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Neu-Bayer Tim Borowski hat bereits 33 Länderspiele absolviert © getty

Für einen guten Start bei Bayern hat Tim Borowski den Urlaub sausen lassen. Doch Stammplatz-Ansprüche stellt er nur vorsichtig.

Von Mathias Frohnapfel

München - Tim Borowski nimmt seinen Job ernst. So sehr, dass sogar das nahende Oktoberfest und der obligatorische Wiesn-Besuch des Bayern-Trosses für ihn zum Studienanlass wird.

"Wir freuen uns darauf", sagt "Boro" vor seinem Debüt auf dem größten Volksfest der Welt. Eine richtige "Krachlederne", also eine traditionelle Lederhose, hat der Mittelfeld-Mann auch schon.

Effenberg war mal Vorbild

Allerdings: "Jetzt zählen erstmal andere Dinge." Der 28-Jährige will in München Stammspieler werden, auch wenn er das nicht eigens betont. Die genaue Position ist für den ehemaligen Bremer, der früher mal Stefan Effenberg als Vorbild hatte, nicht entscheidend.

"Verletzungsbedingt ist die Personalsituation mau, man muss deshalb bereit sein, auf allen Positionen zu spielen", berichtet er im Pressegespräch an der Säbener Straße.

"Viel und gut trainiert"

Er selbst fühlt sich fit, habe "viel und gut trainiert". Die letzten Defizite, die es nach seiner Innenbanddehnung im linken Knie gegeben hatte, sollten austrainiert sein. Mit anderen Worten: "Boro" hebt die Hand für weitere Einsätze im roten Dress.

Beim 4:1-Sieg gegen Hertha BSC Berlin fiel sein Anspruch jedoch einer Systemumstellung zum Opfer. Trainer Jürgen Klinsmann begann mit einem nominell recht defensiven Fünfer-Mittelfeld, in dem für den Borowski, der am besten zentral zum Zug kommt, plötzlich kein mehr Platz war.

Borowski, der Diplomat

Der Vize-Europameister, der bereits beim 1:1 in Dortmund seinen ersten Bundesliga-Treffer für den FCB erzielte, wurde erst in der 71. Minute eingewechselt. Auf die Frage nach einem Platz für die erste Elf am Samstag in Köln (15 Uhr, LIVE) antwortet er zurückhaltend: "Das entscheidet der Trainer kurzfristig".

Außerdem: Er freue sich jetzt auf die englischen Wochen mit Champions League und Pokal. Spielpraxis, so der Gedanke dahinter, scheinen da programmiert. Der Mittelfeld-Spieler diplomatisch: "Es wäre toll, das ein oder andere Spiel von Anfang an zu machen."

Klinsmann etablierte Borowski seinerzeit im Nationalelf-Kader. Auch weil der 1,94-Meter Mann in Vielem einem Musterprofi gleicht.

Statt in den Urlaub zu fahren, blieb er nach der EM in München und Umgebung, entdeckte den Englischen Garten als einen seiner Lieblingsplätze und schwärmt seitdem für das angenehme Klima im Süden.

Raus "aus dem alten Trott"

Sein Ziel: rund um den Verein und die Stadt "mit großer Lebensqualität" alles aufzusaugen, "was ich so lese und höre. Das gehört zur Identifikation einfach mit dazu". Nach zwölf Jahren in Bremen habe er mit der Familie auch raus "aus dem alten Trott" gewollt.

Teil der Mannschaft zu werden, fällt dem Doublegewinner (2004 mit Werder) leicht, denn erstens kommen die Bayern "jetzt ins Rollen" und zweitens sei er von den Kameraden schnell integriert worden.

Kumpeltyp Ribery

Beinahe nebenbei schwärmt Borowski für den Kollegen Franck Ribery. "Er ist hungrig auf den Erfolg, sympathisch und ein umgänglicher Typ." Ja und selbstredend ein außergewöhnlicher Fußballer.

Die Verständigung mit dem Franzosen klappe mittlerweile schon auf deutsch. "Franck nimmt viele Redewendungen auf." Welche das sind, verrät er nicht. Womöglich etwas in der Art: "Qualität kommt von Qual."

Klinsmann erwartet viel

Seinem Coach Jürgen Klinsmann, der ja ständig das Besserwerden propagiert, dürfte das gefallen. Er formuliert seine Erwartungen an Borowski so: "Tim kann ein ganz großer Spieler werden. Er steht jetzt an einem entscheidenden Punkt seiner Karriere."´

Der gebürtige Neubrandenburger konzentriert sich jetzt auf das Spiel in Köln. Der Verlust von Kapitän Ümit Özat, der mit einer Kreislaufschwäche gegen Karlsruhe auf dem Spielfeld zusammenbrach, werde die Rheinländer motivieren. "Die werden für ihn spielen, rauf und runter rennen."

Andererseits: "Wir haben uns mit dem Dreier gegen Berlin viel Selbstvertrauen geholt". Coach Klinsmann kann seinem Musterschüler nur zustimmen und fügt an: "Wir wollen da weitermachen, wo wir gegen Hertha aufgehört haben und uns spielerisch noch steigern."

Borowski aber wird aller Voraussicht nach vorerst nur zusehen dürfen.

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