vergrößernverkleinern
"Klinsi" ist gelasen vor seiner vierten Bundesliga-Partie als Bayern-Coach © getty

Die Fachwelt zerbricht sich den Kopf über den FCB-Sturm. Der Trainer bleibt bei seiner Hackordnung - zum Leidwesen von "Poldi".

Von Mathias Frohnapfel

München - In die Berge ist Jürgen Klinsmann am Wochenende mit der Familie gefahren. Durch Berchtesgaden schlenderte er und erkundete die Umgebung rings um den Königssee.

Wahrscheinlich sitzt er am Donnerstagnachmittag auch deshalb so entspannt vor den Reportern an der Säbener Straße.

Der Blick auf die imposanten bayerischen Alpen lässt den Bayern-Trainer die Kulisse beim deutschen Rekordmeister gelassener betrachten.

Zuallererst natürlich kommt die Frage nach dem Angreifer-Duo auf.

Die wird für Außenstehende von Woche zu Woche verzwickter. Mal trifft Lukas Podolski in der Nationalelf wie am Schnürchen, mal durchschreitet Miroslav Klose tiefe Täler ohne Tore. Und nach dem Finnland-Spiel feiern alle Kloses Wiedererweckung, weil der Nationalelf-Kapitän beim 3:3 Finnland alle Tore fabrizierte.

"Öffentlichkeit sieht nur die Tore"

Widersprüche? Zwickmühle? Klinsmann sieht die nicht. Dem Ex-Stürmer wurde in seiner Karriere bei Inter, Bayern und vielen anderen Stationen so oft die Torlos-Minuten vorgerechnet, dass er für seine Angreifer eine eigene Währung entwickelt hat.

Die Öffentlichkeit zähle nur Tore, der Bayern-Coach aber achtet auch auf andere Faktoren.

Das sind Klinsmanns Kriterien

"Für Stürmer gibt es immer ein Auf und Ab", erklärt er. Daher misst er: "Wie viel läuft, rackert ein Angreifer? Was tut er für die Mannschaft? Wie ist seine Körpersprache?"

Außerdem: "Bereitet er Tore vor?" Der Check folgt im Fall von Klose, "Poldi" und Luca Toni in der Winterpause.

Klinsmann gratuliert Klose zu seinem Dreier-Pack. Klose habe die wundersame Tor-Kanonade bereits im Training angedeutet. Eine Überraschung war sie für den 44-Jährigen nicht.

70 bis 80 Trainingseinheiten habe es bereits gegeben, argumentiert "Klinsi". Die Konsequenz: "Wir haben ein ganz genaues Leistungsbild, danach wird aufgestellt. Ein Außenstehender sieht ja gar nicht jede Einheit."

"Poldi" bleibt Herausforder

In den Bergen hat Klinsmann über Podolski keine neue Erkenntnis gewonnen. "Er ist weiter der Herausforderer der beiden Platzhirsche." Klar, sei das "keine angenehme Rolle für ihn".

Auch daher hat er mit "Poldi", der ja in der Nationalelf nur so Einsatzlust sprüht, viele Gespräche geführt. Hoffnungen auf Änderung in der Stürmerhierarchie gibt es vorerst keine. Und auch keinen Heim-Bonus für den Ex-Kölner vor dem Bundesliga-Spiel in der alten Heimat am Samstag (ab 15 Uhr LIVE).

Kämpfen, sich anbieten, im Training angreifen. Mehr kann "Klinsi" nicht raten. Und fügt an: "Das kann für Lukas ein langfristiger Prozess sein - über mehrere Monate oder Jahre. Da muss er eben durch."

Mitgefühl für Luca Toni

Eine Hintertür, sprich einen Wechsel, gebe es für "Poldi" nicht. "Das Interesse anderer Verein ehrt uns", sagt Klinsmann kurz zu Real Madrids neuerlichem "Liebeswerben". Zu wichtig sei Podolski als dritter Stürmer für die "harte Champions-League-Saison".

Podolski erholt sich in der Nationalelf, für den Sturmkollegen Toni gleicht sie hingegen im Moment eher einer Folterkammer.

Hinzu kommt die harsche Kritik der italienischen Medien. Der Ex-Stürmer Klinsmann kennt Tonis Seelenqualen aus eigener Erfahrung im Ausland. In der Heimat fehlen laut Klinsmann eben ausreichend Infos über die jeweiligen Spieler. Außerdem: In Lippis Team müsse Toni oft als einzige Spitze agieren, habe so automatisch einen schweren Stand.

Ribery erst Ende September zurück

Offenbar weiß Klinsmann nach seinem Trip in die Natur genau, wie er die Roten durch die Saison führen will.

Dazu zählt, das Franck Ribery allerfrühestens gegen Lyon (30. September) in der Champions League spielen soll. Nach der überstandenen Verletzung werde der Ballartist weder gegen Köln noch Bukarest am kommenden Mittwoch zum Kader gehören: "Das kommt definitiv zu früh."

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel