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Felix Magath wird von den Schalker Fans schon jetzt als Heilsbringer gefeiert © imago

Der Meistercoach ist auf gutem Weg zu beweisen, dass er auch ohne viel Geld Erfolg haben kann. Die Handschrift ist früh erkennbar.

Von Martin Hoffmann

München - Wer unbedingt einen Makel finden wollte an Felix Magaths Meisterstück in Wolfsburg, der hatte immer ein Totschlagargument zur Hand.

"Schön und gut das alles, aber ohne die VW-Millionen?"

Magath kennt das Argument - und er will es auf Schalke entkräften:

"In Wolfsburg habe ich gezeigt, dass ich Geld sinnvoll investieren und eine Meistermannschaft aufbauen kann", erklärte er am Wochenende in der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung".

Der nächste Schritt wäre es, "zu beweisen, dass ich den gleichen Erfolg mit wenig Geld und vielen Emotionen hinbekommen kann".

Handschrift schon zu erkennen

Magath ist bis jetzt auf einem guten Weg. Der Saisonstart ist gelungen, und beim 3:0 gegen den VfL Bochum war auch schon deutlich die offensive Handschrift des Trainers zu erkennen.

Magath ist dabei, seinen neuen Klub auch ohne Geld für Großeinkäufe erfolgreich nach seinem Bilde zu formen - indem er andere Wege zum Erfolg findet.

Erneuerung durch junges Blut

Einer davon lautet: Erneuerung durch junges Blut. Von 15 Spielern, die er bislang eingesetzt hat, waren sieben 21 Jahre oder jünger.

Das erinnert an Magaths Zeit beim VfB Stuttgart, wo er Talente wie Alexander Hleb, Andreas Hinkel oder seinen Jetzt-wieder-Schützling Kevin Kuranyi groß herausgebracht hat.

Magaths "Junge Wilde" von heute heißen Lewis Holtby, Carlos Zambrano und Levan Kenia - Nachwuchstalente, die den erstarrten Konkurrenzkampf im Team neu belebt haben.

Moritz: Karrieresprung in Lichtgeschwindigkeit

Und natürlich der 19-jährige Christoph Moritz, dem Magath zu einem Karrieresprung in Lichtgeschwindigkeit verholfen hat.

Vor der Saison aus der A-Jugend von Alemannia Aachen für das Schalker Regionalligateam verpflichtet, reichten Magath zum Start in Nürnberg die guten Trainingseindrücke, um den Mittelfeldmann ohne eine Testspielminute ins klirrend kalte Wasser zu werfen.

Beim Sieg gegen Bochum krönte Moritz seine Beförderung mit dem Treffer zum 1:0 - ohne dass die Schalker ein Foto von ihm hatten, dass sie auf dem Videowürfel präsentieren konnten.

Mineiro ein typischer Magath

Im ebenso schnellen Tempo integrierte Magath Neuzugang Mineiro in seine Mannschaft. Drei Tage nach seiner ablösefreien Verpflichtung vom FC Chelsea spielte der Brasilianer durch und hatte "einen großen Anteil an unserem Erfolg", wie Magath lobte.

Mit seinen 34 Jahren steht Mineiro zwar nicht für die Devise "Kinder an die Macht", trotzdem ist auch seine Verpflichtung ein typischer Magath.

Ein Routinier als ordnende Kraft auf der Sechser-Position. So hatte er es schon beim VfB mit Zvonimir Soldo und in Wolfsburg mit Josue gehalten.

"Lassen Sie die Fans doch träumen"

Magath ist mit Erfolg dabei, eine neue Hierarchie in seinem Team aufzubauen, auch wenn er die bisherige Bilanz betont nüchtern betrachtet.

"Wir haben die ersten beiden Spiele gewonnen. Mehr ist nicht passiert", beeilte sich der Coach nach dem Sieg über Bochum festzustellen. Andererseits will er den Zuschauern die Euphorie auch nicht nehmen: "Lassen Sie die Fans doch träumen."

Schließlich weiß er ganz genau: Erfüllen sich die Träume der Anhänger, wird auch dem letzten Kritiker die Argumente gegen Felix Magath ausgehen.

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