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Martin Kind hat 2006 zum zweiten Mal das Präsidentenamt bei 96 angetreten © getty

Hannovers Präsident spricht im Sport1.de-Interview über die neue Ausrichtung von 96. Die Fan-Proteste haben ihn geschockt.

von Nikolai Kube

Hannover - Die Situation ist schwierig, doch Martin Kind ist keiner, der nach Ausreden sucht.

Der Präsident von Hannover spricht daher im Sport1.de-Interview klar an, wieso es im Moment bei 96 nicht rund läuft.

Nach dem Pokal-Aus und dem mäßigen Bundesliga-Start stehen die Mannschaft und Trainer Dieter Hecking massiv in der Kritik.

Kind nennt nun eine Strategie, wie der Weg aus Krise gefunden werden könnte.

Offen beschreibt er die Stimmung im jüngsten Heimspiel, "als wären wir abgestiegen".

Nach dem 1:1 (0:0) gegen den FSV Mainz 05 soll nun am Samstag (ab 15 Uhr LIVE) gegen den Aufsteiger aus Nürnberg ein Sieg her. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabellen)

Hannovers Boss macht dabei vor allem der neue Stürmer Didier Ya Konan Hoffnung.

Sport1.de: Herr Kind, der Saisonstart verlief für Hannover 96 nicht nach Plan. Ein Punkt aus zwei Spielen, dazu das Pokal-Aus gegen Trier - da hätte man sich sicherlich mehr versprochen. Wo liegen die Gründe?

Martin Kind: Wenn wir das wüssten. Wir werden das im Laufe der Woche gemeinsam analysieren. Natürlich verlief der Saisonstart unbefriedigend, vor allem die Niederlage in Trier hat sehr weh getan. Leider hat diese Pleite hier in Hannover zu einer unruhigen Stimmung geführt. Die geringe Zuschauerzahl (29.000, Anm. d. Red.) gegen Mainz war wohl die Quittung.

Sport1.de: Die Eintrittspreise wurden vor der Saison deutlich angehoben. Hat auch dies zum geringen Faninteresse beigetragen?

Kind: Ja, auch die Preise haben wohl einen geringen Einfluss. Der Dauerkartenverkauf hat diese Saison allerdings gestimmt. Daher glaube ich, dass die Unzufriedenheit das größere Problem darstellt.

Sport1.de: Die miese Stimmung bei den Zuschauern ist offensichtlich. "Hecking-raus"-Rufe waren gegen Mainz nicht zu überhören. Warum hat der Trainer so viel Kredit verspielt?

Kind: Das ist eine sehr komische Situation. Denn: Letztes Jahr haben wir den elften Tabellenplatz erreicht ? und das kann jeder Fan nachlesen. Trotzdem hatten wir eine gefühlte Stimmung im Stadion, als wären wir abgestiegen. So etwas habe ich in den letzten Jahren nie erlebt. Das Pokal-Aus in Trier hat wohl auch dazu beigetragen, dass diese massive Kritik eine gewisse Dynamik entwickelt hat.

Sport1.de: Das Pokal-Aus haben Sie angesprochen. Wie beurteilen Sie die ersten beiden Partien in der Bundesliga gegen Hertha und Nürnberg?

Kind: In Berlin haben wir besser gespielt, als ich befürchtet habe. Gegen Mainz ist die Mannschaft komplett anders aufgetreten. Das müssen wir analysieren. Gegen einen Aufsteiger wie Mainz hätten wir in einem Heimspiel gewinnen müssen.

Sport1.de: Wie kann es mit Hannover 96 wieder bergauf gehen?

Kind: Es gibt viel zu ändern. Am Schluss werden wir an den Ergebnissen gemessen. Wir brauchen schlicht und einfach Erfolg.

Sport1.de: Sind Sie überzeugt, dass mit Dieter Hecking als Trainer der Erfolg wieder zurückkommen wird und er der richtige Mann für Hannover ist?

Kind: Da sind wir uns sicher. Aber wir wissen natürlich auch, dass wir Siege brauchen.

Sport1.de: Sie haben relativ wenig Geld in die Mannschaft investiert und stattdessen auf die Entwicklung des Teams gesetzt. Nun hat es den Anschein, als stagniere die Leistung der Elf. Sehen Sie Fortschritte?

Kind: Die Transferstrategie der letzten Jahre hat sich nicht bestätigt. Das muss man so deutlich sagen. Wir haben immerhin in den zwei Jahren 17 Millionen investiert, haben die Gehälter massiv erhöht. Sportlich sind wir aber nicht vorangekommen. Deshalb haben wir eine neue Strategie entwickelt.

Sport1.de: Und wie sieht diese aus?

Kind: Wir setzen vermehrt auf junge Spieler, die entwicklungsfähig und schnell sind. Auch gegen Mainz haben die Neuzugänge eine engagierte Partie abgeliefert. Engagierter als so manch anderer Akteur. Wir sind hoffnungsvoll, dass dies der richtige Weg ist.

Sport1.de: Einer der angesprochenen Neuzugänge ist Stürmer Didier Ya Konan, der aus Trondheim gekommen ist. Wird er die Probleme im Angriff lösen? Welche Stärken hat er?

Kind: Wir hatten einfach keine schnellen Stürmer. Dieses Problem wird er zumindest lösen: Er ist unglaublich flink und sehr engagiert.

Sport1.de: Am Wochenende steht das Auswärtsspiel bei Aufsteiger Nürnberg an. Was erwarten Sie von der Mannschaft?

Kind: Wir spielen im achten Jahr in der Liga, wissen, dass Aufsteiger immer besonders motiviert sind. Aber unsere Mannschaft muss ihre Qualität jetzt beweisen und ist gefordert. Wir wollen auf jeden Fall gewinnen, aber auch mit einem Unentschieden könnten wir leben.

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