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Franck Ribery (l.) und Trainer Louis van Gaal: Passen die beiden wirklich gut zusammen? © imago

Erst sträubt sich der Franzose dagegen, die "Zehn" zu geben, dann verletzt er sich und fällt erneut aus.

Vom FC Bayern berichtet Daniel Rathjen

München - Nach dem Kurzeinsatz gegen Werder Bremen will Franck Ribery eigentlich schon beim nächsten Bundesligaspiel des FC Bayern in Mainz wieder in der Startelf stehen.

Für dieses Ziel sollte der Franzose in einem Testspiel beim sächsischen Landesligisten Gelb-Weiß Görlitz am Dienstag wertvolle Spielpraxis sammeln.

Doch auf den geplanten Einsatz muss Ribery verzichten.

Wegen Adduktorenproblemen brach der französische Nationalspieler am Montag das Training vorzeitig ab.

Als Vorsichtsmaßnahme unterzog sich der Mittelfeldspieler genaueren Untersuchungen. Sein Einsatz am Wochenende soll nach ersten Informationen aber nicht gefährdet sein.

Auch zuvor hatte Ribery schon für Wirbel gesorgt. Vielen ist klar: Ohne seine genialen Momente ist das Spiel des FC Bayern nur die Hälfte wert.

Er nimmt sich seine Freiheiten, weil er sie braucht und riskiert sogar Streit mit Louis van Gaal.

Der Trainer hat für den Franzosen eigentlich die Rolle als Spielgestalter vorgesehen - als obere Spitze der Mittelfeld-Raute.

Doch Ribery passt das nicht. "Ich ziehe es vor, auf links zu spielen, da habe ich mehr Platz", sagt der 26-Jährige unmissverständlich.

Der "Kaiser" unterstützt

Auch Franz Beckenbauer stellt sich gegen den Trainer.

"Ich verstehe, dass der Franck lieber links spielen will. Dort hat er mehr Raum, kann seine Schnelligkeit ausspielen und den Gegner ausdribbeln. Das entspricht mehr seinen Möglichkeiten", sagte der Bayern-Präsident der "Bild".

Beim 1:1 gegen Werder Bremen (NACHBERICHT: Ein Liebesbeweis überdeckt die Schwächen) kam der Superstar in der 62. Minute für Jose Sosa. Zehn Minuten früher als geplant. "Ribery! Ribery! Ribery!", skandierten die Fans.

Er verzückte sie sogleich mit einem feinen Trick gegen Clemens Fritz und bediente Ivica Olic mustergültig.

Zug nach links

Es gab Szenenapplaus für "König Franck", der mittlerweile auch das Wechsel-Theater um ihn zunächst beendet hat (zum Artikel: Die Türen sind zu).

Immer wieder zog es ihn auf seine Lieblingsposition, Bastian Schweinsteiger blieb nichts anderes übrig, als in die Mitte auszuweichen.

Es war immer das gleiche Bild: Ribery lauerte am linken Rand. Die Mitspieler suchten ihn dort. Der Rest ist auch für sie torgefährliche Routine: Tempo, kurze Bewegungen, ein Blick, ein Pass.

"Ich kann von links aus meine Dribblings machen, von dort aus kann ich gefährliche Situationen kreieren", bestätigt Ribery und kündigt an: "Darüber will ich mit dem Trainer auch sprechen."

Doch der beharrt noch darauf, dass sich der Kreativspieler auf die Mitte fixiert. "Dort ist er näher am Tor und kann seine Kreativität auf zwei Seiten nutzen."

Mit Lob geht der Niederländer spärlich um. "Ribery ist natürlich ein sehr guter Spieler. Ihm fehlt jedoch noch der Rhythmus. Er hatte eine sehr gute Aktion, aber auch viel Ballverluste", urteilte der Coach über das Comeback (Interview: Wir müssen uns noch verbessern).

Es zeichnet sich ab: An der Säbener Straße schwelt ein Konflikt zwischen Systemverfechter und Freigeist.

Van Gaal genervt

"Kein Spieler kann machen, was er will", stellte van Gaal im "kicker" klar. Wird er auf Ribery angesprochen, reagierte der 58-Jährige zuletzt immer wieder genervt.

Es bleibt abzuwarten, wie lange er sich auf den Positionskampf einlässt. Vorsichtshalber hatte er am Freitag bereits angekündigt: "Wenn es nicht klappt, kann ich das System auch wieder ändern."

Ribery sei "offen für die 10", behauptet er zwar immer noch. Doch überzeugen wird er dort vermutlich nicht. Knickt van Gaal deshalb doch ein und rückt von der Raute ab?

Eines steht fest: Das System hat sich bislang nicht bewährt. "Wir brauchen noch Zeit", versucht Aushilfs-Kapitän Philipp Lahm deshalb auch im Sport1.de-Interview zu beschwichtigen.

Wechsel ohne Effekt

Aber die Wechselspielchen auf der Zehner-Position bringen die Mannschaft auch nicht voran. Weder Alexander Baumjohann noch Jose Sosa oder Thomas Müller konnten bisher glänzen.

Mit Ribery sollte Ruhe in die Angelegenheit kommen, doch jetzt ist das Gegenteil der Fall. Er will sich nicht umerziehen lassen, sondern sich auf seiner Seite austoben.

Ein typischer Regisseur wie aktuell Diego oder Zvjezdan Misimovic ist er nicht, eher ein Protagonist auf dem Flügel wie Cristiano Ronaldo oder Lionel Messi.

Momentan ist er aufgrund fehlender Spielpraxis ohnehin noch gehandicapt. Und die erneute Verletzung wirft ihn weiter zurück.

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