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Dieter Hecking war seit September 2006 Trainer der Hannoveraner © getty

Dieter Hecking hat in Hannover hingeworfen. Ein ehemaliger Chefcoach des FC St. Pauli leitet nun vorübergehend die Geschicke.

Hannover - Am Wochenende hatte er einen Rücktritt noch kategorisch ausgeschlossen, am Mittwoch warf Trainer Dieter Hecking bei Hannover 96 unerwartet doch das Handtuch.

Nach fast genau dreieinhalb Jahren und einem Krisengipfel am Mittwoch beendete der 44-Jährige damit offenbar entnervt eine sehr emotionale Beziehung zu den Niedersachsen.

"Diese Entwicklung trifft mich ganz persönlich sehr", sagte Hannovers Präsident Martin Kind. "Ich habe Dieter Hecking als einen besonderen Menschen und Trainer kennen und schätzen gelernt. Wir wollten nach einer schwierigen Saison jetzt gemeinsam einen erfolgreichen Neustart einleiten. Das ist uns nicht gelungen."

Bergmann Übergangscoach

Als Übergangstrainer fungiert zunächst Andreas Bergmann, der bei Hannover eigentlich das U-23-Team coacht.

Der 50-Jährige, der von 2004 bis 2006 Chefcoach beim FC St. Pauli war, leitete am Tag nach Heckings Abgang bereits erstmals das Training.

Bergmann ist allerdings nur eine Interimslösung, wie ein Sprecher Hannovers betonte.

"Der Zeitpunkt wird nicht kommen, dass ich aufgebe"

Der zweimalige deutsche Meister und DFB-Pokalsieger von 1992 hatte einen ernüchternden Saisonstart mit dem Aus in der ersten DFB-Pokal-Runde durch das 1:3 bei Regionalligist Eintracht Trier sowie in der Bundesliga mit dem 0:1 bei Hertha BSC Berlin und dem 1:1 gegen Aufsteiger FSV Mainz 05.

Nach dem Mainz-Spiel hatte es "Hecking-raus-Rufe" gegeben, wovon sich Hecking nicht beeindrucken ließ.

"Derartige Rufe hat es ja schon am vergangenen Wochenende in Berlin und auch in der letzten Saison gegeben. Natürlich stimmen im Moment die Ergebnisse nicht, aber ich kann nur weiterhin akribisch meine Arbeit machen. Der Zeitpunkt wird nicht kommen, dass ich aufgebe", sagte er. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabellen)

Ausführliche Diskussion mit Kind und Schmadtke

Beeindruckt hat den fünffachen Familienvater aber wohl ein Krisengifel mit Kind und Sportdirektor Jörg Schmadkte.

"Nach einer ausführlichen Diskussion mit Präsident Martin Kind und Sportdirektor Jörg Schmadtke, bei der es um die Analyse der derzeitigen Situation des Bundesligisten ging, bot Hecking seinen Rücktritt an. Dieser wurde angenommen", hieß es in der offiziellen Mitteilung des Klubs.

Hecking kam 2006 von Alemannia Aachen nach Hannover, schaffte mit dem Team den Klassenerhalt und sicherte dem Verein danach mit Rang acht in der Saison 2007/2008 die beste Platzierung nach dem Wiederaufstieg 2002.

In der vergangenen Saison gelang trotz widriger Begleitumstände der 11. Platz.

Verhältnis des Trainers zu einigen Spielern war belastet

In dieser musste der Klub zahlreiche Verletzungen verkraften, unter anderen die der teuren Verpflichtungen wie Mikael Forssell und Jan Schlaudraff.

Allerdings war das Verhältnis zwischen Trainer und Teilen der Mannschaft auch belastet.

So suspendierte Hecking im Dezember 2008 den damaligen Kapitän Hanno Balitsch nach einer lautstarken Auseinandersetzung.

Slomka ist ein Nachfolge-Kandidat

Möglicherweise könnte der Klub bei der Suche nach einem dauerhaften Nachfolger für Hecking den kurzen Weg wählen.

Mirko Slomka, der nach seiner Entlassung bei Schalke 04 im August 2008 nach einem neuen Arbeitgeber sucht, war von 2001 bis 2004 unter Ralf Rangnick Co-Trainer bei den Niedersachsen und wohnt in Hannover.

Nach der Entlassung von Jörn Andersen bei Aufsteiger FSV Mainz 05 unmittelbar vor der Spielzeit ist Hecking der zweite Trainer der noch jungen Saison, der vorzeitig geht.

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