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Martin Kind amtiert seit 1997 Präsident von Hannover 96 © imago

Hannover-Boss Martin Kind will in aller Ruhe nach einem neuen Coach suchen. Hecking betont, er sei aus freien Stücken gegangen.

Hannover - Am Tag nach dem Rücktritt von Trainer Dieter Hecking war bei Hannover 96 demonstrative Gelassenheit angesagt.

Kein Aktionismus bei der Krisenbewältigung, keine Hektik bei der Nachfolgersuche und "Business as usual" in der Vorbereitung auf das nächste Bundesligaspiel, so die Losung.

Auch wenn sich die Probleme häufen, wollen sich die Niedersachsen nicht unter Druck setzen lassen.

"Ich kann mir nicht vorstellen, dass es schnell geht. Wir werden für diese Trainersuche Zeit brauchen und uns diese auch nehmen", sagte Klubchef Martin Kind. 142146(DIASHOW: Die schnellsten Trainerentlassungen)

"Niemand konkret auf dem Zettel"

So reflexartig die Namen möglicher Kandidaten bereits wenige Stunden nach der Trennung am Mittwochabend gehandelt wurden, so zurückhaltend ging der 96-Boss das Thema Trainersuche an.

"Bisher haben wir noch niemanden konkret auf dem Zettel", räumte der 65-jährige Unternehmer ein: "Da die jetzt gefällte Entscheidung nicht geplant war, haben wir uns damit bisher nicht beschäftigt."

Stattdessen habe man das Augenmerk zunächst auf die interne Interimslösung gelegt. Bis auf weiteres werde der bisherige Coach der U-23-Mannschaft, Andreas Bergmann, Heckings Aufgaben übernehmen, teilte der Tabellen-14. mit.

Mehrere Alternativen werden geprüft

Der 50-jährige diplomierte Fußball-Lehrer leitete bereits am Donnerstag das Training und wird auch beim nächsten Punktspiel am Samstag beim 1. FC Nürnberg auf der Bank Platz nehmen.

"Es muss ja auch in den nächsten Tagen weitergehen", sagte Kind.

Gleichzeitig soll Sportdirektor Jörg Schmadtke eine Kandidatenliste erstellen, die anschließend abgearbeitet wird. "In so einer Situation ist es wichtig, mehrere Alternativen zu prüfen und mit mehreren Kandidaten zu sprechen", erklärte Kind.

Funkel? Slomka? Andermatt?

Als aussichtsreiche Anwärter gelten die früheren Bundesligatrainer Friedhelm Funkel, Mirko Slomka und der Schweizer Martin Andermatt.

Kind betonte derweil noch einmal, dass die Trennung von Hecking ausschließlich auf Wunsch des Trainers geschehen sei.

"Gerade weil wir in den letzten Monaten gemeinsam durch schwere Zeiten gegangen sind, kam die Entscheidung für mich überraschend und unerwartet."

"Meine freie Entscheidung"

Auch Hecking bestätigte gegenüber dem "kicker", nicht zum Rücktritt gedrängt worden zu sein: "Es war meine freie Entscheidung", so der 44-Jährige.

Nachdem er nach dem Punktspiel am vergangenen Samstag gegen Aufsteiger FSV Mainz 05 (1:1) einen solchen Schritt noch ausgeschlossen hatte, habe er sich am Mittwoch "spontan" zu der Entscheidung durchgerungen: "Ich hatte am Ende einfach das Gefühl, als derjenige dazustehen, der alles bremst."

Bei der Entscheidung sei es nicht um ihn gegangen, "sondern um den Verein und ein konstruktives Vorankommen".

Verbitterung bei Hecking

Hannover hatte einen ernüchternden Saisonstart mit dem Aus in der ersten DFB-Pokal-Runde durch das 1:3 bei Regionalligist Eintracht Trier sowie nur einem Punkt aus den ersten beiden Bundesligaspielen erlebt.

Nach dem Mainz-Spiel hatten die Fans des zweimaligen Deutschen Meisters "Hecking-raus-Rufe" angestimmt.

"Ich war letztendlich für alles verantwortlich und musste herhalten, Spieler etwa wurden kaum noch kritisiert", erklärte Hecking verbittert.

Zweiter Abgang in der jungen Saison

Der Coach war 2006 von Alemannia Aachen nach Hannover gekommen, schaffte mit dem Team den Klassenerhalt und sicherte dem Verein danach mit Rang acht in der Saison 2007/2008 die beste Platzierung nach dem Wiederaufstieg 2002.

In der vergangenen Saison reichte es trotz ambitionierter Investitionen nur zu Platz elf - auch wegen ständigen Verletzungspechs.

Nach der Entlassung von Jörn Andersen in Mainz unmittelbar vor der Spielzeit ist Hecking der zweite Trainer der noch jungen Saison, der vorzeitig geht.

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