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Laufen Rafael van der Vaart (l.) und Franck Ribery vielleicht bald gemeinsam auf? © getty

FCB-Manager Uli Hoeneß gesteht seine Sorge vor einem Abgang Riberys ein. Derweil bringt sich der Ex-Hamburger ins Gespräch.

Von Matthias Becker

München - Uli Hoeneß musste sich kurze Zeit fürchten, doch Franck Ribery inklusiver beider Beine zu verlieren.

Lehnte er vor einigen Wochen noch ein 50-Millionen-Angebot für den Franzosen mit der Begründung ab, dafür gebe es höchstens das linke Bein von Ribery, verbrachte er kurz darauf einen hektischen Tag.

"Wir haben intern gesagt: Ab 100 Millionen Euro verhandeln wir. Das war eine Abwehrmaßnahme. Wir dachten ja nicht, dass das jemand bezahlt", erklärte Hoeneß nun der "Sport Bild".

Ribery selbst habe man eine Woche vor Ablauf der gesetzten Frist über die Schmerzgrenze des Vereins informiert, so Hoeneß weiter. Die Folge:

"Jemand sagte mir, es würde ein Angebot von 100 Millionen Euro kommen - aber nicht von Real. Da hatte ich einen ganz schlechten Tag."

Hoeneß dachte: "Jetzt ist Franck weg"

Er habe eine eine Leere in sich gespürt, weil er das Gefühl hatte: "Jetzt ist Franck weg."

Die Entwarnung für Hoeneß und die Bayern-Verantwortlichen folgte aber auf dem Fuß.

"Am Abend hat sich herausgestellt, dass es ein Missverständnis war. Da wollte einer drei Spieler mitverrechnen. Als ich das gehört hatte, da war ich richtig glücklich", erinnerte sich der Bayern-Manager.

Van Gaal und Ribery uneinig

Beim Rekordmeister können sie sich also vorerst sicher sein, dass beide Ribery-Beine in München bleiben. Die Diskussion, auf welcher Position im taktischen Konzept des Trainers Louis van Gaals sich diese Beine bewegen, verspricht allerdings weiterhin Spannung.

Van Gaal will seinen Mittelfeld-Star auf der Spielmacherposition hinter den Spitzen sehen. Der Franzose selbst sieht seine Stärken aber weiterhin auf der linken Mittelfeldseite.

Unterstützung bekommt er dabei von Franz Beckenbauer.

"Ich glaube, dass Ribery zentral zu viele Probleme auf sich zukommen sieht. Da ist es viel zu eng, und für sein Spiel braucht er Platz. Den hat er natürlich auf dem Flügel, da fühlt er sich wohl und hat dort auch seine besten Spiele gemacht. Man muss ja sehen, wo der Spieler seine Stärken hat", sagte Beckenbauer bei Sat.1.

Van der Vaart als Lösung?

Eine Lösung dieses Widerspruchs könnte einerseits durch die Autorität und Überzeugungskraft van Gaals erreicht werden. Andererseits könnte aber auch ein Landsmann des Coachs das Problem beheben: Rafael van der Vaart.

Der ist ein echter Zehner, würde es Ribery ermöglichen, wieder ins geliebte linke Mittelfeld zu rücken. Und erste Versuchsballons aus dem Umfeld des bei Real Madrid ausgemusterten Nationalspielers steigen schon auf.

"Er hätte die Klasse, um Bayern möglicherweise auf ein neues Level zu führen", lässt Berater Robert Geerlings in der Münchner "tz" wissen: "Auf seiner Position ist er einer der Besten der Welt. Bayern und van der Vaart, das würde sehr gut passen."

Berater: "Eine wirtschaftlich sehr gute Lösung"

Van der Vaart und die Bayern, war da nicht schon was? In der HSV-Zeit des Niederländers äußerte sich Hoeneß wenig schmeichelhaft über dessen Qualitäten. Van der Vaart reagierte gereizt und wollte von den Bayern nichts mehr wissen.

Das klingt inzwischen etwas anders. Hoeneß erklärte der "Sport Bild": "Wir haben uns mit dem Thema van der Vaart bereits beschäftigt, bevor er zu Real Madrid ging."

Berateter Geerlings bleibt diplomatisch. "Es wäre wirtschaftlich eine sehr gute Lösung für Bayern", sagte er und hebt die Verbindung zu Bayern-Coach van Gaal hervor: "Herr van Gaal ist sich der Qualitäten von Rafael wohl bewusst."

Rummenigge skeptisch

Eigentlich sieht das alles nach einer Win-Win-Situation aus, wäre da nicht Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge. Der bleibt nämlich skeptisch und will auf Berater-Aussagen nicht zu sehr vertrauen.

"Schauen Sie doch mal auf englische Internetseiten. Da sehen Sie, dass Herr van der Vaart dasselbe zum FC Arsenal gesagt hat", sagte er der "tz".

Zudem würde eine Verpflichtung van der Vaarts Bastian Schweinsteiger überflüssig machen, rechnete Rummenigge vor: "Wir haben nicht vor, auf dem Transfermarkt noch was zu tun."

Einen neuen Unruheherd wollen die Bayern schließlich unter allen Umständen vermeiden. Auch um das Nervenkostüm von Uli Hoeneß zu schonen.

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