gesinnten Fans zu schützen.

Er rechnet aber nicht damit, dass er in den Heimstätten seiner Konkurrenten Einsatzzeit bekommt - und er akzeptiert es.

Wann er denn endlich mal mit seinem ersten DFB-Einsatz von Anfang an rechnen würde? "Wir kriegen ein neues Stadion, da muss halt mal ein Länderspiel stattfinden", scherzte er.

Die Werbung für sich überließ Wiese seinem Manager Klaus Allofs: "Es wäre normal, wenn Tim beim nächsten Länderspiel im Tor steht", hielt der fest.

Kein Kopfzerbrechen

Das wäre aber eben das besagte Spiel gegen Südafrika am 5. September in Leverkusen, für das Rene Adler nach Wieses Einschätzung wegen des "Heimvorteils" beste Einsatzchancen hätte.

Glaubt man Löw, spielt der aber keine Rolle: "Auf solche Dinge werden wir wenig Rücksicht nehmen. Es geht nicht danach, wo jemand spielt, sondern darum, welche Leistung er bringt", sagte der Bundestrainer dem "kicker".

Also doch alle Chancen für Wiese? Der will sich nicht den Kopf zerbrechen: "Ich kann nicht mehr machen, als meine Bälle zu halten. Den Rest entscheiden andere."

Hildebrand geht in die Offensive

Wiese hat den Lautsprecher auf leise gestellt - ein scharfer Kontrast zu Hoffenheims Timo Hildebrand, der in Sachen DFB-Team nun in die Offensive geht.

"Ich bin bereit. Ich kann nur so halten wie heute. Und wenn man so hält, ist man normalerweise Nationalspieler", hielt Hildebrand nach dem 0:1 in Leverkusen fest.

Der vor der EM 2008 ausgebootete 1899-Keeper versteifte sich sogar auf die Behauptung: "Wenn man heute nicht gesehen hat, wie gut ich bin, dann gar nicht mehr."

Das sind neue Töne vom sonst eher bedächtigen Hildebrand - ganz bewusst: "Bisher habe ich es immer auf die zurückhaltende Weise probiert, jetzt versuche ich es mal auf die andere", ließ er im "SWR" wissen.

Kein Eindruck bei Löw

Bei Löw macht das aber offenbar keinen Eindruck.

"Im Moment setzen wir auf die vier Torhüter, die wir zuletzt immer genannt haben - also Robert Enke, Tim Wiese, Rene Adler und Manuel Neuer", erklärte der Bundestrainer nach dem Spieltag: "Es gibt keinen Grund, davon abzugehen."

Hildebrands markige Worte verhallen ohne Wirkung - da scheint Wiese mit seiner neuen Bescheidenheit gar nicht so schlecht beraten zu sein.

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